Aktueller Stand der Bekämpfung der Rotwild-Tbc

Seit mehr als zwei Jahrzehnten wird in Teilen Tirols Rotwild-Tuberkulose nachgewiesen. Aktuelle Untersuchungen zeigen, dass die Infektionen in einzelnen Regionen wieder zunehmen und das Risiko für eine Übertragung auf Rinder steigt.

19.03.2026

In Tirol werden in den bekannten Risikogebieten seit vielen Jahren umfassende veterinärbehördliche Kontroll- und Bekämpfungsmaßnahmen durchgeführt. Nach dem Almabtrieb im Herbst werden jährlich rund 4.000 Rinder aus etwa 500 Betrieben untersucht. In den Jahren 2016 bis 2023 wurden dabei lediglich vereinzelte Fälle von Rindertuberkulose festgestellt – konkret jeweils ein Fall in den Jahren 2016, 2021 und 2023.

Der Landesveterinärdirektion zufolge wurden im Jahr 2024 bei den Herbstuntersuchungen fünf infizierte Rinder aus fünf Betrieben nachgewiesen, davon vier im Bezirk Landeck und eines im Bezirk Reutte. Im Jahr 2025 wurden zwei weitere positive Fälle registriert, beide in Betrieben im Bezirk Landeck. Wie bereits in der Vergangenheit konnte die Infektion auf die Alpung im Sommer 2025 auf derselben Alm im Verwallgebiet zurückgeführt werden. Ein weiteres Rind aus dem Bezirk Reutte fiel bereits im Jänner 2025 bei der amtlichen Fleischuntersuchung im Schlachthof aufgrund eines Tuberkuloseverdachts auf und wurde später positiv bestätigt. Bei allen betroffenen Tieren handelte es sich um frische Infektionen in einem frühen Krankheitsstadium, sodass eine weitere Ausbreitung der Krankheit durch diese Tiere noch nicht stattgefunden hat.

Umfassendes Screening

Während sich Tuberkulose bei Rindern durch regelmäßige Einzeluntersuchungen gut kontrollieren lässt, kann die Infektionsrate bei Wildtieren vor allem durch eine konsequente Verringerung der Bestandsdichte gesenkt werden. Im offiziell ausgewiesenen Rotwild-Tbc-Seuchengebiet im Bezirk Reutte (Jagdgebiete der Gemeinden Holzgau, Kaisers und Steeg) wird daher jedes erlegte Stück Rotwild amtstierärztlich auf Tuberkulose untersucht. Werden dabei verdächtige Veränderungen festgestellt, werden Proben an das Nationale Referenzlabor der AGES am Institut für veterinärmedizinische Untersuchungen in Mödling übermittelt. Laut Landesveterinärdirektion wurden im Jagdjahr 2025/2026 in diesem Gebiet insgesamt 138 Stück Rotwild erlegt und kontrolliert, wobei bei zehn Tieren Tuberkulose nachgewiesen wurde. Das entspricht einer Prävalenz von 7,25 Prozent. Auch außerhalb des ausgewiesenen Seuchengebiets wird die Situation seit 2012 systematisch überwacht. Dazu wird gemeinsam mit der Jägerschaft ein Rotwild-Tbc-Screening durchgeführt.

Im Jagdjahr 2025/26 wurden im Rahmen des Screenings insgesamt 583 Stück Rotwild untersucht. Dabei konnten 27 positive Tuberkulosefälle festgestellt werden, davon 23 im Bezirk Landeck und vier im Bezirk Reutte. Daraus ergibt sich eine Prävalenz von 9,87 Prozent im Screeninggebiet des Bezirks Landeck und 2,45 Prozent im Bezirk Reutte. Im Karwendel hingegen wurde bereits zum vierten Mal in Folge kein positiver Fall festgestellt. Dies wird auf die deutliche Verringerung des Rotwildbestandes im Umfeld einer früher betroffenen Rotwildfütterung zurückgeführt. Im Raum Landeck-Stanzertal ist hingegen ein klarer Anstieg der nachgewiesenen Rotwild-Tbc-Fälle zu beobachten. Die bei den betroffenen Tieren festgestellten pathologischen Veränderungen deuten einerseits auf zahlreiche frische Infektionen bei jüngeren Tieren hin, andererseits aber auch auf bereits länger bestehende und weiter fortgeschrittene Krankheitsverläufe.

Allgemeine Anstrengung

Mit der steigenden Zahl an Tuberkulosefällen beim Rotwild wächst auch das Risiko einer Übertragung auf Rinder während der Alpung. Im Sommer 2025 kam es offenbar erneut auf derselben Alm im Verwallgebiet zur Infektion von zwei Rindern. In der Folge waren insgesamt 44 Rinderhaltungsbetriebe mit mehr als 195 gealpten Tieren von Sperrmaßnahmen und seuchenrechtlichen Auflagen betroffen. Neben dem wirtschaftlichen Schaden für die betroffenen Betriebe wurden in den vergangenen 15 Jahren von Bund und Land Tirol mehrere Millionen Euro in die Bekämpfung und Überwachung der Tbc investiert.

„Es ist von größter Wichtigkeit, dass die bisherigen Bemühungen in der Rotwildbejagung in den betroffenen Gebieten engagiert fortgesetzt werden. Zusätzlich müssen weiterhin Hygienemaßnahmen an den Rotwildfütterungen sowie in den Weidegebieten umgesetzt werden“, rät Landesveterinärdirektor Dr. Matthias Vill. „Die Bekämpfung der Rotwildtuberkulose muss im Sinne des Schutzes der menschlichen Gesundheit sowie der Vermeidung von wirtschaftlichen Schäden für Landwirtschaft und Jagd konsequent fortgeführt werden. Eine Reduktion der Rotwild-Tbc kann praktisch ausschließlich über eine Reduktion des Rotwildbestandes erreicht werden. Es liegt in unser aller Verantwortung, die Tbc-Situation durch gemeinsame Anstrengung zu verbessern.“

 

Grafik: Landesveterinärdirektion

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