Nach einem fordernden Jahr: klare Signale für 2026

Im Neujahrsinterview zieht LH-Stv. Josef Geisler Bilanz über das Jahr 2025 und erklärt, wie Förderungen, Wolfsmanagement und Raumordnung der Tiroler Landwirtschaft 2026 Stabilität geben sollen.

08.01.2026

Wenn Sie auf das Jahr 2025 zurückblicken: Welche Themen haben die Tiroler Landwirtschaft am stärksten beschäftigt, und welche Herausforderungen bzw. Entwicklungen nehmen wir ins neue Jahr mit?
GEISLER: Das Jahr 2025 war für die Tiroler Landwirtschaft erneut sehr fordernd. Besonders stark beschäftigt hat uns das vermehrte Auftreten von Tierseuchen wie die Blauzungenkrankheit, TBC oder die Vogelgrippe. Solche Ereignisse zeigen, wie verletzlich tierhaltende Betriebe sind und wie rasch sich Unsicherheit auf Märkte und Betriebe auswirkt.
Ein weiteres zentrales Thema war der Umgang mit Großraubtieren. Die Herabstufung des Schutzstatus des Wolfes auf EU-Ebene war ein wichtiger politischer Erfolg, auf den wir lange hingearbeitet haben. Parallel dazu haben wir 2025 intensiv an den Vorbereitungen für die Jagdgesetznovelle gearbeitet, um ab 2026 noch praktikablere Lösungen für die Almwirtschaft zu ermöglichen.
Sehr wesentlich war auch die Absicherung der öffentlichen Leistungsabgeltungen. Mit dem Doppelbudget 2026/27 ist es gelungen, trotz schwieriger Rahmenbedingungen Planungssicherheit für die bäuerlichen Familienbetriebe zu schaffen.

Die Absicherung der Gelder für die Landwirtschaft ist vielen Betrieben ein großes Anliegen. Wie sind die Landesförderungen – etwa Investitionsförderung oder Milchkuhprämie – für 2026 aufgestellt?
Gerade in herausfordernden Zeiten ist Verlässlichkeit entscheidend. Deshalb war es mir wichtig, die Kofinanzierungen des Landes für die nächsten zwei Jahre abzusichern. Das ist gelungen. Die Milchkuhprämie wird auch 2026 und 2027 in voller Höhe ausbezahlt – ein klares Bekenntnis zum Grünland- und Rinderstandort Tirol.
Bei der Investitionsförderung setzen wir gezielte Akzente: Künftig werden auch Laufstallumbauten zur Erreichung der Tierhaltungsstufe 3 mit 30 Prozent gefördert. Gleichzeitig mussten wir aufgrund der budgetären Lage Einsparungen vornehmen. Dabei war unser Zugang klar: Wir sparen im System, nicht bei den Bäuerinnen und Bauern.

Mit der geplanten Novelle des Tiroler Jagdgesetzes soll die Entnahme von Wölfen erleichtert werden. Welche Verbesserungen sind aus Ihrer Sicht vorgesehen und was bedeutet das für die Alm- und Weidewirtschaft?
Wenn ein Wolf Tiere bedroht, braucht es schnelle Entscheidungen. Genau hier setzt die Novelle an. Diese Novelle macht unser Wolfsmanagement noch schneller und wirksamer. Die Almwirtschaft ist ein unverzichtbarer Teil unserer Kulturlandschaft und Wertschöpfung. Sie kann nur funktionieren, wenn die Bewirtschaftung auch zumutbar bleibt. Die Novelle ist ein wichtiger Schritt, um hier noch mehr Handlungssicherheit zu schaffen. Die Einbindung der Tierhalterinnen und Tierhalter bei der Entnahme von Schad- oder Risikowölfen ist ein weiterer Meilenstein. Tirol nimmt damit eine Vorreiterrolle ein.

Auch auf europäischer Ebene stehen mit der neuen GAP wichtige Entscheidungen an. Welche Entwicklungen erwarten Sie aus Brüssel – und was bedeutet das für die Tiroler Bauernfamilien?
2026 werden auf EU-Ebene die Weichen für die GAP ab 2028 gestellt. Auf Basis der aktuellen Vorschläge stehen sehr harte Verhandlungen bevor. Die diskutierten Kürzungen sowie die fehlende klare Zweckbindung der Mittel bereiten große Sorgen – vor allem für Bergbauernbetriebe. Umso wichtiger ist eine starke Interessenvertretung, damit Leistungsabgeltungen gesichert und Investitionen weiterhin möglich bleiben.

Wie schätzen Sie die Entwicklung der heimischen Lebensmittelversorgung im vergangenen Jahr ein, besonders im Hinblick auf steigende Kosten und Marktbedingungen?
2025 war grundsätzlich ein gutes Erntejahr. Gleichzeitig spiegeln die Erzeugerpreise – mit Ausnahme des Rindfleischsektors – die gestiegenen Produktionskosten vielfach nicht wider. Zusätzlich sorgen Tierseuchen und andere unvorhersehbare Ereignisse für Unsicherheit. Das zeigt, wie wichtig regionale Wertschöpfung, faire Preise und stabile Rahmenbedingungen sind.

Welche Schwerpunkte möchten Sie 2026 in der Raumordnung setzen, um den ländlichen Raum und landwirtschaftliche Flächen zu schützen?
Grund und Boden sind das wertvollste Gut der Landwirtschaft. Der Schutz landwirtschaftlicher Flächen bleibt daher zentral. Vorsorgeflächen werden weitergeführt, bodensparendes Bauen ist oberstes Ziel. Nur so können Landwirtschaft, Wohnen und Wirtschaft langfristig in Balance bleiben.

Welche Herausforderungen sehen Sie für die bäuerlichen Familien im ländlichen Raum abseits der klassischen Agrarthemen?
Neben der Agrarpolitik braucht es ein gutes Gesamtumfeld: Kinderbetreuung, ärztliche Versorgung, Verkehrsinfrastruktur und leistbarer Wohnraum sind entscheidend dafür, dass junge Menschen am Hof bleiben. Landwirtschaft funktioniert nur mit starken Familienbetrieben und Perspektiven im ländlichen Raum.

Welche Botschaft möchten Sie den Leserinnen und Lesern zum Start ins neue Jahr mitgeben?
Die Tiroler Landwirtschaft hat in den vergangenen Jahren enorme Herausforderungen gemeistert – wirtschaftlich, gesellschaftlich und auch emotional. Umso wichtiger ist es, mit Zuversicht ins neue Jahr zu gehen. Mir ist wichtig, dass die Bäuerinnen und Bauern wissen: Ihre Arbeit wird gesehen und geschätzt. Das Land Tirol steht auch weiterhin verlässlich an ihrer Seite – bei der Absicherung der Einkommen, bei Investitionen und beim Schutz der Bewirtschaftung unserer Almen und Flächen. Gerade in unsicheren Zeiten braucht es Stabilität, klare Rahmenbedingungen und den Mut, weiter anzupacken. Mit Zusammenhalt, Hausverstand und der großen Einsatzbereitschaft unserer bäuerlichen Familien bin ich überzeugt, dass wir auch die kommenden Herausforderungen gut bewältigen werden.

Foto: Mut, Stabilität und klare Rahmenbedingungen sieht LH-Stv. Josef Geisler als notwendige Konstanten in unsicheren Zeiten. (Fischler)

 

 

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