Platter und Geisler: „Landwirtschaft steht vor großen Herausforderungen“

Der Bogen der Spannungsfelder innerhalb der heimischen Bauernschaft ist groß. Während die GAP als selbstverständlich erachtet wird, spielen emotionale Themen wie die Rückkehr der Großraubtiere eine massive Rolle bei allen Bäuerinnen und Bauern. Forderungen nach Herkunftskennzeichnung, höhere Produkterlöse und Chancen für die Berglandwirtschaft sind aber ebenso Grund für viele Diskussionen. Welche Rolle dabei Bauernbund und Tiroler Volkspartei spielen und welche Ziele weiterhin verfolgt werden, erklären Landeshauptmann Günther Platter und sein Stellvertreter Josef Geisler im Gespräch. (Teil Eins des Doppelinterviews.)

18.11.2021

Gleich zum derzeit wohl emotionalsten und wichtigsten Thema in der Landwirtschaft: Der Umgang mit Wolf, Bär und Co.
PLATTER: Das ist nicht nur ein Thema der Landwirtschaft. Das betrifft uns als Gesamtgesellschaft. Ich stelle mich hier klar auf die Seite der Bauern und weiß, dass Almwirtschaft im herkömmlichen Sinne nicht mit Wolf oder Bär vereinbar ist. Ich habe die Bilder gesehen, die Schäden, das emotionale Leid. Viele Mails und Anrufe sind bei mir gelandet. Das geht an mir nicht spurlos vorbei. Wir haben gehandelt und einen neuen Rahmen geschaffen. Erstmals ist die Almwirtschaft als im öffentlichen Interesse definiert. Wir haben Kriterien erarbeitet, wo Herdenschutz nicht möglich ist und – wahrscheinlich das Wichtigste für die Bauern – wir haben Entnahmemöglichkeiten geschaffen. Der erste Bescheid hat lange auf sich warten lassen, aber er ist da. Problemtiere gehören entnommen.
GEISLER: Es war klar, dass gegen diesen Bescheid Einspruch erhoben wird. Das Landesverwaltungsgericht hat die aufschiebende Wirkung wegen Gefahr in Verzug aberkannt, zum Bescheid selbst gibt es keinen Spruch. Ich bin damit überhaupt nicht glücklich, aber wir werden auf jeden Fall die Revision einlegen.
PLATTER: Ich möchte noch ergänzen: Jede Diskussion um Wolf und Bär ist hochemotional – und zwar von bäuerlichen Menschen als auch von jenen, die Wölfe strengstens schützen wollen. Wichtig ist, dass die Gesellschaft die Anliegen der Bauern versteht. Hier muss jede Anstrengung unternommen werden.

Das Land Tirol hat schon jetzt viel Geld für Gutachten, Herdenschutz und weitere Punkte in die Hand genommen. Ist das sinnvoll?
GEISLER: Der strenge Rahmen der FFH-Richtlinie gibt dies vor. Wir müssen zuerst gelindere Maßnahmen umsetzen und beweisen, auch wissenschaftlich beweisen, dass etwa Herdenschutz auf Almen in Tirol nicht funktioniert. Denn ob wir es wollen oder nicht, ein Abschuss – also die Ausnahme des Wolfes aus der Schonzeit und die Beurteilung als Schadtier – ist ein wissenschaftlich begleitetes Behördenverfahren. Genau deswegen haben wir ja das Fachkuratorium eingesetzt.
PLATTER: Es ist ja nicht nur das Geld. Wir sind darüber hinaus in engem Austausch mit allen Ländern um uns herum und intervenieren ständig in Wien und Brüssel. Unser nächstes Ziel ist ein gemeinsames Monitoring. Denn ein wichtiger Punkt ist der Erhaltungszustand. Dieser muss gewährt sein. Für Tirol insofern wichtig, weil wir kein ortsansässiges Rudel haben – es gibt also durch die Brille der Wissenschaft nichts zu erhalten. Blicken wir aber über den gesamten Alpenbogen, schaut die Situation ganz anders aus. An diesem Punkt sind wir schon länger dran, aber es ist ein Bohren von harten Brettern.

Wäre es nicht das Einfachste, den Schutzstatus zu ändern oder vergleichbare Regeln wie in Schweden oder Finnland zu haben?
PLATTER: Das klingt simpel und gut. Das ist auch unser Ziel. Aber das schafft man nicht von heute auf morgen. Für die Änderung des Schutzstatus braucht es Einstimmigkeit im Europäischen Rat. Davon sind wir leider weit entfernt. Auch hier gilt: Es braucht massive Bewusstseinsbildung und Verständnis für die Anliegen und die prekäre Situation der Weidewirtschaft in ganz Europa. Hier formieren sich die Betroffenen und wir unterstützen das.
GEISLER: Zu Finnland möchte ich anmerken: Ja, dort wird der Wolf in den Gebieten der traditionellen Rentierhaltung gemanagt, also bejagt. Dasselbe gilt auch für Schweden. Grundvoraussetzung ist aber, dass mehrere hundert Wölfe dort ohne Bejagung streifen dürfen, also der Erhaltungszustand gegeben ist. Die Frage ist, ob wir das so wollen.

Die Fortsetzung des Doppelinterviews folgt in der nächsten Ausgabe der Tiroler Bauernzeitung.


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