15.01.2026

Peter Samt (links) übergab den Vorsitz im Bundesrat an Markus Stotter. (Foto: Land Tirol/Sedlak)
Sie sind Bürgermeister von Oberlienz, seit 2022 im Bundesrat und seit 1. Jänner dessen Präsident. Was nehmen Sie aus der Gemeindepolitik mit auf die Bundesebene?
STOTTER: In der Gemeindepolitik ist der direkte Kontakt mit den Bürgerinnen und Bürgern unerlässlich. Dieser unmittelbare Austausch ist auf Bundesebene naturgemäß schwieriger, doch viele Anliegen aus den Gemeinden lassen sich nahezu eins zu eins auf die Bundespolitik übertragen. Etwa die Entbürokratisierung: Übermäßige Regulierung kostet die Menschen Zeit, Nerven und oft auch Geld – hier braucht es praxisnahe Lösungen, die sich am Alltag der Gemeinden orientieren. Für jedes Anliegen gilt – regional wie auf Bundesebene –, dass es Geduld, offene Ohren und die Bereitschaft zum Ausgleich braucht.
Ihr Vorsitz steht unter dem Motto „Starke Regionen: digital. engagiert. zukunftsorientiert." Worum geht es?
Die Zukunft unseres Landes entscheidet sich dort, wo junge Menschen Perspektiven finden, wo Ehrenamt gelebt wird und wo Innovation entsteht – in unseren Regionen. Diese Zukunft wird zunehmend digital sein. Deshalb gilt es, digitale Lösungen konsequent auf die kommunale Ebene herunterzubrechen. Der Bundesrat wird sich intensiv mit effizienteren Verwaltungsprozessen und neuen Formen der Bürgerbeteiligung bis hin zu innovativen digitalen Services befassen. Im Zentrum steht dabei die Frage, wie Gemeinden mithilfe von Technologie handlungsfähiger werden und wie digitale Infrastruktur allen Generationen neue Möglichkeiten zur Mitgestaltung eröffnet.
Wie können Gemeinden junge Menschen stärker einbinden und freiwilliges Engagement langfristig sichern?
Jungen Menschen müssen wir neue Perspektiven eröffnen. Attraktive, widerstandsfähige und digital vernetzte Regionen sind die Grundlage dafür, dass sie auch künftig Lebens- und Arbeitsräume vorfinden, in denen sie sich einbringen und entfalten können.
Beim Ehrenamt müssen wir auf veränderte Rahmenbedingungen reagieren. Freiwilliges Engagement ist heute oft projektbezogener und zeitlich flexibler als früher. Daher braucht es moderne, flexible Engagementmodelle ebenso wie mehr Anerkennung und verbesserte rechtliche Rahmenbedingungen für alle, die sich ehrenamtlich für unsere Gesellschaft einsetzen.
Welche Rolle kann der Bundesrat dabei spielen, die Interessen der heimischen Landwirtschaft in die europäische Agrarpolitik einzubringen?
Ich führe selbst einen landwirtschaftlichen Betrieb im Nebenerwerb weiter und werde dabei von meinen Eltern großartig unterstützt, wofür ich sehr dankbar bin. Die Herausforderungen der bäuerlichen Betriebe kenne ich daher aus eigener Erfahrung.
Der Bundesrat hat die Aufgabe, die Interessen der Regionen und damit auch der bäuerlichen Betriebe auf Bundes- und EU-Ebene klar einzubringen. Die Zukunft der EU-Landwirtschaft entscheidet sich daran, ob bäuerliche Betriebe gestärkt oder durch immer neue Auflagen geschwächt werden. Gleichzeitig braucht es auch hier einen konsequenten Abbau der Bürokratie.

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