Almgeschichten – Folge 8: Kühe sind Klimakiller? So ein Unsinn!

Reinhold Jäger ist Biologieprofessor, Bergbauer und der Alpmeister der Fließer Gemeindealpen.

13.08.2020


Es gibt Familien, die allein schon viele Almserien füllen könnten. In der Familie von Reinhold Jäger aus Fließ im Oberen Inntal arbeiteten mehrere Onkel und Tanten sowie Geschwister und ein Cousin im Sommer auf einer Alm und Reinholds Bruder Ewald ist Senner. Und so ist es kein Wunder, dass auch Reinhold das Almgen im Blut hat. Der studierte Biologe ist Professor am Gymnasium Landeck und Nebenerwerbsbergbauer, dessen Hof auf 1260 Meter Seehöhe in Fließ liegt. Außerdem ist Reinhold schon seit zehn Jahren Alpmeister der Fließer Gemeindealpen – das sind die beiden Kuhalmen Alpe Zanders und Alpe Gogles (was man ja nicht wie „Google" aussprechen darf!) sowie die beiden Galtviehalmen Zanders Stierberg und Alpe Urg.
Der 1973 geborene Fließer besuchte die Landwirtschaftliche Lehranstalt in Imst und die Höhere Bundeslehranstalt für Alpenländische Landwirtschaft in Salzburg. Danach studierte er Biologie und Erdwissenschaften an der Universität Innsbruck. Er war unter anderem als Beraterbauer in der Landwirtschaftskammer Landeck tätig und koordinierte das Projekt „Freiwillige Arbeitseinsätze auf Bergbauernhöfen" beim Maschinenring Tirol. Außerdem arbeitete er mehrere Sommer als Senner und Hirte auf Almen. Seit er gemeinsam mit seiner Frau Barbara den Bergbauernhof von seinen Eltern übernommen hat, bleibt dazu keine Zeit mehr, aber als Alpmeister hat er ohnedies täglich mit Almbelangen zu tun.

Unsere Butter ist teuer
Als Reinhold vor zehn Jahren dieses verantwortungsvolle Amt übertragen bekam, hatten die Fließer Almen unter Strukturproblemen zu leiden. Es mangelte an der Fehlersuche und der Kontrolle und es kam in manchen Jahren vor, dass Teile der Käseproduktion unbrauchbar waren. Mit einem engagierten Team von vier Bergmeistern (je einer pro Gemeindealpe) und unter großer Mithilfe der Gemeinde Fließ, die jährlich 25.000 Euro für den laufenden Betrieb zuschießt, organisierte Reinhold die Arbeitsabläufe und Zuständigkeiten neu. Jetzt funktioniert alles wieder tadellos, pro Almsaison werden 14.000 Kilo qualitativ hochwertiger Schnittkäse inklusive Butter produziert. Einen Teil davon behalten die Bauern, der Rest wird auf den Alpen verkauft. Reinhold Jäger: „Unsere Butter kostet gleichviel wie unser Käse, nämlich 13 Euro das Kilo, das ist sie wert und es herrscht große Nachfrage. Aber wir haben auch hohe Kosten und investieren viel Geld in gutes Almpersonal, damit es uns bleibt und nicht abgeworben wird. Für die drei Monate Almsaison auf den zwei Sennalpen entstehen uns 100.000 Euro Lohnkosten."
Das Modell der Gemeindealpen findet Reinhold gut, so gehören die Almen keiner elitären Gruppe, sondern sind „Gemeindegut für uns alle." Probleme, die Almen zu bestoßen, gibt es nicht. Von den 160 Fließer Bauern (alles Nebenerwerbsbauern) halten viele noch Milchkühe, wenn auch meist nur in kleinem Rahmen. Auch wirtschaften die Bauern nachhaltig und umweltbewusst. Reinhold war selbst viele Jahre lang Biobauer. Sein Vater hatte 1995 damit begonnen, Reinhold übernahm das „ÖPUL-Bio" 2003 und führte es bis 2015 weiter, dann hatte er genug von den zum Teil wenig praxistauglichen Bio-Richtlinien. „Meine Familie und ich wirtschaften noch immer ökologisch, aber das machen wir jetzt nur noch für uns und nicht für ein Gütesiegel."

Tierwohl ist sehr wichtig
Auch andere Entwicklungen mit vermeintlich naturschützerischen Absichten sieht er kritisch. Reinhold Jäger: „Mich ärgert, dass so viele sogenannte Fachleute in der Landwirtschaft mitreden, die keine Ahnung haben. Wenn zum Beispiel unsere Kühe als Klimakiller verurteilt und wir kleinstrukturierten Bauern mit der industriellen Landwirtschaft in einen Topf geworfen werden, fühle ich mich beleidigt. Unsere Kühe weiden auf Almen, fressen gutes Grünfutter und Heu, sind fantastische Nahrungsverwerter und alles andere als Klimakiller. Insgesamt achten wir sehr auf die Umwelt und das Wohlergehen unseres Viehs. Natürlich gibt es auch in Tirol Bauern, die ihre Kühe ganzjährig im Stall halten und ständig Fertigrationen füttern, aber in der traditionellen Alm- und Viehwirtschaft ist das Tierwohl sehr wichtig."

Wolfssichtungen dokumentiert
Das bringt uns zu einem Thema, mit dem sich Reinhold Jäger auch in seinem Beruf als Biologe befasst hat – die Gefahr durch den Wolf. Seit Jahren dokumentiert er Wolfssichtungen und Risse und seiner Meinung nach wird dieses Problem rapide zunehmen: „In dieser Hinsicht sind wir total blauäugig. Wie sollen wir mit 39 Rudeln in Österreich zurechtkommen, ohne gezielt Tiere entnehmen zu dürfen? Wenn wir für einen Problemwolf oder ein Rudel, das Stunk macht, sich lange hinziehende Bescheide für einen Abschuss einholen müssen, dann sehe ich schwarz für die Almwirtschaft. Und wenn dabei immer mit Biodiversitätsverlust argumentiert wird, dann sollte man sich einmal die Biodiversität einer gesunden Almweide und ganz besonders der Bergmähder ansehen. Werden Almen oder Bergmähder aufgelassen, geht damit eine Unmenge an Artenvielfalt verloren!"
Reinhold und seine Fließer Almbauernkollegen investieren viel Arbeit und Geld in eine funktionierende, nachhaltige Alm- und Landwirtschaft. Und damit auch die nachfolgende Generation nicht den Bezug zum Vieh und zur Landwirtschaft verliert, bringt Reinhold hin und wieder eine seiner Kühe in den Biologie-Unterricht mit, um sie der Klasse vorzuführen und zu erklären, warum diese Kuh kein Klimakiller ist.

Fotos:
Sennalpe Zanders (90 Kühe, 5 Pferde, 10 Alpschweine)
Reinhold Jäger vor dem Gepatschferner im Kaunertal


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