Tiroler Bauernbund kritisiert Anzeigen gegen Schafhalter

Direktor Peter Raggl verurteilt das Vorgehen gegen von Wolfsrissen betroffene Schafhalter und warnt vor weitreichenden Folgen für die Almwirtschaft.

25.06.2026

Der Auftrieb von Weidetieren trotz Wolfspräsenz ist laut der Leitlinien zum Vollzug des Tierschutzgesetzes grundsätzlich zulässig. (Foto: Jim Cumming – stock.adobe.com)


Die vermehrten Anzeigen gegen von Wolfsrissen betroffene Schafhalter in unterschiedlichen Teilen Tirols seien an Geschmacklosigkeit und Realitätsferne kaum mehr zu überbieten, betont Bauernbunddirektor Dr. Peter Raggl: „Während Bauernfamilien die Folgen eines Wolfsangriffs bewältigen müssen, Tiere verlieren und mit den schrecklichen Bildern gerissener Schafe konfrontiert sind, sitzen selbsternannte Tierschützer hunderte Kilometer entfernt in ihren Büros und verfassen Anzeigen gegen die Opfer. Das ist völlig inakzeptabel.“

 

Kein rechtlicher Verstoß

Raggl weist insbesondere den Vorwurf zurück, Tierhalter würden durch den Almauftrieb trotz Wolfspräsenz gegen geltendes Recht verstoßen: „Die erst vor wenigen Wochen beschlossenen Leitlinien zum Vollzug des Tierschutzgesetzes halten ausdrücklich fest, dass der Auftrieb von Weidetieren trotz Wolfspräsenz grundsätzlich zulässig ist und jede Situation individuell zu beurteilen ist. Wer daraus pauschal einen Gesetzesverstoß konstruiert, ignoriert bewusst die geltende Rechtslage.“

Nach Ansicht des Tiroler Bauernbundes geht die Diskussion über einzelne Fälle hinaus: „Noch bedenklicher ist jedoch die Konsequenz einer solchen Rechtsauffassung. Wolfspräsenz gibt es mittlerweile in weiten Teilen Tirols. Würde man der Argumentation der Wolfsbefürworter folgen, wäre die Almwirtschaft in ihrer heutigen Form vielerorts nicht mehr möglich.“

 

Bauernbund kritisiert NGOs

Kritik richtet Raggl auch an NGOs und Tierschutzorganisationen, die aus seiner Sicht Maßnahmen zur Regulierung des Wolfsbestandes verhindert oder verzögert hätten: „Genau jene Organisationen, die den Wolf um jeden Preis schützen wollen, tragen Mitverantwortung für die heutige Situation. Sie haben notwendige Managementmaßnahmen verzögert, blockiert und rechtlich bekämpft. Das Ergebnis sind immer mehr Wolfsrisse, immer mehr Tierleid und immer größere Belastungen für die Bauernfamilien.“

 

Konsequente Entnahme

Der Tiroler Bauernbund spricht sich erneut für die konsequente Entnahme von Problem- und Risikowölfen aus und verweist auf den bestehenden Tiroler Weg im Wolfsmanagement: „Tirol hat in den vergangenen Jahren einen Abschussweg geschaffen, der hinsichtlich Geschwindigkeit, Praxistauglichkeit und Rechtssicherheit europaweit seinesgleichen sucht. Während andere Regionen noch über Zuständigkeiten diskutieren, können in Tirol konkrete Problem- und Risikowölfe per Verordnung rasch entnommen werden. Wer selbst dieses System noch bekämpft, macht deutlich, dass es nie um Herdenschutz oder Tierwohl gegangen ist, sondern ausschließlich um die kompromisslose Durchsetzung einer ideologischen Agenda auf dem Rücken unserer Bauern und ihrer Tiere. Die bestehenden Abschussverordnungen sind nicht willkürlich, sondern die behördliche Bestätigung einer konkreten Gefährdungslage.“

 

Bauernbund fordert Ende der Anzeigen

Abschließend fordert der Tiroler Bauernbund ein Ende der Anzeigen gegen betroffene Tierhalter. „Solche Aktionen helfen keinem einzigen Tier, sondern dienen ausschließlich der politischen Inszenierung. Unsere Bauernfamilien brauchen Schutz und Unterstützung – und keine ideologisch motivierten Anzeigen aus der Distanz“, so Raggl abschließend.

 

 

 

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