05.11.2026

Vertreter aus Tirol, Bayern und Südtirol trafen sich am Versuchszentrum Laimburg. (© SBB)
Die Landwirtschaft dies- und jenseits der Grenzen stärken und gemeinsame Positionen erarbeiten: Mit diesem Ziel trafen sich Vertreter der bäuerlichen Interessenvertretungen aus Tirol, Südtirol und Bayern am 28. Oktober am Versuchszentrum Laimburg. Gerade angesichts der anstehenden Weichenstellungen für die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) 2028 bis 2034 kommt diesem grenzüberschreitenden Schulterschluss besondere Bedeutung zu.
„Unsere Bergbauernbetriebe stehen in vielen Bereichen vor denselben Herausforderungen. Deshalb müssen wir unsere Kräfte über die Grenzen hinweg bündeln und unsere Anliegen gemeinsam mit Nachdruck vertreten. Die kleinstrukturierte Landwirtschaft im Berggebiet braucht eine starke Stimme bei der Ausgestaltung der neuen GAP“, betonte Tirols Bauernbundobmann LH-Stv. Josef Geisler.
Gastgeber war der Südtiroler Bauernbund mit Landesobmann Daniel Gasser. Aus Tirol nahmen neben Bauernbundobmann LH-Stv. Josef Geisler auch LK-Präsident NR Josef Hechenberger sowie Bauernbunddirektor Dr. Peter Raggl und LK-Direktor Mag. Ferdinand Grüner gemeinsam mit Fachexperten am Austausch teil. Der Präsident des Bayerischen Bauernverbandes Günther Felßner war entschuldigt. Fachexperten seines Verbandes brachten die bayerischen Anliegen und Erfahrungen in die Beratungen ein.
Breiten Raum nahmen die Vorschläge zum künftigen EU-Finanzrahmen und zur neuen GAP ein. Im Austausch wurde deutlich: Die wirtschaftlich angespannte Situation auf vielen Höfen macht eine stabile finanzielle Absicherung umso wichtiger. Steigende Betriebsmittelkosten, Trockenheit und schwierige Absatzmärkte setzen die Betriebe unter Druck. Kürzungen bei den Agrarmitteln würden diese Lage zusätzlich verschärfen.
„Wir wollen keine Kürzungen bei der Landwirtschaft. Die neue GAP muss ausreichend finanziert sein und den besonderen Bedingungen unserer bäuerlichen Familienbetriebe Rechnung tragen. Der Austausch mit Tirol und Bayern hilft uns, gemeinsame Anliegen herauszuarbeiten und diese auf europäischer Ebene stärker einzubringen“, unterstrich Gasser.
LK-Präsident NR Josef Hechenberger forderte eine verlässliche finanzielle Perspektive: „Die Agrargelder müssen inflationsangepasst weitergeführt werden. Unsere bäuerlichen Familienbetriebe brauchen Planungssicherheit und eine GAP, die ihre Leistungen für die Lebensmittelversorgung und die Bewirtschaftung des Berggebietes anerkennt. Dafür müssen wir gemeinsam eintreten – in Tirol ebenso wie mit unseren Partnern in Südtirol und Bayern.“
Diskutiert wurde auch, wie Förderungen künftig ausgestaltet sein müssen, damit sie die kleinstrukturierten Betriebe wirksam unterstützen. Neben der Betriebsgröße müssen dabei die tatsächliche Bewirtschaftung und die besonderen He-rausforderungen im Berggebiet berücksichtigt werden.
Ein weiterer Schwerpunkt waren die EU-Entwaldungsverordnung und die Vorgaben zur Wiederherstellung der Natur. Die unterschiedlichen Erfahrungen bei der Umsetzung zeigten, wie wichtig der fachliche Austausch zwischen den Ländern ist. Bestehende Datenbanken zu nutzen und zusätzliche Meldepflichten möglichst gering zu halten, war dabei ein wesentliches Anliegen.
„Für die Praktiker wird es immer schwieriger, wenn laufend neue Vorgaben dazukommen und gleichzeitig nichts wegfällt. Wir brauchen Regelungen, die auf den Höfen umsetzbar sind. Bürokratieabbau muss bei den Bäuerinnen und Bauern tatsächlich ankommen“, forderte Geisler. Ebenso gelte es, landwirtschaftliche Nutzflächen zu schützen und einen weiteren Verlust von Produktionsgrundlagen zu verhindern.
Auch Risikomanagement, Ernteversicherung sowie die Verfügbarkeit geeigneter Pflanzenschutzmittel wurden angesprochen. Der Blick auf die Situation in den drei Ländern machte deutlich, wie eng wirtschaftliche Fragen, verlässliche Rahmenbedingungen und die Zukunftsperspektiven der Bauernfamilien zusammenhängen.

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