Almgeschichten – Folge 9: Einvernehmlich funktioniert’s am besten

Die Wald-Weide-Trennung im Bereich der Leutascher Gaistalalm brauchte etliche Anläufe.

20.08.2020


Die Leutascher sind gesegnet mit einem hervorragenden Wild- und Jagdgebiet, mit einer vitalen Alm- und Landwirtschaft und mit einer florierenden Tourismuswirtschaft. Besser geht's nicht. Wenn sich aber wie im Bereich der Gaistalalmen alles auf demselben Gebiet in intensiver Form zusammenfindet, ist es nur logisch, dass sich die Bereiche da und dort in die Quere geraten. Von unliebsamen Begegnungen zwischen Kühen und Touristen blieb man zwar in der Leutasch bis auf einige glimpflich verlaufene Vorfälle bislang verschont, aber zum Schutz des Waldes drängte der Forst schon seit vielen Jahren auf eine saubere Trennung zwischen Wald- und Weideflächen im Bereich der Gaistalalm, noch dazu, weil statt der erlaubten 150 Großvieheinheiten die Alm mit 195 Großvieheinheiten bestoßen wurde. Die Agrargemeinschaft Gaistal-Rotmoosalm, die mittlerweile zu einer Gemeindegutsagrargemeinschaft umgeformt wurde, zählt 206 Mitglieder, davon treiben noch 31 Betriebe auf. Für sie war das vorgeschriebene Kontingent zu klein. Das war bei der ersten Servitutenregulierung im Jahr 1980 nicht berücksichtigt worden, als die Agrargemeinschaft zu ihren 60 Hektar Eigengrund ca. 385 Hektar Servitutsweide vom Forst zur Verfügung gestellt bekam.

Schattseite als Weide verloren
Vom Drängen auf eine neue Servitutenregulierung waren die Bauern zuerst nicht begeistert. Nicht nur wegen der Reduktion der Weidefläche, sondern auch deshalb, weil sie künftig auf die „Neaderseite", die so wichtige Schattseite, verzichten müssen, wo das Vieh auch in trockenen Sommern gutes Futtergras findet, wenn man es im Spätsommer von der Hochalm Rotmoos wieder auf den Niederleger Gaistalalm bringt.
Und so dokterte man lange Zeit mehr oder weniger ambitioniert herum, wie der Wald weidefrei gestellt werden könnte. Der Druck durch den Forst auf die Bauern wurde größer und 2006 wurde ein konkreter Plan ausgearbeitet, aber 2008/2009 kam die Zerstörung der Rotmooshütte durch eine Lawine dazwischen, deren Wiedererrichtung hatte Vorrang und das Projekt der Wald-Weide-Trennung wurde neuerlich verschoben. 2011 wurde dann wieder ein Plan vorgelegt und endgültig beschlossen, 2012 erfolgte der positive Bescheid durch die Agrarbehörde. Das gute Einvernehmen der Agrargemeinschaft mit der Gemeinde Leutasch förderte den Fortschritt bei diesem Projekt.
Seit zwei Jahren befindet man sich nun mitten im Umbau. Nach vorhergehender Umweltverträglichkeitsprüfung wurden auf der Waldweide nördlich des Gaistalbaches Rodungen im Ausmaß von 40 Hektar vorgenommen, zum Teil wurde komplett stockgerodet, sodass dort eine futterträchtige Weide entstehen kann. Insgesamt steht nun auf der Gaistalalm eine Reinweidefläche von 145 Hektar mit zeitgemäßen Nutzungsmodalitäten zur Verfügung. Ungefähr zwei Kilometer nördlich der Gaistalalm wurde ein Forstweg errichtet, den sowohl der Forst als auch die Bauern für ihre Arbeit nützen können. Außerdem wurden Wasserleitungen für Viehtränken verlegt.

Insgesamt besser als gedacht
Eine Einzäunung des Weidegebietes wird noch erfolgen, wobei man Bedacht darauf legen muss, die Touristen auf sicheren Wegen durch die Mutterkuhherden zu führen. Der Leutascher Bürgermeister Georgios Chrysochoidis, Substanzverwalter der Gemeindeguts-agrargemeinschaft Gaistal-Rotmoosalm: „Für uns wäre es eine Katastrophe, wenn die Bauern das Vieh frühzeitig von der Alm holen müssten, wie man es mancherorts schon hört, oder eine Alm für Touristen gesperrt werden müsste, denn wir brauchen die Pachteinnahmen der florierenden Hütten. Viehhaltung und Tourismus sind beide sehr wichtig für unsere Region und wir setzen dabei auf einen guten Mittelweg. Auch die Trennung von Wald und Weide macht Sinn, denn es ist gut, wenn die Bauern für das eigene Weidegebiet allein zuständig sind. Ob sich auch Nachteile daraus ergeben, können wir jetzt noch nicht wirklich abschätzen. Es bleibt abzuwarten, ob das Weidegebiet letztlich groß genug sein wird."
Die Gaistalalm ist mit 250 Stück Weidevieh bestoßen, zu 80 Prozent sind es Mutterkühe mit ihren Kälbern. Ob sie mit der Lösung zufrieden sein werden? Günter Krug, Obmann der Gemeindegutsagrargemeinschaft Gaistal-Rotmoosalm, und die anderen Almbauern sehen die Trennung jedenfalls inzwischen mehrheitlich positiv. Krug: „Es ist gut, dass wir uns schließlich doch durchgerungen haben, eine einvernehmliche Lösung zu finden, denn so konnten wir unsere Ideen einbringen, die zum Großteil auch berücksichtigt wurden. Wenn wir jetzt die neuen Weideflächen sehen, können wir uns durchaus vorstellen, dass unser Vieh hier das Auslangen findet."
Natürlich fällt auch für die Gemeindegutsagrargemeinschaft bei diesem Großprojekt viel Arbeit an. Vor allem die Beseitigung des Rodungsholzes und die Errichtung der insgesamt 7, 5 Kilometer langen Zäune erfordern einen hohen Aufwand. Wegen der Corona-Pandemie wurde heuer der bereits zugesagte Einsatz von Hilfskräften des ÖAV-Bergwaldprojektes von den Behörden untersagt, aber die Bauern haben ohnedies eine großzügige Frist eingeräumt bekommen: Vom Zeitpunkt, da der letzte Baum der Rodung gefallen ist, haben sie fünf Jahre Zeit, alles in Ordnung zu bringen und ihr Vieh auf die neuen Weideflächen zu übersiedeln. Günter Krug: „Das wird sich ausgehen. Durch die Zusage ausreichender Fördermittel konnte das Projekt zufriedenstellend umgesetzt werden. Alles in allem hat sich die Trennung besser entwickelt, als wir anfangs dachten!"

Foto:

Malerisch gelegen – die Leutascher Gaistalalm

Noch staubt's auf der künftigen Weidefläche.


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