„Widerstand war notwendig – der Kampf für die Landwirtschaft geht weiter“

Trotz massiven Widerstands aus Österreich hat eine Mehrheit der EU-Mitgliedstaaten dem EU-Mercosur-Abkommen zugestimmt. Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig zeigt sich kämpferisch.

22.01.2026

Faire Wettbewerbsbedingungen für die heimische Landwirtschaft sind eine zentrale Forderung des Landwirtschaftsministers. (Foto: Fitsch)


Österreich habe bis zuletzt konsequent Nein gesagt – und genau dieser Widerstand aus den bäuerlichen Reihen habe entscheidende Verbesserungen für die europäische Landwirtschaft gebracht. „Mercosur ist kein gewöhnliches Handelsabkommen", stellt Totschnig klar. „Wir sprechen von völlig unterschiedlichen Produktionsbedingungen, enormen Betriebsgrößen, niedrigeren Umwelt- und Sozialstandards sowie billigeren Betriebsmitteln. Das erhöht den Wettbewerbsdruck auf unsere bäuerlichen Familienbetriebe massiv."

Zahlen zeigen: Druck auf den Rindfleischmarkt steigt
Gerade im sensiblen Bereich der Rindfleischproduktion verdeutlichen die Zahlen die Brisanz des Abkommens. 99.000 Tonnen Rindfleisch aus Südamerika können im Rahmen des Mercosur-Abkommens künftig zum ermäßigten Zollsatz von 7,5 % in die EU importiert werden, zusätzlich können 47.500 Tonnen Edelteile, für die bisher im Rahmen der WTO 20 % Zoll fällig waren, künftig zollfrei importiert werden. Insgesamt entspricht das rund 2,2 % der EU-Produktion – mit erheblicher Marktwirkung.

Widerstand mit Wirkung: Schutzmechanismen verschärft
Österreichs konsequente Haltung – gemeinsam mit Ländern wie Frankreich, Polen und Irland – hat jedoch konkrete Zugeständnisse der Europäischen Kommission erzwungen. Ab 2026 werden die Importkon-trollen an den EU-Außengrenzen um 33 % erhöht, bei Rindfleisch aus Mercosur gelten künftig 100 % Dokumenten- und Identitätskontrollen sowie 50 % physische Kontrollen. Zusätzlich werden die Vor-Ort-Audits in Drittstaaten um 50 % ausgeweitet. Exportbetriebe werden direkt in Südamerika verstärkt kontrolliert. Über die Importkontrollen muss alle sechs Monate Bericht erstattet werden.

Für 24 sensible Agrarprodukte, darunter Rindfleisch, Geflügel oder Zucker wurden Schutzmaßnahmen beschlossen. Bei Marktverwerfungen, wenn die Importe im 3-Jahresschnitt um mehr als 5 % steigen oder die Preise um mehr als 5 % sinken, treten Schutzmechanismen in Kraft.

Zur Absicherung der Landwirtschaft will die EU auch die Agrarkrisenreserve (Unity Safety Net) auf 900 Millionen Euro/Jahr bzw. 6,3 Mrd. Euro in der Finanzperiode verdoppeln.
Besonders wichtig für Totschnig: „Es muss ausgeschlossen sein, dass in der EU verbotene Pflanzenschutzmittel über Importware auf unsere Teller kommen." Ein Importverbot für Produkte mit Rückständen verbotener Wirkstoffe sowie strengere Rückstandshöchstwerte sollen das sicherstellen.

Faire Einkommen und Versorgungssicherheit im Fokus
Für den Landwirtschaftsminister steht fest: Die europäische Landwirtschaft ist ein Grundpfeiler der Versorgungssicherheit – gerade in Krisenzeiten. „Diese Rolle kann sie aber nur erfüllen, wenn unsere Bäuerinnen und Bauern konkurrenzfähig bleiben." Deshalb fordert Totschnig unter anderem schnellere Zulassungen für alternative Pflanzenschutzmittel, leistbare Treibstoffe und vor allem faire Erzeugerpreise.

Ein klares Nein kommt von ihm zu Kürzungen bei der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP): „Nach diesem Beschluss ist völlig klar – Kürzungen im Mehrjährigen Finanzrahmen der GAP sind inakzeptabel." Österreich habe diese Debatte angestoßen – mittlerweile hätten sich 16 Mitgliedstaaten angeschlossen.

Transparenz für Konsumenten bleibt Schlüsselfrage
Ein zentrales Anliegen bleibt die verpflichtende Herkunftskennzeichnung. „Die Konsumentinnen und Konsumenten müssen sehen können, woher ihre Lebensmittel stammen und unter welchen Bedingungen sie produziert wurden", betont Totschnig. Dass die EU-Kommission hier noch immer säumig sei, sei nicht nachvollziehbar.

Kampfansage zum Schluss
Vergangene Woche informierte Totschnig im Rahmen der Bauernbund-Klausur in St. Michael sowie in einer Videokonferenz mit Ortsbauernobleuten in Tirol über die aktuellen Entwicklungen. Dabei räumte er mit Missverständnissen auf, präsentierte Zahlen – und machte unmissverständlich klar: „Der Widerstand gegen Mercosur war notwendig. Und wir werden auf allen Ebenen weiterkämpfen – für faire Wettbewerbsbedingungen, für Planungssicherheit und für die Zukunft unserer heimischen Landwirtschaft."

 

 

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