110 Millionen Euro für die Bauern: Produktion und Versorgung sichern

Der gebürtige Osttiroler Norbert Totschnig ist seit knapp über einem Monat der österreichische Landwirtschaftsminister. Vergangene Woche präsentierte er bereits ein 110 Millionen Euro umfassendes Versorgungssicherungspaket für die Landwirtschaft (mehr dazu siehe Seite 10). Mit der Tiroler Bauernzeitung spricht er über das Entlastungspaket, seine Bedeutung für Tirol und die Raubtier-Problematik.

23.06.2022

Herr Bundesminister, vergangene Woche haben Sie Entlastungen des Bundes für die Landwirtschaft präsentiert, mit denen man der Teuerung von Betriebsmitteln wie Treibstoff und Energie entgegenwirken will. Was beinhaltet dieses Entlastungspaket?

TOTSCHNIG: Die Lebensmittelversorgung der Österreicherinnen und Österreicher hat für mich absolute Priorität. Das geht nur mit unseren Bäuerinnen und Bauern. Denn sie sind es, die täglich Essen auf unsere Teller bringen – auch in Krisenzeiten. Denken wir kurz an den Beginn der Coronakrise: Klopapier war ausverkauft. Aber regionales Fleisch, Brot, Butter, Milch – Grundnahrungsmittel waren immer da. Die Österreicherinnen und Österreicher können sich auf unsere heimische Landwirtschaft verlassen. Doch die gestiegenen Betriebsmittel- und Futtermittelkosten setzen sie zunehmend unter Druck. Darum haben wir ein 110-Millionen-Euro-Versorgungssicherungspaket für unsere Bäuerinnen und Bauern geschnürt, damit sie weiter produzieren und die Menschen mit regionalen Lebensmitteln versorgen können.

 

Wie kommen die Bäuerinnen und Bauern zu dieser Unterstützung?

TOTSCHNIG: Alle, die einen sogenannten „Mehrfachantrag" für 2022 gestellt haben, erhalten – auf Basis der beantragten beihilfefähigen Flächen und Großvieheinheiten – automatisch einen Versorgungssicherungsbeitrag Ende des Jahres über die AMA ausgezahlt. Sie müssen also keinen Antrag stellen und ihre Flächen oder Großvieheinheiten neu angeben. Wir wollen den Bauern keine zusätzliche Arbeit machen, sondern ihnen die Arbeit erleichtern.

 

Erst vergangene Woche waren Sie in Tirol. Welche Vorteile bringt das Entlastungspaket speziell für die kleinstrukturierte Tiroler Berg-, Land- und Almwirtschaft?

TOTSCHNIG: Mit dem Versorgungssicherungspaket für unsere Bauern stärken wir die regionale Lebensmittelproduktion. Der Versorgungssicherungsbeitrag bemisst sich aus einer flächenbezogenen und einer tierbezogenen Komponente. Der tierbezogene Beitrag liegt bei 14 Euro je Großvieheinheit. Der flächenbezogene Beitrag variiert je nach Flächennutzung. Mit diesen Maßnahmen unterstützen wir besonders auch die Grünland- und Berglandwirtschaft in Tirol.

Darüber hinaus profitieren die Bäuerinnen und Bauern und die Menschen im ländlichen Raum selbstverständlich vom großen Anti-Teuerungspaket der Bundesregierung. Dazu gehören noch heuer 500 Euro für jede und jeden – also auch für unsere Bäuerinnen und Bauern mit 250 Euro Klimabonus und 250 Euro Bonus für alle Erwachsenen, für Kinder gibt es jeweils die Hälfte. Dazu kommen 180 Euro als zusätzliche Einmalzahlung der Familienbeihilfe im August, wie auch das Vorziehen des auf 2.000 Euro erhöhten Familienbonus und die Erhöhung des Kindermehrbetrags. Für Mindestpensionisten sind 300 Euro vorgesehen.

 

Der Tiroler Bauernbund fordert die unbürokratische Entnahme von Problemwölfen und -bären. Wie stehen Sie dazu? Welchen Stellenwert hat für Sie die Almwirtschaft in diesem Zusammenhang?

TOTSCHNIG: Wenn eine Mutter sich nicht mehr traut, ihr Kind zur Bushaltestelle zu schicken, oder ein Almbauer seine Schafe nicht mehr auftreibt, weil er im Vorjahr zu viele Verluste hatte, oder wenn die Touristen ausbleiben, weil sie fürchten, dass sie einem Wolf begegnen können – dann ist das ein gesamtgesellschaftliches Problem. Wölfe, die wiederholt Nutztiere reißen, die wiederholt in Siedlungsräumen auftauchen, müssen entnommen werden können. Das muss auch die EU erkennen. Ich werde die zuständigen Bundesländer dabei unterstützen, die österreichische Position zu vermitteln. Wir brauchen Naturschutz mit Hausverstand.

Die Almwirtschaft produziert qualitativ hochwertige Lebensmittel und ist für mich ein unverzichtbares Kulturgut und ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Wir sind ein Tourismusland, ohne Almwirtschaft wären unsere Berggebiete lange nicht so attraktiv. Von unseren Almen profitieren ganze Regionen.

Vielen Dank für das Gespräch!

Foto 1: BM Totschnig: „Unsere Bäuerinnen und Bauern sind es, die täglich Essen auf unsere Teller bringen – auch in Krisenzeiten." (Die Fotografen)

Foto 2: Hofbesuch in Götzens: Erst vergangene Woche fand sich BM Norbert Totschnig gemeinsam mit Funktionären des Bauernbundes am Hof der Familie Singer ein. (Die Fotografen)

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