Zwischen Brüssel und Berggebiet

Bei den Herbstkonferenzen zeigte Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig, wie er in Brüssel um die GAP ringt – und hörte zugleich, welche Sorgen Innsbruck und Lienz aktuell am meisten drücken.

27.11.2025

BM Norbert Totschnig gab Einblick in die aktuelle EU-Agrarpolitik. (Foto: BauernZeitung)


Zu Gast bei den letzten beiden Herbstkonferenzen in den Bezirken Innsbruck-Land und Lienz war Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig. Er unterstrich die zentrale Bedeutung der Gemeinsamen Agrarpolitik für die EU und wie er darum in Brüssel kämpft.

GAP mit Sachverstand
„Die GAP ist politisch, wirtschaftlich und gesellschaftlich eine zentrale Säule der Union. Sie garantiert Lebensmittelversorgungssicherheit und strategische Autonomie – und darf nicht zersplittert oder verwässert werden", so Totschnig. Ziel müsse eine starke, kohärente und ausreichend finanzierte GAP sein, die nicht durch widersprüchliche Vorgaben, Unsicherheiten und Doppelgleisigkeiten geschwächt werde. „In der Landwirtschaft braucht es Weitsicht und Sachverstand. Gerade im Berggebiet ist das anders gar nicht möglich!"

Ein Schwerpunkt liege auf der Vereinfachung der bestehenden Regelungen sowie auf der Fortführung bewährter Programme wie ÖPUL und der Bergbauernförderung. Diese müssten praxistauglich, transparent und rechtssicher umgesetzt werden. „Unsere Bäuerinnen und Bauern leisten enorm viel – 365 Tage im Jahr. Dafür brauchen sie faire Wettbewerbsbedingungen, ausreichende Mittel und flexible Spielräume." Die Zwei-Säulen-Struktur der GAP bleibe dafür unverzichtbar und müsse vollständig erhalten bleiben, um langfristige Planungssicherheit zu gewährleisten.

Ländliche Entwicklung nicht schwächen
Besondere Aufmerksamkeit widmete Totschnig auch der ländlichen Entwicklung. „Sie ist seit Jahrzehnten eine Erfolgsgeschichte und darf nicht geschwächt werden. Dafür braucht es eine klare Zweckbindung und ausreichende Mittel im EU-Budget." Eine erneute Systemumstellung würde aus seiner Sicht lediglich zusätzliche Bürokratie und Belastungen für Betriebe und Verwaltung bringen. „Wir fordern weniger Bürokratie, mehr Kontinuität und echte Planbarkeit."

Durchbruch bei Entwaldungsverordnung
Außerdem berichtete er über den erzielten Durchbruch bei der Überarbeitung der EU-Entwaldungsverordnung (EUDR) in Brüssel vergangene Woche. Auf Botschaftsebene einigten sich die EU-Mitgliedstaaten auf eine einjährige Verschiebung der Anwendung, gezielte Vereinfachungen – insbesondere für Klein- und Kleinstbetriebe – sowie eine Revisionsklausel, die umfassende Anpassungen ab 2026 ermöglicht. „Dieser Erfolg war nur möglich, weil wir über viele Monate hartnäckig Druck gemacht haben. Die ursprüngliche EUDR hätte heimische kleine und mittelgroße Betriebe überrollt."

Innsbruck: Landwirtschaft unter Druck
Die Gelegenheit zur Diskussion nutzten die Obst- und Gemüsebauern aus dem Bezirk Innsbruck, um Minister Totschnig auf den zunehmend schwierigen Pflanzenschutz als zentrale Herausforderung in ihrer Arbeit hinzuweisen.

Im Anschluss rückten auch andere aktuelle Belastungen für die Landwirtschaft in den Fokus. Für die Inntalfurche gelten aktuell Maßnahmen, die eine Verbreitung der Vogelpest verhindern sollen. Darauf ging Bezirksbauernobmann Thomas Schweigl ein: „Maul- und Klauenseuche, Blauzungenkrankheit, Lumpy Skin Disease, Tbc und die Vogelgrippe – dieses Jahr hat die Viehhalter enorm gefordert und fordert uns auch aktuell noch. Schnelle Maßnahmen vonseiten der Behörden sowie ein vorsichtiges Handeln der Bäuerinnen und Bauern konnten bisher das Schlimmste vermeiden." Auch abseits der Herausforderungen in der Tierhaltung hatte der Bezirk ein anspruchsvolles Jahr zu bewältigen: Besonders beschäftigte den Bezirk Innsbruck im Jahr 2025 das Naturgefahrenmanagement. Die Schadereignisse in Gschnitz und im Stubaital forderten zum Glück keine Menschenleben, richteten jedoch enorme wirtschaftliche Schäden für die Betroffenen an. „Der Klimawandel hält uns in Schach. Nur durch vorausschauende Maßnahmen, die gute Arbeit der Wildbach- und Lawinenverbauung, die Pflege und den Erhalt unseres Schutzwaldes können wir den ländlichen Raum sichern", verdeutlicht Schweigl.

Lienz: Wald und Tierhaltung im Fokus
Die Wiederbewaldung und Aufforstung des Schutzwaldes ist auch im vom Borkenkäfer betroffenen Osttirol ein dringliches Thema, erklärt Bezirksbauernobmann LAbg. Martin Mayerl. Doch nicht nur der Käfer, auch der Wolf beschäftigen den Bezirk. „Es ist ein wichtiges Anliegen, eine praktikable Regelung für den Wolf, Biber und Fischotter in der Novelle des Jagdgesetzes zu schaffen. Diese Bemühungen dürfen nicht durch überzogene Tierschutzforderungen – wie eine 24-Stunden-Betreuung auf der Alm – ad absurdum geführt werden. Das betrifft nicht nur die Alm, sondern auch den Talbereich. Während der Handel Lebensmittel zu Dumpingpreisen verkauft, ringen wir weiterhin um praxistaugliche Tierschutzstandards in unseren Ställen. Deshalb ist es für die Tiroler Landwirtschaft wichtig, die Kombinationshaltung verlässlich abzusichern."

Zum Schluss geht Mayerl als VP-Energiesprecher auf die Thematik Netzgebühren ein: „Wir befinden uns beim Ausbau erneuerbarer Energien auf einem guten Weg. Dieser darf aber nicht durch hohe Netzgebühren verstellt werden."

 

 

 

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