Kritik an PV-Plänen in Mils

Vor der Verhandlung zur geplanten Agri-PV-Anlage in Mils fordern LAbg. Andreas Kirchmair und LK-Präsident NR Josef Hechenberger, Photovoltaik auf Dächer und bereits verbaute Flächen zu konzentrieren.

22.10.2026

Die Errichtung einer Agri-Photovoltaikanlage in Mils bei Hall lässt Bauernvertreter protestieren. (© inacio pires – stock.adobe.com)


In Mils bei Hall ist eine Agri-Photovoltaikanlage auf 15 Hektar landwirtschaftlicher Vorsorgefläche geplant. Senkrecht aufgestellte PV-Paneele sollen eine Doppelnutzung ermöglichen: Neben der Stromgewinnung soll die Fläche laut Projektwerber weiterhin landwirtschaftlich bewirtschaftet werden. Anfang November findet die Verhandlung nach dem Tiroler Elektrizitätsgesetz statt. Kammerpräsident Josef Hechenberger und LAbg. An-dreas Kirchmair lehnen dieses Vorhaben ab.

 

Bewirtschaftung eingeschränkt

„Hier geht es um besten ackerfähigen Boden, den wir für die Lebensmittelproduktion brauchen. Durch eine solche Anlage wird die landwirtschaftliche Nutzung stark eingeschränkt“, kritisiert Kirchmair. Die vom Projektwerber angekündigte Doppelnutzung räumt seine Bedenken nicht aus. Er befürchtet, dass die Paneele die Möglichkeiten der Bewirtschaftung erheblich begrenzen. Für den Abgeordneten steht das Vorhaben auch im Widerspruch zum Anspruch, landwirtschaftliche Flächen langfristig zu sichern. „Wir haben in Tirol einen enormen Druck auf die wenigen verfügbaren Flächen. Mit den landwirtschaftlichen Vorsorgeflächen bekennen wir uns bewusst zu einer flächendeckenden Landwirtschaft. Dann müssen wir diese Böden auch für die landwirtschaftliche Produktion erhalten.“

 

Vorsorgeflächen erhalten

LK-Präsident NR Josef Hechenberger verweist auf die grundsätzliche Position der bäuerlichen Interessenvertretung. Die Vollversammlung der Landwirtschaftskammer Tirol habe sich bereits in einer Resolution gegen PV-Freiflächenanlagen auf landwirtschaftlichen Vorsorgeflächen ausgesprochen. „Die Lebensmittelproduktion ist eine der Kernaufgaben unserer Landwirtschaft. Damit unsere Betriebe diese Aufgabe auch künftig erfüllen können, müssen die dafür notwendigen Flächen erhalten bleiben. Deshalb werden wir uns weiterhin dafür einsetzen, dass auf landwirtschaftlichen Vorsorgeflächen keine PV-Freiflächenanlagen entstehen.“

 

Photovoltaik auf Dächern

Kirchmair betont sein Bekenntnis zum Ausbau erneuerbarer Energie. „Wir brauchen alternative Energieformen und den Ausbau der Wasserkraft. Bei der Photovoltaik gibt es noch großes Potenzial auf Dachflächen und anderen bereits verbauten Flächen. Dieses Potenzial müssen wir nutzen.“

Bei Anlagen auf landwirtschaftlichen Produktionsflächen spricht er sich hingegen klar gegen einen weiteren Ausbau aus. „Photovoltaik gehört auf Dächer und verbaute Flächen, nicht auf landwirtschaftliche Flächen, auf denen Lebensmittel produziert werden. Wir müssen Energie dort gewinnen, wo es sinnvoll ist.“

Dabei gehe es auch um die Versorgung der Bevölkerung mit regionalen Lebensmitteln. Eine aktive Landwirtschaft brauche dafür gesicherte Produktionsgrundlagen. „Gerade in unsicheren Zeiten müssen wir uns auf die heimische Lebensmittelproduktion verlassen können. Das hat uns die Corona-Pandemie vor wenigen Jahren deutlich vor Augen geführt. Wenn wir unsere Abhängigkeit von Importen verringern wollen, müssen wir die knappen landwirtschaftlichen Flächen in Tirol erhalten und für die Erzeugung von Lebensmitteln nutzen.“ Kirchmair sieht beim Milser Vorhaben vorrangig ein privates betriebswirtschaftliches Interesse. Dem stehe aus seiner Sicht das öffentliche Interesse am Erhalt landwirtschaftlicher Produktionsflächen gegenüber.

 

Folgen über Mils hinaus

Hechenberger und Kirchmair warnen zudem gemeinsam vor möglichen Auswirkungen über die Gemeindegrenzen hinaus. „Welche Folgewirkungen ein solches Projekt für den Bezirk und für ganz Tirol haben kann, lässt sich heute noch gar nicht abschätzen. Wenn weitere Anlagen dazukommen, geraten unsere landwirtschaftlichen Produktionsflächen zunehmend unter Druck.“

Auch die Auswirkungen auf das Landschaftsbild bereiten Sorgen. „Eine Anlage in dieser Größenordnung ist ein massiver Eingriff in unsere gewachsene Tiroler Kulturlandschaft“, sagt Kirchmair. Der Bauernbund positioniere sich deshalb klar gegen solche Vorhaben auf landwirtschaftlichen Flächen.

 

 

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