Unternehmen Bauernhof im Wandel

Die Welt sortiert sich neu. Was das für Europa und die Landwirtschaft bedeutet, wurde am vergangenen Samstag bei der 79. Landesversammlung des Südtiroler Bauernbundes im Waltherhaus Bozen erörtert.

05.03.2026

Südtirols Bergbauern gestalten den Wandel aktiv – zwischen Tradition, Innovation und wirtschaftlicher Verantwortung. (Foto:agrarfoto.com)


Im Hinblick auf die Umbrüche, die sich aktuell geopolitisch und wirtschaftlich vollziehen, sagte Landesobmann Daniel Gasser in seiner Eröffnungsrede zur Landesversammlung des Südtiroler Bauernbundes: „Wandel gehört zur Landwirtschaft." Er sei etwas Gutes, wenn man ihn als Chance begreift. „Der Bauernhof ist ein Unternehmen, wir Bäuerinnen und Bauern sind Unternehmer. Wir treffen tagtäglich – hoffentlich kluge – wirtschaftliche Entscheidungen", erklärte der Landesobmann. 

Die großen Drei
Chancen, mit dem eigenen Hof erfolgreich zu sein, gebe es heute so viele wie noch nie. Sie seien zu nutzen. Gasser unterstrich: „Ich bin überzeugt: Es gibt nicht den einen richtigen Weg für alle – aber für alle einen richtigen Weg!" 

Er müsse nicht unbedingt in den Nischen liegen, in neuen Produkten oder Verfahren, sondern nach wie vor auch bei den großen Drei: Äpfel, Milch und Wein werden von Südtirols Bäuerinnen und Bauern professionell produziert und von den Genossenschaften professionell vermarktet, das sei eine große Stärke. „Qualitätsdenken und Qualitätsanspruch müssen weiter vorangetrieben werden, so können wir wettbewerbsfähig und widerstandsfähig bleiben", meinte der Landesobmann. 

Neben vielen Mitgliedern sind auch zahlreiche Ehrengäste der Einladung gefolgt. Im Bild v. l. Bayerns Bauernverbandspräsident Günther Fleißner, Tirols Bauernbund-Obmann Josef Geisler, Landesrat Luis Walcher, Landesobmann Daniel Gasser, ARD-Wirtschaftsexpertin Anja Kohl, Landeshauptmann Arno Kompatscher, Landesbäuerin Antonia Mair Egger, der Österreichische Bauernbund-Präsident Georg Strasser, der EU-Abgeordnete Herbert Dorfmann und der Präsident von Confagricoltura, Massimiliano Giansanti. (Foto: SBB)


Wandel als Chance sehen

Weiterbildung sei ein Schlüssel zum Erfolg, aber auch Innovation. Und Nachhaltigkeit stärke Resilienz und Wettbewerbsfähigkeit. „Auch beim Klima- und Umweltschutz müssen wir den Mitbewerbern einen Schritt voraus sein und das deutlich zeigen", forderte Gasser. Gleiches gelte für das Tierwohl. 

Eine Chance ist laut Gasser die Energiewende, die Landwirtschaft sei dabei Teil der Lösung: Etwa durch erneuerbare Energien wie Holz, Biogas, Photovoltaik oder Agri-Photovoltaik. Möglichkeiten biete auch die Direktvermarktung. Sie bedeute zwar mehr Arbeit, aber in der Regel auch eine höhere Wertschöpfung. Zentrale Partner der Landwirtschaft seien zudem Tourismus und Handel. Und zuletzt erklärte der Landesobmann: „Erfolgreich wirtschaften bedeutet nicht nur, Einnahmen zu erwirtschaften und zu steigern, sondern auch, Kosten zu sparen." Hier gebe es viele Möglichkeiten, etwa den überbetrieblichen Maschineneinsatz. Ein Gamechanger seien neue Technologien, Automatisierung und Robotik – und die Künstliche Intelligenz. 

Österreich und Bayern vertreten
Georg Strasser, Präsident des Österreichischen Bauernbundes, brachte aufbauend auf das Grundthema vier Thesen: Man müsse die Chancen als landwirtschaftlicher Unternehmer sehen und sie nutzen, den europäischen Binnenmarkt als Sicherheit schätzen, gemeinsam mit Argumenten Ziele verfolgen und als verlässlicher Partner Zukunft mitgestalten. Er beschwor den europäischen Gedanken: „Wir gehören zusammen." 

Diese Gemeinschaft innerhalb Europas beschwor auch Günther Felßner, Präsident des Bayerischen Bauernverbandes und Vize-Präsident des Deutschen Bauernverbandes. Gerade die Bergbauernfamilien seien Vorbild, meinte Felßner. Es brauche auch in Europa deren Mut, Innovationsgeist und Arbeitswillen, um die anstehenden Aufgaben zu meistern.


Mehr Wölfe, wenig Handlungsspielraum

Für Südtirols Bauern verschärft sich das Wolfsproblem seit Jahren: Die Population wächst deutlich, während rechtliche Hürden wirksame Entnahmen nahezu unmöglich machen. Südtirols Bauernbundobmann Daniel Gasser fordert eine praktikable Entnahmeregelung – zum Schutz der Alm- und Weidewirtschaft. 

„Das Wolfsmanagement verläuft schleppend, wodurch die Population steigt. In ganz Italien gibt es rund 3.300 Wölfe – die Dunkelziffer liegt wahrscheinlich deutlich höher. Ebenso in Südtirol, wo es offiziell 37 genetisch nachgewiesene Wölfe gibt." Acht Rudel und sechs Paare gelten laut Bericht aus dem Jahr 2024 als bestätigt. Die offizielle Bestandsschätzung des Landes liegt derzeit bei rund 74 Wölfen. Zum Vergleich: 2016 waren es lediglich sechs genetisch erfasste Tiere. Im Jahr 2024 wurden in Südtirol 200 Nutztiere nachweislich von Wölfen gerissen. 

Zwei Wölfe dürften nach aktueller Rechtslage im Jahr 2026 entnommen werden. Grundlage dafür ist ein Gutachten der staatlichen Umweltbehörde ISPRA. „Doch die Entnahmeverordnungen werden vonseiten von Umweltorganisationen sofort nach Bekanntwerden angefochten", berichtet Gasser. „Durch diese reflexhaften Einsprüche sind legale Abschüsse so gut wie nicht möglich."

Im August 2025 wurde im Vinschgau erstmals ein Wolf in Italien legal entnommen. Das Tier stand im Zusammenhang mit wiederholten Schafrissen. Eine zweite genehmigte Entnahme wurde nach einem Einspruch von Umweltorganisationen gerichtlich ausgesetzt.


 

 

 

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