„Die Schüler sind unser Mittelpunkt“

Franz Steinwender kennt die LLA Weitau in St. Johann in Tirol seit fast 30 Jahren. Als neuer Direktor will er Bewährtes weiterführen, Neues zulassen und vor allem jedem Schüler eine Chance geben.

17.09.2026

Sie sind seit bald 30 Jahren an der LLA Weitau tätig. Was macht die Schule für Sie besonders und wo sehen Sie Herausforderungen?

Steinwender: Besonders ist sicher unsere sehr breite und praxisorientierte Ausbildung. Wir haben mit Landwirtschaft, Betriebs- und Haushaltsmanagement sowie Pferdewirtschaft und Tourismus drei unterschiedliche Fachrichtungen. Mit der Pferdewirtschaft haben wir zudem ein Alleinstellungsmerkmal: Wir sind die einzige Schule dieser Art in Westösterreich und haben Schülerinnen aus ganz Tirol, Südtirol, Vorarlberg und teilweise auch Bayern.

Sehr erfreulich ist die Entwicklung der Schülerzahlen. Im Schuljahr 2026/27 haben wir mit 356 Schülerinnen und Schülern so viele wie noch nie, in allen drei Fachrichtungen gibt es einen Höchststand. Dazu kommen die Abendschulen und heuer ein Meisterkurs, sodass wir insgesamt rund 420 Schülerinnen und Schüler beziehungsweise Erwachsene ausbilden. Das zeigt für mich schon, dass dieser Schultyp sehr gut angenommen wird.

Eine Herausforderung ist der Generationenwechsel, der bei uns noch nicht abgeschlossen ist. Viele langjährige Lehrkräfte gehen in Pension, heuer sind allein neun neue Lehrerinnen und Lehrer dazugekommen. Gleichzeitig müssen wir bei den Internaten etwas tun. In Werkstätten und Stallungen wurde in den vergangenen Jahren durch Unterstützung des Landes Tirol viel investiert, die Internate entsprechen aber teilweise nicht mehr dem heutigen Standard. Wenn wir wollen, dass sich die Schülerinnen und Schüler hier wohlfühlen, müssen wir auch dafür die entsprechenden Bedingungen schaffen.

Popcorn-Mais und Soja: Am „Zukunftsacker“ bauen Schüler und Lehrer die Pflanzen von Morgen an.


Welche Schwerpunkte möchten Sie als neuer Direktor der LLA Weitau setzen?

Durch die Wechsel in der Direktion und im Lehrkörper ist in den vergangenen Jahren eine gewisse Unruhe entstanden. Mein Wunsch ist, wieder Stabilität in die Schule zu bringen und uns auf das zu konzentrieren, worum es eigentlich geht: die Schülerinnen und Schüler. Für sie sind wir da.

Ein Herzensanliegen ist mir, wirklich alle mitzunehmen – unabhängig davon, ob jemand schulisch sehr stark ist oder sich beim Lernen schwertut. Gerade bei lernschwächeren Schülerinnen und Schülern merkt man oft, dass sie sich im praktischen Bereich sehr gut entfalten. Jeder hat seine Talente, und wir wollen jedem die Möglichkeit geben, hier einen Abschluss zu machen und etwas für das spätere Berufsleben mitzunehmen.

Gleichzeitig dürfen wir nicht stehen bleiben. Wir müssen für Neuerungen offen sein und sie in Theorie und Praxis aufnehmen. Das reicht von neuen Kulturen und unserem „Zukunftsacker“ über moderne Landtechnik bis hin zum Umgang mit künstlicher Intelligenz. Gerade unsere praktische Ausbildung ist dabei ein großer Vorteil: Die Schülerinnen und Schüler müssen Dinge selbst machen, ausprobieren und umsetzen.

Die LLA Weitau ist die einzige Landwirtschaftliche Lehranstalt in Westösterreich mit dem Schwerpunkt „Pferdewirtschaft und Tourismus“.


Was wünschen Sie sich, dass Schülerinnen und Schüler nach ihrer Zeit an der LLA Weitau über die Schule sagen?

Ich wünsche mir, dass sie gerne an ihre Schulzeit zurückdenken. Wenn ich ehemalige Schülerinnen und Schüler treffe, erzählen mir viele, wie schön die Zeit in der Weitau für sie war. Genau dieses Gefühl möchte ich erhalten. Besonders im Internat entstehen in drei Jahren enge Freundschaften, und bei den Abschlussfeiern merkt man oft, wie schwer den Schülerinnen und Schülern der Abschied fällt. Diese Weitauer Gemeinschaft ist etwas Besonderes. Viele sind stolz darauf, hier zur Schule zu gehen.

Einige Schülerinnen haben mir gesagt, dass sie sich freuen, dass ich Direktor werde, weil sie wissen, dass ich die Schüler gern mag. Das hat mich natürlich sehr gefreut. Mein Wunsch ist, dass wir sie drei Jahre lang gut begleiten, ihnen Wissen vermitteln und sie sich auch persönlich weiterentwickeln können – und dass sie die Weitau am Ende mit guten Erinnerungen verlassen.


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(Fotos: BauernZeitung)

 

 

 

 

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