Bibergipfel in Kufstein: Bauernbund fordert rasches Handeln bei Biberschäden

Die Rückkehr des Bibers sorgt im Bezirk Kufstein zunehmend für Konflikte.

30.03.2026

Beim sogenannten Bibergipfel, zu dem das Regionalmanagement „Kufstein und Umgebung – Untere Schranne – Kaiserwinkl" (KUUSK) eingeladen hatte, diskutierten Vertreter aus Politik, Verwaltung, Landwirtschaft und Naturschutz über mögliche Lösungsansätze. Besonders deutlich wurde dabei die Position der Landwirtschaft: Bezirksbauernobmann LAbg. Michael Jäger fordert rasche Maßnahmen, klare rechtliche Rahmenbedingungen und Entschädigungen für Betroffene.

Biberbestand stark gestiegen
Der Biber war in Tirol lange Zeit verschwunden. Intensive Bejagung im 17. Jahrhundert führte dazu, dass das Tier nahezu ausgerottet wurde. Der letzte bekannte Biber in Tirol wurde 1813 an der Vils im Außerfern gefangen. Erst um 1990 wanderten wieder Tiere aus Bayern entlang von Inn und Großache ein und gründeten neue Reviere.

Seither hat sich die Population stark entwickelt. Nach aktuellen Zahlen gibt es in Tirol rund 264 Biberreviere mit etwa 871 Tieren. Zum Vergleich: Im Jahr 2016 waren es rund 130 Reviere und etwa 425 Tiere. Damit hat sich der Bestand innerhalb eines Jahrzehnts nahezu verdoppelt.

Der Biber steht allerdings unter strengem Schutz – sowohl durch die europäische FFH-Richtlinie als auch durch das Tiroler Naturschutzgesetz.
Zur Entwicklung der Biberreviere in ganz Tirol:

Schäden nehmen zu
Mit dem steigenden Bestand wachsen auch die Konflikte. Gemeinden und Grundeigentümer berichten zunehmend von unterhöhlten Ufern, beschädigten Bäumen, überfluteten Flächen und Schäden an Infrastruktur. Besonders sichtbar wird das Problem derzeit rund um den Hechtsee in Kufstein.

Dort lebt seit Ende vergangenen Jahres eine Biberfamilie mit vier bis fünf Tieren. Laut Kufsteins Bürgermeister Martin Krumschnabel mussten bereits 15 Bäume gefällt werden, weil sie entlang stark frequentierter Wege aus Sicherheitsgründen nicht mehr stehen bleiben konnten.

Auch aus anderen Gemeinden im Bezirk wurden Probleme gemeldet – etwa beschädigte Gemeindestraßen in Angerberg, Baumverluste in Langkampfen oder Schäden an Streuobstwiesen in Niederndorf.

Landwirtschaft sieht steigenden Leidensdruck
Für die Landwirtschaft ist das Thema bereits seit längerem präsent. Bezirksbauernobmann LAbg. Michael Jäger sieht eine deutliche Verschärfung der Situation.
„Mit den Biberbeauftragten haben wir stets auf Augenhöhe nach Lösungen gesucht", betonte Jäger beim Bibergipfel. Gleichzeitig stelle er fest, dass der Leidensdruck stetig wachse. Schäden an landwirtschaftlichen Flächen oder Maschinen – etwa durch Einbrüche in unterhöhlten Bereichen – hätten dem Problem eine neue Dimension gegeben.

Nach Ansicht des Kufsteiner Bezirksbauernobmannes sind praktikable Lösungen notwendig. „Grundeigentümer und Betroffene brauchen klare rechtliche Rahmenbedingungen und rasche Unterstützung", so Jäger. Als mögliches Beispiel nennt er Kärnten, wo angesichts steigender Bestände bereits ein höheres Entnahmekontingent beschlossen wurde.

Forderung nach aktivem Bestandsmanagement
Aus Sicht der Landwirtschaft reicht es nicht aus, einzelne Konflikte zu entschärfen. Zwar leisten Biberbeauftragte wichtige Arbeit, doch sie könnten nur Symptome lindern, nicht die Ursachen lösen, betont Jäger.

Gefordert werden daher mehrere Maßnahmen:

Ziel: Zusammenleben mit dem Biber
Auch Vertreter des Landes Tirol betonten beim Bibergipfel, dass ein Ausgleich zwischen Naturschutz und den Interessen von Gemeinden und Landwirtschaft notwendig sei. Alternative Nahrungsquellen und präventive Maßnahmen könnten langfristig zur Entschärfung beitragen.

Für Bezirksbauernobmann Jäger steht jedoch fest, dass die Diskussion jetzt in konkrete Schritte münden müsse: Nur mit realistischen Maßnahmen und rechtlicher Klarheit könne ein funktionierendes Zusammenleben von Mensch und Biber gelingen.

(Fotos: Markus Wallner, BFI Kufstein, TBB)

 

 

 

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