Almgeschichten – Folge 4: Ein Almsommer ohne Schafe

Carola Obermoser vermisst nach dem Abtrieb von der Rotwandalm (Gemeinde Westendorf) ihre geliebten Tiere.

29.07.2021

Normalerweise freut sich Carola Obermoser über Gäste auf der Rotwandalm im Windautal, südlich von Westendorf. Aber auf den ungebetenen Gast namens Wolf, der Anfang Juli im Almgebiet wütete, hätte sie gern verzichtet. Ca. 20 qualvoll verendete Schafe, Tiere mit argen Verletzungen, vermisste Tiere und einige Schafe, die durch das brutale Geschehen so scheu geworden sind, dass man sie auch mit Leck kaum noch locken kann, waren das Ergebnis der Katastrophe. Die Alm ist extrem exponiert und steil und damit nicht für den Herdenschutz geeignet – die Bauern sahen sich zum sofortigen Schafabtrieb gezwungen. Im Tal mussten die Tiere aufgrund der Hitze schnell geschoren werden, der kühle Sommer auf den Bergweiden mit feinen Futtergräsern war damit schon zu Beginn der Almsaison zu Ende. „Ich habe gestandene Bauern weinen sehen, als ihre toten Tiere zur Alm geflogen wurden", erzählt Carola.

Was ist mit den Ziegen?
Wie es mit Carolas geliebten Goaßen jetzt weitergeht, ist noch unklar. Solange sie Milch geben und gemolken werden, kommen sie zur Hütte, aber ab Anfang August können sie nicht mehr so leicht unter Aufsicht gehalten werden. „Jedenfalls habe ich ihnen einen GPS-Sender verpasst, damit ich zumindest weiß, in welchem Gebiet sie sich aufhalten", berichtet Carola. Nicht nur für die Schafbauern, auch für die Almeigentümer und Bewirtschafter sind das Besorgnis erregende Entwicklungen. Carola: „Ich habe hier heroben 372 Hektar Almfläche zur Verfügung, die ich brachliegen lassen muss, wenn sie wegen des Wolfes nicht mehr beweidet wird."
Die Rotwandalm mit ihrem grandiosen Blick auf das Windautal hat Carolas Großvater gekauft und zu einer ansehnlichen Almwirtschaft ausgebaut. Carolas Vater und Onkel erbten die Alm zu gleichen Teilen, jetzt gehört sie Carola Obermoser und ihrem Cousin, wobei Carola die Alm bewirtschaftet – inklusive Almpflege, Tierhaltung und Ausschank. Carola: „Das kann ich aber nur schaffen, weil die ganze Familie in besonders arbeitsreichen Phasen zusammenhilft, zum Beispiel beim Schwenden oder Zäune errichten." Auch Carolas Mann Wolfgang, der eine Jausenstation in Kössen betreibt, wo Carola im Winter arbeitet, ist mit Freunden zur Stelle, wenn angepackt werden muss.

Sennerin-Spezialität Brodakas
Ansonsten wird Carola von einer Aushilfskraft unterstützt, die beim Melken der Ziegenherde und der acht Milchkühe hilft (19 Stück Galtvieh weiden droben auf der Hochalm), und auch Mama Marianne greift trotz angeschlagener Gesundheit noch immer unterstützend ein, wo sie kann. Carola steht jeden Tag um fünf Uhr auf, geht in den Stall und in die Sennküche, rührt Butter an, putzt den Käse, bereitet Speck-und Pressknödel vor und empfängt die ersten Gäste, die sich hier einen besonderen Genuss erwarten, zum Beispiel hausgemachten Speck oder Preiselbeer-Buttermilch. Außerdem ist Carola eine der wenigen Sennerinnen, die noch „Brodakas" machen, eine Brixentaler Spezialität aus roher Magermilch. „Es ist einfach eine Art Graukäse, die ich allerdings ohne Graukäsekultur herstelle und nur mit Salz und Pfeffer ein paar Tage reifen lasse. So wird der Käse eher speckig statt topfig, was viele Feinschmecker sehr gern mögen."

Bei den Schafen war es erholsam
Schon als Kind war die 1969 geborene Westendorferin Carola Obermoser oft auf der Rotwandalm. „Aber damals habe ich das nicht so geschätzt. Meine Freundinnen gingen im Sommer ins Bad zum Schwimmen und ich musste Schafe hüten und in der Gastwirtschaft helfen." Mit Anfang dreißig begann die gelernte Touristikerin, ihre Eltern auf der Alm zu unterstützen. Als 2007 ihr Vater starb und sie seinen Almanteil bekam, entschied sie sich, die viereinhalb Sommermonate auf der Alm zu bleiben und ihre ganze Energie in die Almwirtschaft zu stecken. Weil ihr Mann in seiner eigenen Jausenstation eingespannt ist, bedeutet das Trennung auf Zeit. „Aber einmal in der Woche kommt er mich besuchen. Ich selbst schaffe es fast nie, ins Tal zu kommen. Es gibt auf der Alm immer so viel zu erledigen!" Wenn sie dem Stress entkommen wollte und Zeit zur Verfügung hatte, schaute Carola früher immer nach den Schafen. „Für mich war das eine Erholung, wenn ich sie alle gesund und munter weiden sah. Es bedeutete für mich die Gesamtheit, die eine Alm ausmacht: Viehwirtschaft und eine kleine Gastwirtschaft."
Die Gastwirtschaft wird weiter florieren, noch dazu, weil zwei im Salzburgischen gelegene Nachbaralmen zugesperrt haben und Carola jetzt die einzige Jausenstation in diesem Landschafts-Winkel betreibt.
Mit der Viehwirtschaft schaut es trauriger aus. Zumindest in diesem Sommer kann niemand mehr auf der Alm nach den Schafen schauen und keine Wanderer werden mehr den friedvollen Anblick weidender Schafe rund um den hochgelegenen Reinkarsee genießen können.

 

Schön war das Almleben für die Schafe, bevor der Wolf kam.

 

Carolas Schweine träumen auf der Alm vom schönen Almleben.

 

Auch die Ziegen haben den Almsegen dringend nötig.


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