Almgeschichten – Folge 6: Kühe, Schafe, Bergmolche und Libellen

Die Loschbodenalm von Tux profitiert wie andere Almen von ihrer Lage im Naturpark Zillertaler Alpen. Im Rahmen einer „Umweltbaustelle“ wurde dort eine alte Steinmauer wiederhergestellt.

23.07.2020



Auf der Loschbodenalm (Löschbodenalm), die zwischen 1.700 und 2.000 Metern am Tuxer Hauptkamm liegt und zu Tux im Zillertal gehört, gab es eine der längsten Trockensteinmauern der Ostalpen: Mit einem Kilometer Länge trennte sie die Loschboden- von der angrenzenden Elsalm. Die Mächte der Witterung setzten der Mauer allerdings heftig zu und sie war teilweise gar nicht mehr zu erkennen. Aber in den letzten Jahren wurde die Sanierung dieses bemerkenswerten, einige hundert Jahre alten Steinhags im Rahmen einer „Umweltbaustelle" in Angriff genommen und jetzt ist das wichtige Element alpiner Kulturlandschaft wieder intakt. Es leistet damit nicht nur gute Dienste für die Almwirtschaft, sondern bietet auch Unterschlupf für zahlreiche an diesen Lebensraum angepasste Pflanzen und Tierarten, vor allem Reptilien und wärmeliebende Insekten.
Glück für die Almeigentümer und Bewirtschafter, dass ihre Alm im Naturpark (Ruhegebiet Zillertaler und Tuxer Hauptkamm) liegt bzw. zu den Naturparkgemeinden zählt. Denn dadurch kamen sie in den Genuss eines auf drei Jahre angelegten Naturschutzplanes (2018 bis 2021), in dessen Verlauf Projekte gefördert werden, von denen sowohl Naturschutz als auch Almwirtschaft profitieren. Am Ende der drei Jahre erfolgt eine Bewertung der durchgeführten Projekte und die vorveranschlagte Förderungssumme, die pro Alm im Schnitt bis zu 10.000 Euro betragen kann, wird vom Land Tirol ausgezahlt.

Engagiertes Naturpark-Team
Die treibende Kraft hinter der Neuauflage der almfreundlichen Naturschutzpläne (mit denen auch im Naturpark Ötztaler Alpen und im Naturpark Karwendel gearbeitet wird), war das engagierte Team rund um den Geschäftsführer des Naturparks Zillertaler Alpen, Willi Seifert. Gemeinsam mit der Bezirkshauptmannschaft und der Tiroler Landwirtschaftskammer wurden dazu im Vorfeld die nötigen Bewilligungspflichten abgeklärt. Als man fünf Naturschutzpläne vom Land Tirol zugesagt bekam, wurden mittels eines Ampelsystems fünf geeignete Almen für dieses Projekt ausgesucht, deren Eigentümer und Bewirtschafter nicht nur an der Erhaltung der Almwirtschaft, sondern auch am Naturschutz interessiert sind. Neben der Loschbodenalm waren das im Naturpark Zillertaler Alpen die angrenzende Elsalm, die Grieralm, die Friesenbergalm am Schlegeis und die Gungglalm oberhalb von Ginzling. Für jede Alm wurde ein eigener Plan erstellt und ein Förderpaket geschnürt.
Auch die Wiedererrichtung der Steinmauer auf der Loschbodenalm gehört zu diesem Plan. Sie wurde in Kooperation mit den Umweltbaustellen des Österreichischen Alpenvereines umgesetzt. Zahlreiche freiwillige jugendliche Helferinnen und Helfer waren im Einsatz, um die Steinmauer zu sanieren und sie für viele weitere Jahrzehnte zu erhalten. Im Rahmen der Umweltbaustellen wurden auch Almflächen entsteint und mit Astscheren geschwendet. Eine arbeitsintensive Dienstleistung, welche die Almbewirtschafter nicht allein bewerkstelligen könnten. Ganz nebenbei leisten die Schwendarbeiten auch einen kleinen Beitrag für die Skitourenschneisen rund um die Alm, die Teil eines Besucherlenkungsprojektes im Tuxertal sind. Davon sollen insbesondere die Raufußhühner und Jungwaldflächen rund um die Loschbodenalm profitieren.

Revitalisierte Almtümpel
Auf der Loschbodenalm weiden durchschnittlich 70 Stück Milchvieh und 50 Stück Rinder. Es kann leicht sein, dass diesen beim Weiden ab und zu hübsche Libellen um die Mäuler fliegen. Denn im Gebiet der Hochalm wurden im Zuge des Dreijahresplanes auch zwei Almtümpel angelegt, das heißt, es wurden ehemalige und inzwischen verlandete kleinere Almtümpel revitalisiert. Darüber freuen sich nicht nur Grasfrösche, Alpensalamander und Bergmolche, sondern auch die Kühe, die hier eine natürliche Tränke finden. Mittels Koppelwirtschaft bzw. Zäunungen sorgt man dafür, dass ihre Trittspuren dabei nicht viel Schaden anrichten.
Die Naturschutzpläne für Almen bringen viele Vorteile, sie sind deshalb ein Erfolgskonzept, für das sich immer mehr Interessenten im Kreis der Almbewirtschafter finden. Ganz allgemein ergeben sich aus der Schutzgebietsverordnung kaum Einschränkungen für Bewirtschafter, lediglich beim Wegebau bestehen weitreichendere Bewilligungspflichten. Im Naturpark Zillertaler Alpen gibt es mehr als 60 Almen, mindestens weitere zehn Almen kämen für einen Naturschutzplan mit dementsprechenden Projekten in Frage. Naturpark-Geschäftsführer Willi Seifert: „Wir sind für alle Bewirtschafter offen, die auf uns zukommen und die Almen als arten- und strukturreiche Höhenzonen erhalten wollen. Und wir werden uns dafür einsetzen, dass die Naturschutzpläne weiterhin gefördert werden, denn sie sind eine tolle Sache und beweisen, dass das oft zitierte Spannungsfeld zwischen Landwirtschaft bzw. Almwirtschaft und Naturschutz oft nur auf Vorurteilen beruht und dass beide Seiten profitieren, wenn sie an einem Strang ziehen."


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