Amgeschichten – Folge 8: Die Almjahre waren die schönsten meines Lebens

Elke Klages, die neue Bezirksbäuerin im Außerfern, war viele Sommer Sennerin und Almhirtin.

02.09.2021

Wir treffen uns auf dem Weg zum idyllischen Lechtaler Almdorf Fallerschein, denn das ist ein Stück Heimat für die 52-jährige Elke Klages, die seit Anfang Februar dieses Jahres neue Bezirksbäuerin im Außerfern ist. „Mein Fallerschein", sagt sie, als die Hütten in Sicht kommen, und schon sprudeln die Geschichten in Form von Erinnerungen aus ihr heraus.
Im Almdorf hat sie viele Sommer ihrer Kindheit verbracht, auf den Weiden ringsum hütete sie als kleines Mädchen die Kühe. Viele schöne Erlebnisse hatte sie hier, aber es wurde ihr auch viel Verantwortung übertragen, als sie bereits im Alter von sechs Jahren auf ihren um dreieinhalb Jahre jüngeren Bruder aufpasste, wenn die Mutter in aller Herrgottsfrüh unterwegs war, um die Rinder zusammenzutreiben und die Kühe zu melken. „Mein Vater arbeitete als Metzger in Stanzach und meine Mutter hatte allein die Almarbeit über. Mir wurde erst viel später bewusst, was das für eine Doppelbelastung gewesen sein muss. Als ich selber in Liechtenstein allein eine Alm bewirtschaftete und meine drei kleinen Kinder mitnahm, habe ich immer gebetet, dass nur ja alles gut geht, wenn die Kinder manchmal unbeaufsichtigt auf der Alm herumsprangen."
Es ist alles gut gegangen. Und so kann sich Elke vor allem an ihre lustigen Alm-Episoden erinnern. Zum Beispiel wollte sie als Kind unbedingt in der Kapelle von Fallerschein bei den Gottesdiensten ministrieren, aber weil dabei keine Mädchen zugelassen waren, gab sie sich mit ihren kurzen Haaren beim neuen Pfarrer als Bub aus. Er nahm sie in den Ministrantenkreis auf, bis er einen Unfall hatte und sich herausstellte, dass er gar kein richtiger Pfarrer war, sondern ein Betrüger, der es auf die Spenden in den Opferstöcken abgesehen hatte. „Ich hatte also als falscher Ministrant bei einem falschen Pfarrer ministriert", erzählt Elke und lacht in ihrer fröhlichen Art übers ganze Gesicht.

Die Alm war unser Reich
Als Erwachsene arbeitete Elke Klages etliche Sommer als Hirtin und Sennerin auf Außerferner und Liechtensteiner Alpen. „Meine Eltern sind Bio-Schafzüchter und wir haben zwar einen Hof, aber kaum Grund und Boden. Für uns waren die Almen, die zwar nicht uns gehörten, die wir aber bewirtschafteten, sozusagen unser Reich. Ich konnte mir lange Zeit gar nichts anderes vorstellen, als jeden Sommer auf der Alp zu sein." In Liechtenstein lernte Elke auch ihren Mann kennen – einen tüchtigen Hirten aus der Schweiz, aber ein wortkarger, verschlossener Mann, mit dem die quirlige Elke doch nicht so gut zusammenpasste. Elke kehrte wieder nach Elbigenalp auf den Hof ihrer Eltern zurück. Seit ein paar Jahren ist sie hier selber eine „kleine Bio-Ziegenbäuerin".
Im Hauptberuf ist Elke Klages als Erzieherin in der Fachhochschule für Kunsthandwerk und Design in der Schnitzschule Elbigenalp tätig. „Ich mag den Austausch mit jungen Leuten, aber als ich vor 15 Jahren in diesen Beruf einstieg, war mir auch klar, dass meine Almarbeit damit zu Ende ist, weil die Almsaisonen immer schon früher beginnen als die Ferien. Das hat auch eine gewisse Wehmut bedeutet, denn ich war mit Leib und Seele Älplerin und habe auf den Almen die schönste Zeit meines Lebens verbracht. Zum Glück ist die Alm für mich nicht ganz verloren, denn ich unterstütze meine Kinder als Beraterin, weil diese zu meiner großen Freude alle drei landwirtschaftlich tätig sind." Die älteste Tochter Salome arbeitet als Sennerin in der Schweiz für eine Käserei in Graubünden, Sohn Gian Luca ist zurzeit als Cowboy in Kanada auf einer Farm mit fast 400 Rindern im Einsatz, die jüngste Tochter Sarah hat ebenfalls eine landwirtschaftliche Ausbildung absolviert.

Schaf- und Almbauern finden kaum Gehör
Elkes Herz schlägt für die bäuerliche Kultur und für die Menschen, insbesondere Frauen, die in der Landwirtschaft arbeiten. Dahinein steckt sie gemeinsam mit ihrer Stellvertreterin Andrea Friedle aus Häselgehr ihr ganzes Engagement als Bezirksbäuerin. „Unser Ziel ist es, Bedingungen zu schaffen, dass möglichst viele Frauen Lust haben, Bäuerin zu sein, um unsere Natur- und Kulturlandschaft zu pflegen und unsere Traditionen aufrecht zu erhalten", sagt Elke Klages.
Diesbezüglich musste sie bereits die ersten Rückschläge einstecken. „Das Thema Wolf brennt uns Schaf- und Ziegenbauern und den Almleuten unter den Nägeln und wir tun auch viel dazu, um darauf aufmerksam zu machen, aber mir war bislang gar nicht bewusst, dass dabei hauptsächlich Menschen bestimmend mitreden, die von der bäuerlichen Arbeit keine Ahnung haben. Wir Schaf- und Ziegenbauern sind eine Minderheit und finden kaum Gehör mit unseren Problemen. Das zu erkennen war eine sehr schmerzliche Erfahrung für mich und es macht mich zornig." Elke kennt die Sorge um die Tiere aus eigenem Erleben, schließlich weiden die Schafe ihrer Eltern und ihre Ziegen ebenfalls höchst gefährdet auf den Lechtaler und Allgäuer Höhen. „Sollte den Tieren etwas passieren und einige vom Wolf gerissen werden, würden wir das wahrscheinlich nicht durchstehen und die Schafzucht in dieser Form aufgeben, so wie viele andere Bauern, die resignieren. Das kann doch nicht der Sinn falsch verstandenen Naturschutzes sein!"
Elke Klages will dennoch entschlossen weiterkämpfen und sich für die Belange der landwirtschaftlich tätigen Menschen einsetzen. „Die Almwirtschaft gehört unbedingt dazu. Es ist eine Katastrophe, wenn immer mehr Almbauern aufgeben." Gegen die Uneinsichtigkeit mancher Entscheidungsträger ist wahrscheinlich kein Kraut gewachsen, aber für mehr innere Gelassenheit, die zum Austragen von Konflikten nötig ist, kennt Elke doch ein Rezept. Schließlich ist sie Vorstandsmitglied bei den Lechtaler Kräuterhexen!

Fotos:

Auf diesen Weiden hütete Elke Klages als Kind die Kühe.

Elke (Mitte) mit ihrer Mama Burgl und ihrem Bruder Hans-Peter auf Fallerschein

Fallerschein-Kapelle: Hier war Elke ein „falscher Ministrant".


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