31.05.2016

Anlässlich des Weltmilchtages am 1. Juni und des niedrigen Bauernmilchpreises geht die Tiroler Landwirtschaft in die Offensive und wirbt einmal mehr für heimische Milchprodukte. Verschiedene Positivaktionen, wie das Verteilen von Milchprodukten oder ein tirolweiter Tag der offenen Hoftür, bieten in den kommenden Tagen und Wochen die Möglichkeit, mit den Endverbrauchern ins Gespräch zu kommen und informieren zugleich über den Stellenwert der Landwirtschaft für jede/n Einzelne/n.

Aus der Region für die Region

„Die Lage ist ernst. Wir brauchen in Tirol aber auch in Zukunft Viehhaltung, sonst können wir die Almen zusperren. Deshalb arbeiten wir gemeinsam an zukunftsfähigen Lösungen für die Tiroler Landwirtschaft“, so Bauernbundobmann LH-Stv. Josef Geisler. Jeder dritte in der Tiroler Landwirtschaft erarbeitete Euro stammt aus der Milchwirtschaft. „Wir haben in den vergangenen Jahren bereits sehr viel auf die Beine gestellt, um die Grundversorgung mit gentechnikfreien, heimischen Produkten zu stärken und den Markt vor der eigenen Haustür abzudecken“, bringt Geisler die wertvolle Arbeit der Agrarmarketing Tirol und der bäuerlichen Interessenvertretung zur Sprache. „Wir können die regionale Lebensmittelversorgung und die flächendeckende Landwirtschaft nur dann sichern, wenn alle an einem Strang ziehen – Konsumenten, Handel, Tourismus, Verarbeiter und Bauern“, fordert Geisler. Luft nach oben gibt es in den Augen Geislers noch in der Gastronomie und Hotellerie sowie in einigen öffentlichen Küchen. „Erwerbskombination und Innovation ja, genereller Ausstieg aus der Milchwirtschaft nein“, bringt Geisler die Strategie für die Zukunft auf den Punkt. Viele Bauernfamilien haben sich in der Direktvermarktung und in der Produktion von Gemüse, Obst, Getreide oder Kräutern Standbeine geschaffen. „Wir brauchen aber auch die Milchwirtschaft und müssen noch stärker in Spezialmilchsegmente hineingehen“, sieht Geisler etwa in der Heumilch noch Potenzial. Der Anteil der Spezialmilchsorten liegt derzeit bei 40 Prozent. Vorstellbar sind für Geisler auch zusätzliche Heumilchregionen. Voraussetzung ist allerdings: Die gesamte Region, vom Produzenten über den Verarbeiter bis hin zum Tourismus, muss dahinterstehen. „Um den Milchviehbetrieben kurzfristig zu helfen, übernehmen der Landeskulturfonds und  das Land Tirol im Jahr 2016 die Zinsen für laufende Agrarinvestitionskredite“, verweist LHStv Geisler auf eine Sofortmaßnahme. Zudem fordert Geisler vom Bund, dass die die Rückzahlung von Investitionskrediten 2016 gestundet und die Laufzeit um ein Jahr verlängert werden. Eine entsprechende Richtlinienänderung wird derzeit vorbereitet.

 Momentane Preispolitik bedeutet Todesstoß für viele Bauern

„Derzeit können Tirols Milchbauern nicht mehr kostendeckend wirtschaften. 27,3 Cent für ein Produkt, das nach höchsten Qualitäts-, Umwelt- und Tierschutzstandards produziert wird, sind einfach zu wenig. Noch dazu kommt, dass durch die gentechnik- und hormonfreie Fütterung sowie dem Mehraufwand durch die Bewirtschaftung von Steilflächen die Kosten für die heimischen Bergbauern erheblich höher als für ihre europäischen Berufskollegen sind. Gleichzeitig kommt vom Milchpreis im Geschäft immer weniger bei den Produzenten selber an“, richtet sich LK-Präsident Josef Hechenberger mit seiner Kritik auch an den Handel. „Die gesunde Milch aus Tirol wird momentan weit unter ihrem Wert zu regelrechten Schleuderpreisen angeboten. Durch Rabattaktionen und Lockangebote wird der aktuelle Druck am Markt nur noch verstärkt“, stellt Hechenberger klar. „Wenn ein Liter Mineralwasser mehr als ein Liter Milch kostet, muss etwas gewaltig schief laufen in unserer Gesellschaft!“

Hechenberger drängt auf rasche Lösungen und eine Entlastung der krisengeschüttelten Milchbäuerinnen und Milchbauern. „Wir fordern ein rasches Ende dieser Preispolitik. Es kann nicht sein, dass Grundnahrungsmittel unter den Herstellungskosten angeboten werden. Wenn sich diese Situation nicht bald ändert, ist das der Todesstoß für viele kleine heimische Betriebe. Auch der Handel kann kein Interesse an einer derartigen Preispolitik haben!“

Unumgänglich sei laut Hechenberger eine marktkonforme Milchproduktion. Diese soll kurzfristig und auf einzelbetrieblicher Ebene sichergestellt werden. Mittelfristig sei eine europäische Lösung anzustreben, um Nachfrage und Angebot wieder ins Lot zu bringen. „Sinnvoll wäre es aus meiner Sicht, eine freiwillige Mengenrücknahme durch finanzielle Anreize auf EU-Ebene zu erreichen. Auch das Russland-Embargo wirkt sich negativ aus. Allerdings sind das nicht die Allheilmittel. Vielmehr muss das langfristige Ziel der Tiroler Produzenten der verstärkte Absatz im eigenen Bundesland sein. Momentan kann die Tiroler Landwirtschaft den Eigenbedarf zu 80 Prozent decken. Hier können wir uns noch verbessern, was auch garantiert, dass die Wertschöpfung in Tirol bleibt!“

Offensiv und konkret handeln

„Ich bin nicht gern in der Defensive“, so Landesbäuerin ÖR Resi Schiffmann. „Es ist und bleibt unsere Aufgabe den Konsumenten bewusst zu machen, dass sie mit jedem Einkauf ein Voting für oder gegen die heimische Landwirtschaft an der Kassa abgeben. Da nehme ich auch mich selber nicht aus der Pflicht. Ich freue mich jetzt schon auf die Verteilaktion an größeren Einkaufsorten in den Bezirken. Wir dürfen den Kontakt zu den Menschen nicht abreißen lassen.“ Und Schiffmann konkretisiert: „Genuss und Lebensart sind in Tirol untrennbar mit der Arbeit der Bäuerinnen und Bauern verbunden. Wer zu den Produkten der Tiroler Familienbetriebe greift, bekommt beste Qualität. Tiroler Lebensmittel stehen für kurze Transportwege und nachhaltiges Wirtschaften.“ Um auch auf Bundesebene den Bauern helfen zu können fordert die langjährige Landesbäuerin und ehemalige LK-Vizepräsidentin eine einmalige Rabattierung der Sozialversicherungsbeiträge. „Sicher ist, dass wir nun rasch handeln müssen. Ehe es zu spät ist und Bauern für immer die Hoftür schließen.“

Unterschriftenaktion

Gemeinsam wollen die LK-Tirol, der Tiroler Bauernbund, die Bäuerinnenorganisation und die Tiroler Jungbauernschaft/Landjugend auf das ernste Anliegen aufmerksam machen und die Tiroler Bevölkerung zur aktiven Unterstützung einladen. „Schließlich steht viel mehr auf dem Spiel als die regionale Lebensmittelerzeugung. Es geht um gutes Essen, um unsere Landschaft, um Heimat. Es geht um Tirol!“ Die gesammelten Unterschriften werden dann an den Bundespräsidenten übergeben, um das Anliegen der Tiroler  Bauernfamilien und der regionalen Lebensmittelerzeugung zu einem Anliegen für ganz Österreich zu machen. „Ich hoffe, dass auch bäuerliche Organisationen und Verbände in anderen Bundesländern unsere Initiative unterstützen“, so Hechenberger. 

Jetzt unterschreiben!

Ab 1. Juni (Weltmilchtag) kann jeder unter www.tirolerbauern.at online unterschreiben. Hier gibt es auch Unterschriftenlisten zum Ausdrucken sowie weitere Infos zu den Forderungen. Auch werden im Rahmen der Verteilaktionen am 1. Juni und Tag der offenen Hoftür am 12. Juni die Unterschriftenlisten aufliegen.

Hier gibt es die Unterschriftenliste zum Download

 


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