10.09.2026

Bewusste gemeinsame Momente und Gespräche können den Schulstart und Schulalltag erleichtern. (© liderina – stock.adobe.com)
Wie verändert der Schulbeginn den Alltag einer Familie? Gibt es spezielle Unterschiede im bäuerlichen Bereich?
DEUTSCH: Mit dem Schulbeginn verändert sich die Tagesstruktur einer Familie deutlich. Auf einem Bauernhof ist zwar ohnehin ein klarer Rhythmus vorhanden, mit dem Schulstart kommt aber noch einmal etwas Neues dazu. Nach der Stallarbeit müssen die Eltern nun auch die Kinder und ihre Bedürfnisse stärker im Blick haben.
Ich empfehle deshalb, sich schon einige Tage vorher gemeinsam auf den Schulstart vorzubereiten. Gerade bei einer Einschulung oder einem Schulwechsel können Sorgen und Unruhe auftreten. Für kleinere Kinder kann es helfen, gemeinsam im Garten einen „Mut-Stein“ auszusuchen, den sie am ersten Schultag in die Hosentasche stecken. Damit verbindet sich die Botschaft, dass Mama und Papa für sie da sind.
Auch organisatorisch lässt sich Stress vermeiden, wenn Schultasche, Schuhe oder Sportsachen rechtzeitig kontrolliert werden. Am ersten Schultag können die Eltern vielleicht etwas früher in den Stall gehen, damit anschließend noch Zeit für ein gemeinsames Frühstück bleibt. Wichtig ist, den Schulstart positiv zu begleiten und neugierig darauf zu sein, was das Kind erleben und erzählen wird.
Wie können Eltern damit umgehen, wenn gleichzeitig am Hof besonders viel Arbeit anfällt und das Kind mehr Aufmerksamkeit braucht?
Gerade in arbeitsintensiven Zeiten sind bewusste gemeinsame Momente wichtig. Dafür braucht es keine langen Auszeiten. Frühstück, Mittagessen, Marend oder Abendessen bieten sich an, um miteinander ins Gespräch zu kommen.
Auch kleine Rituale können helfen. Eine gemeinsame Hofrunde am Abend, ein paar vorgelesene Seiten oder die Frage, was an diesem Tag schön und was weniger schön war, schaffen Raum für das Kind. Entscheidend ist, in diesen Momenten nicht nur körperlich, sondern auch emotional anwesend zu sein und wirklich zuzuhören. So können Kinder sowohl schöne als auch belastende Erlebnisse noch einmal erzählen und verarbeiten.
Woran merken Eltern, dass ihr Kind nicht einfach nur „keine Lust auf Schule“ hat, sondern tatsächlich überfordert oder ängstlich ist?
Hinweise können wiederkehrende Bauchschmerzen, andere körperliche Beschwerden oder ungewöhnliche Weinerlichkeit sein. Kinder können oft selbst noch nicht benennen, was sie belastet. Körperliche Beschwerden sollten deshalb zunächst medizinisch abgeklärt werden.
Bleiben Probleme bestehen, sollten Eltern nicht zu lange warten. Häufige Fehltage können dazu führen, dass Kinder sowohl beim Schulstoff als auch in der Klassengemeinschaft den Anschluss verlieren. Wichtig ist deshalb zuerst, dem Kind zuzuhören und herauszufinden, was dahinterstecken könnte. Hilfreich ist außerdem ein Gespräch mit der Lehrperson. Unterstützung bieten auch Lebensqualität Bauernhof mit seinem Netzwerk sowie das bäuerliche Sorgentelefon.
Wie können Eltern die Selbstständigkeit ihrer Kinder fördern, ohne sie zu überfordern?
Eltern sollten sich immer wieder fragen, was ihr Kind seinem Alter entsprechend bereits selbst kann. Gerade wenn am Hof viel los ist, ist es oft schneller, Dinge einfach selbst zu erledigen. Langfristig hilft es dem Kind aber mehr, wenn es schrittweise selbst Verantwortung übernimmt.
Auch wenn man irgendwann merkt, dass man seinem 13-jährigen Kind noch das Butterbrot schmiert, ist es nicht zu spät, etwas zu verändern. Dabei kann anfangs durchaus Widerstand kommen, wenn das Kind gewohnt ist, dass Mama oder Papa diese Aufgabe übernimmt. Dann kann die Botschaft lauten: „Ab morgen machst du das selbst, weil ich weiß, dass du das kannst.“ Das hat nichts mit Liebesentzug zu tun. Im Gegenteil: Alles, was Kinder selbst bewältigen, stärkt ihr Selbstwertgefühl.
Was sollten Eltern auch nach den ersten Schulwochen beibehalten?
Den Kindern Raum zu geben und ihnen wirklich zuzuhören. Dadurch kriegt man als Eltern ganz viel mit: Was bewegt mein Kind gerade? Was ist los in der Schule? Und dann verliert man auch als Eltern nie diesen Anschluss.
ZUR PERSON
Anna Deutsch, MSc, Referat Lebensqualität Bauernhof Tirol, ist staatlich geprüfte psychosoziale Beraterin und Mutter von zwei Kindern.

Das Bauernbund-Agrarwetter ist ab 13. April 2026 rund um die Uhr unter Tel. 0512/56 15 93 – auf 16 parallel geschalteten Leitungen – erreichbar. Die tägliche Aktualisierung erfolgt um 8 Uhr.
In unserem Imagefilm und der Infobroschüre erfahren Sie mehr über Ursprung, Aufgaben, Ziele und die Bedeutung des Tiroler Bauernbundes.
Die einfache Suche nach Personen, Orten, Dingen und Terminen!
Tiroler Bauernbund · Brixner Straße 1 · 6020 Innsbruck | +43 512 59 900-12 | tbb@tiroler-bauernbund.at
Öffnungszeiten: Montag bis Donnerstag von 8 bis 12 Uhr und 13 bis 16 Uhr | Freitag von 8 bis 12 Uhr