15.01.2026

Michael Mölk (Leiter des Fachzentrums Geologie der Wildbach- und Lawinenverbauung), Bundesminister Norbert Totschnig, Univ.-Prof. Mag. Dr. Margreth Keiler (Universität Innsbruck, Österreichische Akademie der Wissenschaften) und LH Anton Mattle stellten das neue Aktionsprogramm vor. (Foto: BMLUK/Oss)
Österreich ist aufgrund seiner alpinen Lage besonders von Naturgefahren betroffen. Große Massenbewegungen wie Bergstürze, Talzuschübe, tiefgründige Hangrutschungen oder große Murgänge treten selten auf, können aber enorme Schäden verursachen und Menschen, Infrastruktur sowie Wirtschafts- und Tourismusstandorte gefährden. Der Klimawandel verschärft diese Risiken zusätzlich, etwa durch Starkregen in hohen Lagen, Gletscherrückgang und auftauenden Permafrost.
Der Bergsturz im Schweizer Ort Blatten 2025 hat gezeigt, wie groß die Gefahr solcher Extremereignisse ist. Obwohl Österreich bei der Vorsorge gegen Naturgefahren gut aufgestellt ist, stellen neue Gefährdungen im alpinen Raum das bestehende Schutzsystem vor neue Herausforderungen.
Hier setzt das von Bundesminister Norbert Totschnig initiierte Aktionsprogramm GeoMonitorAT an. Ziel ist der Aufbau eines bundesweit koordinierten Monitoringsystems für große Massenbewegungen. Bestehende Daten und Erfahrungen werden gebündelt, moderne Technologien genutzt und Risiken frühzeitig erkannt. So wird die präventive Naturgefahrenvorsorge in Österreich nachhaltig gestärkt.
Risiko erhöht
Wenn Bergflanken in Bewegung geraten, geschieht das sehr selten, aber dafür mit elementarer Wucht. Große Massenbewegungen sind gravitative, durch die Schwerkraft ausgelöste, Bewegungen von Fels, Erde und Schuttmassen, fallweise vermischt mit Wasser oder Eis. Das Spektrum umfasst Bergstürze und tiefgründige Hangbewegungen sowie massenreiche Schuttströme und Murgänge.
Als „groß" werden Ereignisse eingestuft, die mit einem Volumen von über 100.000 Kubikmetern landschaftsverändernde Prozesse induzieren und sehr selten (alle 300 Jahre oder mehr) auftreten. Sie unterscheiden sich daher deutlich von „kleinen" und „häufigen" Steinschlägen und Hangrutschungen. Klimabezogene Veränderungen im Alpenraum verstärken die Labilität der Berghänge. Zwar ist in Österreich der direkte Absturz großer Fels- und Eismassen auf Siedlungsraum, wie 2025 im Schweizer Blatten, kaum möglich, trotzdem sind die direkten und indirekten Risiken durch große Massenbewegungen für Siedlungen, Verkehrswege, Energieanlagen und touristische Infrastruktur erheblich und die Folgen der Schäden im Ereignisfall verheerend.
„Der Klimawandel erhöht das Risiko seltener, aber großräumiger Naturereignisse im Alpenraum. Mit dem Aktionsprogramm GeoMonitorAT schaffen wir erstmals eine einheitliche, faktenbasierte Entscheidungsgrundlage auf Bundesebene für das Risikomanagement. Der Grundsatz lautet Prävention statt Schadensbewältigung", führt Bundesminister Totschnig aus. Das Land Tirol mit LH Anton Mattle unterstützt dieses Projekt: „Gerade für alpine Regionen wie Tirol ist ein frühzeitiges Erkennen von Gefahren entscheidend. Geo;onitorAT stärkt die Zusammenarbeit zwischen Bund, Ländern und Wissenschaft und erhöht die Sicherheit für Bevölkerung, Infrastruktur und Tourismus nachhaltig."
Sieben Maßnahmen
Mag. Michael Mölk, Leiter des Fachzentrums Geologie der Wildbach- und Lawinenverbauung, erklärt: „GeoMonitorAT ermöglicht eine systematische, bundesweit einheitliche Erfassung und Bewertung großvolumiger gravitativer Massenbewegungen. Durch die integrierte Nutzung von Fernerkundungsdaten, satellitengestützten Deformationsmessungen und lokalen Monitoringsystemen können Bewegungsraten quantifiziert, Gefährdungspotenziale bewertet und risikobasierte Prioritäten für weiterführende Maßnahmen abgeleitet werden."
GeoMonitorAT setzt auf sieben zentrale Maßnahmen, um Risiken durch große Massenbewegungen frühzeitig zu erkennen. Dazu gehören ein nationales Verzeichnis solcher Gefahren, eine österreichweite Risikoanalyse sowie ein flächendeckendes Monitoring besonders gefährdeter Bereiche. Einheitliche Standards für das Risikomanagement schaffen Bewertungsgrundlagen für technische, organisatorische und raumplanerische Maßnahmen. Vorsorge und Schutzmaßnahmen sowie transparente Information stärken das Bewusstsein in der Bevölkerung.

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