Start in die Bauernbund-Sommergespräche am Hacklhof

Rund 280 Interessierte folgten am Montagabend der Einladung des Tiroler Bauernbundes zum Sommergespräch auf den Hacklhof der Familie Barbara und Ludwig Reitstätter in Kössen.

27.08.2026

LK-Präsident NR Josef Hechenberger, Bauernbunddirektorin Mag. Corinna Weisl, LH Anton Mattle, Barbara, Stefan, Lea, Ludwig und Matthias Reitstätter, Bauernbundobmann LH-Stv. Josef Geisler und Bauernbunddirektor Dr. Peter Raggl.


Neben der Besichtigung des Betriebes nutzten die Besucher die Gelegenheit zum Austausch mit Landeshauptmann Anton Mattle, Bauernbundobmann LH-Stv. Josef Geisler, Bauernbunddirektorin Corinna Weisl und LK-Präsident NR Josef Hechenberger. Der Hacklhof bot dafür einen passenden Rahmen: Auf dem erfolgreichen Rinderzuchtbetrieb werden 65 Milchkühe sowie 65 Stück Nachzucht der Rassen Pinzgauer und Holstein Friesian gehalten. Während der Sommermonate verbringen 38 Kühe sowie das Jungvieh die Zeit auf der Hackl-Stubenalm in Schwendt. Zum Betrieb gehören außerdem 70 Walliser Schwarznasenschafe und 40 Hühner sowie 42 Hektar Grünland und 27 Hektar Wald. Mit drei Ferienwohnungen und einem Doppelzimmer setzt die Familie Reitstätter zudem auf Urlaub am Bauernhof als weiteres Standbein.

Dürrepaket und Zusammenhalt im Mittelpunkt

Ein Schwerpunkt des Abends war das frisch ausverhandelte Dürrehilfepaket. Weisl und Hechenberger erläuterten, wie die Maßnahmen zustande gekommen sind. Das 240-Millionen-Euro-Paket bringt vier wesentliche Entlastungen: Zwei Monatsbeiträge bei der Sozialversicherung entfallen, Betriebsmittelkredite werden mit Zinszuschüssen unterstützt, bei Agrarinvestitions- und Konsolidierungskrediten werden zusätzliche Stundungsmöglichkeiten geschaffen und der öffentliche Zuschuss zur Dürreversicherung steigt 2027 einmalig von 55 auf 65 Prozent.

Weisl thematisierte dabei auch den schwieriger werdenden Umgang mit Falschinformationen in sozialen Medien. „Wir sind als Bauern ohnehin eine kleine Berufsgruppe. Gerade in schwierigen Zeiten dürfen wir uns nicht auseinanderdividieren lassen. Natürlich muss man kritisch hinterfragen – aber genauso kritisch sollte man prüfen, wer tatsächlich Verantwortung übernimmt und Lösungen erarbeitet und wer mit einfachen Videos und Halbwahrheiten Stimmung macht“, so Weisl.

Mehr Geld für die Berglandwirtschaft

LK-Präsident Josef Hechenberger gab Einblick in aktuelle Entwicklungen auf den Agrarmärkten und die Verhandlungen über die künftige Gemeinsame Agrarpolitik: „Es braucht zukünftig für die Landwirtschaft im Berggebiet mehr Geld, damit sie überlebensfähig bleibt.“ Die GAP-Mittel seien gerade für die kleinstrukturierte Tiroler Landwirtschaft ein essenzieller Bestandteil des bäuerlichen Einkommens.

Landeshauptmann Anton Mattle unterstrich diese Forderung: „Das Geld, das Tirol zusteht, muss nach Tirol kommen. Ich werde dafür sorgen, dass jeder Cent abgeholt und vom Land entsprechend kofinanziert wird.“ Auch sein Ziel, für Tirol keine neuen Schulden zu machen, dürfe nicht auf dem Rücken der Bauern ausgetragen werden. Mattle und Bauernbundobmann LH-Stv. Josef Geisler verwiesen zudem auf den Tiroler Weg beim Wolf. Mit dem neuen Jagdrecht habe man das gegebene Versprechen eingelöst und eine der praktikabelsten Regelungen Europas geschaffen. Mattle brachte die Bedeutung einer starken Interessenvertretung abschließend auf den Punkt: „Die Stärke einer Vereinigung zeigt sich immer dann, wenn‘s hart wird.“

Appelle aus den Bezirken

Bezirksbauernobmann Georg Wurzenrainer appellierte angesichts der Dürre und der Ernteausfälle, dringend benötigte Futtermittel nicht für Biogasanlagen zu verwenden. Gleichzeitig mahnte er praktikable Rahmenbedingungen für zusätzliche bäuerliche Standbeine wie die Vermietung am Hof ein, die gerade in der Region für viele Familien ein wertvolles Zusatzeinkommen darstellt.

Michael Jäger, Bezirksbauernobmann des Nachbarbezirkes Kufstein, erneuerte seinen Appell, gerade jetzt verstärkt zu heimischem Rindfleisch zu greifen. Mit Blick auf die bevorstehenden Bauernbund-Urwahlen rief er die Ortsgruppen außerdem dazu auf, diese gewissenhaft durchzuführen: „Bei der Urwahl legen wir den Grundstein für unsere gesamte politische Interessenvertretung – von der Ortsgruppe über Bezirk und Land bis nach Wien und Brüssel.“

Bauernbundobmann Josef Geisler bedankte sich abschließend bei der Familie Reitstätter für die Gastfreundschaft und bei den rund 280 Teilnehmern für das große Interesse und die intensive Diskussion.

Gut besucht war der Auftakt der Sommergespräche 2026.


Weitere Termine – Sommergespräche am Bauernhof

Die Sommergespräche des Tiroler Bauernbundes bieten auch heuer wieder die Gelegenheit, interessante Betriebe zu besichtigen, sich mit den Berufskollegen auszutauschen und zur Diskussion mit agrarpolitischen Verantwortungsträgern. Alle interessierten Mitglieder des Tiroler Bauernbundes sind dazu eingeladen.

Die Sommergespräche beginnen jeweils ab 19 Uhr mit den Betriebsbesichtigungen, ab 20 Uhr starten die Versammlungen, bei denen auch die Tiroler Agrarspitze mit Bauernbundobmann LH-Stv.
Josef Geisler und Landwirtschaftskammerpräsident NR Josef Hechenberger anwesend ist.

Am Wille-Hof in Mieming

Am Donnerstag, den 27. August, findet das zweite Sommergespräch mit Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig am Wille-Hof der Familie Martin und Barbara Spielmann in Mieming statt. Neben einem Milchwirtschafts- und Zuchtbetrieb mit Ackerbau und Direktvermarktung betreibt Familie Spielmann bereits in sechster Generation eine Frühstückspension.

Am Bichlhof im Zillertal 

Den Abschluss bildet das Sommergespräch am Bergbauern-Nebenerwerbsbetrieb Bichlhof von Gregor und Margret Eberharter in Hart im Zillertal am Montag, den 31. August. Auch hier wird Minister Norbert Totschnig als Referent zugegen sein.


Fotos (2): Tiroler Bauernbund

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