Ist das Artenvielfalt?

Eine junge Frau und Mutter nimmt im folgenden Gastbeitrag zum Thema Wolf in sehr persönlichen Worten Stellung und bringt ihre Betroffenheit zum Ausdruck.

01.07.2021

Heute schreibe ich zum ersten Mal eine Stellungnahme, eine Stellungnahme zum leidigen Thema Wolf. Mein Name ist Melanie, ich bin 30 Jahre alt und Mutter von zwei Kindern. Ich wohne in einem Dorf in Tirol, in dem es sehr viele Landwirte sowie Hobbyschafzüchter gibt, größere und kleinere. Zu den Letzteren gehört auch mein Papa
Robert Winderl. Für meine Brüder und mich war es ganz normal, in dieser Idylle aufzuwachsen. Heute sehe ich es als ein Privileg, in dieser Gegend zu wohnen. Unser Papa hat Schafe so wie unser Opa schon. Er ist leidenschaftlicher Züchter und war und ist damit auch sehr erfolgreich.
Im Frühjahr gibt es nichts Schöneres, als wenn man die Schafe direkt vorm Haus auf der Weide beobachten kann. Die leisen Glocken klimpern und die kleinen Lämmchen laufen aufgeregt hin und her. Das klingt nicht nur romantisch, das ist es auch. Dann kommt der Almsommer. Zuhause oder im Tal wäre es viel zu heiß für die Tiere. Sie müssen in die Höhe. Aller Abschied fällt schwer. Jeder Besitzer ist froh, wenn seine Herde im Herbst wieder unbeschadet nach Hause zurückkehrt. Es gibt leider immer wieder Fälle von Blitzschlag oder Abstürzen. Es ist aber etwas, mit dem man rechnen muss, wenn man seine Schafe auf die Alm bringt.

Der Wolf hat in unserem dichtbesiedelten Land keinen Platz
Doch jetzt gibt es noch etwas, das uns als natürlicher Tod eines Schafes verkauft werden soll: den Wolf. Mir muss man bitte erklären, wie um alles in der Welt jemand auf die Idee kommt, es gutzuheißen, dass der Wolf endlich wieder bei uns heimisch wird. Der Wolf wird als „großer Beutegreifer" betitelt, also als Raubtier. Ich glaube, dass dieses Tier in einem Land wie Österreich, das so dicht besiedelt ist und in dem so intensiv natürliche Tierhaltung betrieben wird, keinen Platz hat. Unser Land lebt vom Tourismus. Das wurde spätestens seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie klar. Die Gäste kommen wegen der wunderschönen Gegend und den Bergen – im Winter zum Skifahren und im Sommer zum Wandern. Jetzt ist es aber so, dass der Wolf genau in dieser Gegend unterwegs ist. Der Wolf ist ein Tier, das sich rasant vermehrt, da es hier bei uns keine natürlichen Feinde hat, die für ein ökologisches Gleichgewicht sorgen könnten.
Die Schafe sind für die Bauern und Züchter HAUSTIERE. Sie sind aber nicht nur für die Landwirte und ihre Familien wichtig. Schafe sind für uns alle wichtig, als Haustiere für die Bauern und als NUTZTIERE für alle anderen. Die Herden bewirtschaften den ganzen Sommer über die Almen und Berge und leisten damit einen erheblichen Beitrag zum Erhalt unserer wertvollen Kulturlandschaft. Sie fressen das Gras ab und düngen gleichzeitig für gutes Wachstum. Kein anderes Tier ist in der Lage, in solchen Höhen solche Mengen abzugrasen. Wenn die Schafe nicht mehr auf den Almen wären, bekämen wir sehr schnell große Probleme. Niemand wird dort oben das Gras mähen und Heu einbringen, weil es schier unmöglich ist. Das bedeutet wiederum in der Folge, dass der Wuchs auf den Almen unglaublich hoch wird und von den wunderschönen Almen mit Bergpanoramen auf Postkartenfotos nichts mehr übrigbleibt außer Wucher von verschiedenen Gewächsen. Die Folge sind Lawinen, die schlussendlich auch das Siedlungsgebiet bedrohen können, sowie Verbuschung im Sommer. Das wird über kurz oder lang auch den Tourismus stark beeinträchtigen. Ich glaube nicht, dass es noch viele Wanderer im Sommer in die Berge verschlägt, wenn die Wege zugewachsen und die Almen kaum erreichbar sind. Noch dazu, wenn man jederzeit einem Raubtier im Wald begegnen könnte.
Meiner Meinung nach werden die Züchter dieses Risiko in wenigen Jahren aber nicht mehr eingehen. Man sollte sich nur einmal anschauen, was der Wolf innerhalb weniger Stunden mit einer Schafherde anrichtet. Er reißt ihnen, einem nach dem anderen, die Gedärme aus und lässt sie jämmerlich verbluten. Das hat wohl mit einem natürlichen Tod nichts mehr zu tun. Ich weiß, dass das in der Natur des Wolfes liegt und er dafür nichts kann. Es ist sein Instinkt, er jagt auf Vorrat. Trotzdem kann es nicht sein, dass das alles hingenommen und als natürlich abgetan wird. Für die für uns alle so wichtigen Schafe ist das nämlich alles andere als natürlich.

Der Wolf ist geschützt und das Schaf seinem Leid überlassen
Jeder, der meint, es ist „super" und „schön", dass der Wolf wieder da ist und die Artenvielfalt in Österreich wieder gestiegen ist, sollte sich einmal Bilder von gerissenen Schafen auf den Weiden anschauen. Welches Leid hier angerichtet wird, welche Angst die Tiere erleiden, ist unsagbar. Wer von Ihnen würde sein geliebtes Haustier, sei es ein Hund, eine Katze oder ein Hase, freiwillig einem anderen Tier zum Fraß vorwerfen? Weiter stelle ich mir die Frage, warum ein Wolf geschützt wird und ein Schaf seinem Leid selbst überlassen wird. Denn die Idee mit den Herdenschutzzäunen auf den Almen finde ich wirklich lächerlich. Jeder, der schon einmal auf einer Alm war und sich diese riesigen Gebiete anschaut, auf denen die Schafe weiden, weiß, dass es unmöglich ist, auf den Bergen einen Zaun dieser Größenordnung zu errichten. Außerdem gelangt der Wolf auch mit ein bisschen Mühe über diesen Zaun, die Schafe aber nicht mehr hinaus. Sie sind sozusagen wieder in der Falle.
Ich verstehe einfach den Nutzen für uns alle nicht. Was nützt uns ein RAUBtier? Was nützt uns ein NUTZtier? Die Antwort finden wir schon in der Frage. Selbst wenn ein Wolf eine ganze Herde vernichtet und sich in der Nähe von Wohngebieten aufhält, sind alle noch entspannt. Das Herumstreifen eines Wolfes in einem Siedlungsgebiet macht ihn noch lange nicht zum Problemwolf. Hier stelle ich mir die Frage, wann diese Bezeichnung „PROBLEMWOLF" zutrifft. Wahrscheinlich erst, wenn ein Mensch oder ein „Schatzihundi" angegriffen wird.

Kann ich noch meine Kinder allein im Garten spielen lassen?
Ich mache mir große Sorgen um die Zukunft, wenn dieses RAUBTIER weiterhin hier bei uns unterwegs ist. Ich wohne mit meiner Familie in einem Haus am Waldrand und meine Kinder spielen jeden Tag im Garten. Alleine kann ich sie jetzt nicht mehr lassen, auch wenn es immer heißt, der Wolf ist scheu und tut einem Menschen nichts. Einmal ist immer das erste Mal. Meiner Meinung nach ist es wirklich unverhältnismäßig und fahrlässig, hier zuzuschauen und nichts zu unternehmen. Der Wolf wurde vor mehr als hundert Jahren von unseren Vorfahren ausgerottet. Ich gehe jetzt davon aus, dass sie, unsere Vorfahren, das aus einem ganz bestimmten Grund getan haben.
Ich glaube, ich spreche mit diesen Zeilen vielen aus der Seele. Wolf und Schafe zusammen finden bei uns sicher keinen Lebensraum. Ohne Wolf können wir sehr gut leben, dafür sprechen die letzten hundert Jahre. Aber ohne Schafe? Die Schafe gehören geschützt. Der Wolf gehört weg, dahin, wo er einen entsprechenden Lebensraum hat.
Vor kurzem haben mein Papa und viele unserer Bekannten und Verwandten ihre geliebten Schafe auf die Alm gebracht. Wenn nichts unternommen wird, können wir nur hoffen ...

Foto: Melanie Astl lebt mit ihrer Familie in Weerberg (Bezirk Schwaz).


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