02.04.2026

Gemeinsam mit Expertinnen und Experten aus Politik, Ärzteschaft und Praxis wurde offen über aktuelle Entwicklungen, bestehende Defizite und zukunftsweisende Lösungsansätze gesprochen. Am Podium stellten sich Gesundheitslandesrätin Cornelia Hagele, Kammeramtsdirektor der Ärztekammer Tirol Günter Atzl, Allgemeinmedizinerin Susanne Zitterl-Mair aus Thaur und Allgemeinmediziner Peter Peer aus Tux der Diskussion.
„59 Milliarden Euro werden in Österreich jährlich für die Gesundheitsversorgung ausgegeben. Die medizinische Versorgung darf somit keine Frage der Postleitzahl sein", betont Hermann Gahr, Forum Land-Landesobmann. „Wer im ländlichen Raum lebt, hat denselben Anspruch auf ein funktionierendes, leistbares Gesundheitssystem wie Menschen in den Ballungszentren. Zentralisierung allein ist keine Antwort. Wenn wohnortnahe Strukturen abgebaut werden, leidet nicht nur die Versorgung, sondern auch die Lebensqualität und Attraktivität unserer Regionen."
Ein ausgewogenes Zusammenspiel aus Spitalsstandorten, niedergelassener Versorgung, Pflege und mobilen Diensten sei entscheidend. „Primärversorgungszentren können Teil der Lösung sein. Entscheidend ist jedoch, dass sie den ländlichen Raum ergänzen und bestehende Strukturen stärken – nicht ersetzen", so Gahr.
Primärversorgung ist zentral
Dass in Tirol die Gesundheitsversorgung immer noch sehr gut funktioniert, betont LR Cornelia Hagele. „Adaptionen im System sind ohne Frage nötig, aber es besteht kein Grund, Angst zu haben. Vor allem müssen Gelder klug und effizient im Sinne der Bürger verteilt werden. Die lokale Komponente in Form von Landärzten soll aber erhalten bleiben." Hinderlich seien der starre Rahmen und die mangelnde Flexibilität seitens der ÖGK.
Zentral ist für Kammeramtsdirektor Günter Atzl die Primärversorgung: „Den Wunsch nach wohnortnaher Versorgung gibt es sowohl von Seite der Bevölkerung als auch von Seiten der Ärzteschaft. Problematisch sind die derzeit 30 unbesetzten Kassenstellen in Tirol. Im Bezirk Kitzbühel gibt es keinen Kinderarzt mehr. Bei Primärversorgungszentren ist meiner Ansicht nach darauf zu achten, dass sie nicht in Konkurrenz mit Kassenärzten stehen. Strukturen, die dadurch verloren gehen, sind nicht wieder zurückzuholen." Wichtig sei auch die Rückkehr zur Patientensteuerung, die mit Einführung der E-Card aufgehoben wurde.
Aus der Praxis
Mit Leib und Seele Hausärztin im ländlichen Raum ist Susanne Zitterl-Mair. Einzelordinationen und wohnortnahe Versorgung gelte es, auch aus ihrer Sicht unbedingt zu erhalten: „Ich habe Sorge, dass es den Einzelarzt in dieser Form künftig nicht mehr geben wird. Es besteht zwar vermehrt die Forderung nach Öffnung an Tagesrandzeiten, aber als Allgemeinmedizinerin am Land arbeitet man jeden Tag voll. Das wird oft nicht gesehen. Pro Tag ergeben sich ca. 200 Patientenkontakte – Visiten werden nach wie vor gemacht und von der Bevölkerung geschätzt." Gefragt seien Politik und vor Ort die Bürgermeister: „Unterstützung und Vorausdenken auch in Bezug auf Infrastruktur und Ordinationsräumlichkeiten ist dringend notwendig."
Peter Peer aus Tux wagt einen Blick in die Vergangenheit: „In den letzten 60 bis 65 Jahren hat sich in der Versorgung viel bewegt. Wo früher aufgrund von fehlender Infrastruktur eine medizinische Ausnahmesituation zur existenziellen Bedrohung wurde, hat man heute innerhalb von 20 Minuten Notarzt oder Hubschrauber an seiner Seite. Im Extremfall zählt für mich aber immer der menschliche Ansprechpartner – in psychologischen Ausnahmesituationen kann keine KI weiterhelfen." Weiters gelte es, Hausapotheken seiner Meinung nach zu erhalten.
(Foto: TBZ)

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