Almgeschichten – Folge 5: Ein Herz für die Zotteligen

Gabriele Brunner aus Wörgl alpt ihre Yaks auf der Alm Neuhögen-Molterfeld in der Kelchsau. Dort fühlen sich die zotteligen Tiere, die eigentlich aus Zentralasien stammen, richtig heimisch.

16.07.2020




Gibt es einen idealen Ort für Mensch und Tier? Für Mag. Gabriele Brunner aus Wörgl ist dieser Ort jedenfalls auf der Alm – auf ihrer Alm Neuhögen-Molterfeld in der Kelchsau. Die dort neben Mutterkühen und Galtvieh weidenden Yaks würden den Ort wohl auch als ideal für ihr Wohlbefinden beurteilen, obwohl ihre eigentliche Heimat in Zentralasien liegt. Die genügsamen Tiere stört der Aufenthalt in der „Fremde" nicht, im Gegenteil, sie fühlen sich im steilen Gelände auf einer Seehöhe zwischen 1500 und 1800 Meter richtig heimisch. Schließlich ist die Almlandschaft dem Ursprungsgebiet der Yaks, Nepal und Tibet, sehr ähnlich.
Es war ein Risiko, als sich die 1967 geborene Wörglerin vor ein paar Jahren entschied, sich der Bioyak-Zucht zu widmen. Aber dann gelang es ihr doch, Beruf und Berufung zusammen zu bringen. Neben ihrer Lehrtätigkeit am BG-BORG St. Johann, wo sie Sport, Psychologie und Philosophie unterrichtet, konnte sich Gabriele Brunner mit ihrer Bioyakzucht eine Lebenswelt erschließen, die ihrer Liebe zur Natur, zur Landwirtschaft und zu Tieren entspricht.

Schiache Viecher?
Zuvor machte sie eine Ausbildung zum landwirtschaftlichen Facharbeiter und auch das Schicksal hatte seine Finger im Spiel, weil es Gabriele eine Alm „schenkte", indem sie von ihrer Mutter Almanteile auf der Neuhögenalm erbte. Weitere Mitbesitzer zahlte Gabriele aus, also besaß sie 7/8 Anteile der Alm und konnte dadurch ihre Pläne konkretisieren. Sie wusste, sie musste sich eine Nische suchen, um in der Tierzucht wirtschaftlichen Erfolg zu haben. Aber tatsächlich Yaks? Die Reaktionen auf ihre Idee waren nicht nur ermutigend, manche Menschen urteilten abschätzig: „Schiache Viecher!" Oder sie meinten ganz offen, sie spinne – Yaks und Tirol passe nicht zusammen.
Aber die Yaks passten zu Gabriele. Als Nepal-Fan mit einem tiefen Interesse für den Buddhismus hegte sie für die zotteligen Rinder schon lange Sympathien. Außerdem sind Yaks genügsame Tiere, bestens geeignet für die Alpung und ihr Fleisch ist vor allem bei Kennern beliebt. Und weil es heutzutage auch auf die richtigen Marketingstrategien ankommt, muss man die Leute eben zu Kennern machen.
Auch dazu hatte Gabriele einige ungewöhnliche Ideen: Sie klügelte mit ihrem 18-jährigen Sohn Serafin, der ausgezeichnet kochen kann und den sie inzwischen zu ihrem Betriebspartner gemacht hat (ihr älterer Sohn Felix studiert Wirtschaftswissenschaften und spielt Eishockey bei den „Haien"), Yakrezepte aus – u. a. Yakkraftsuppe, Yakfleischkäse, Yakchili, Würste und Sulzen. Diese stellt sie zum Beispiel beim Streetfood-Festival in Wörgl und bei Almevents vor. Letztere in Verbindung mit Kultur, zum Beispiel mit der Aufführung von almerischen Freiluft-Theaterstücken.

Vorbildliche Koppelwirtschaft
Das Konzept findet großen Anklang und das Geschäft läuft gut. Für ein Kilo Bioyakfleisch kann man einen Preis bis zu 35 Euro erzielen. Neben dem Fleisch lassen sich vom Fell bis zu den Hörnern (an denen vor allem die Perchtenläufer interessiert sind), alle Teile vom Yak verwerten. Und weil Gabriele auch weiterhin unterrichtet, kommt sie finanziell gut über die Runden.
Inzwischen sind auch ehemalige Skeptiker davon überzeugt, dass Gabriele ihre Sache gut macht. Ihre vorbildliche Koppelwirtschaft und die Zauntechnik, in die sie viel investiert, bringen ihr die Anerkennung von den Almbauern ein. Das freut Gabriele, aber sie ist nicht vom Lob abhängig. Sie hat sich immer schon gesagt: „I tua, wia i will!" und ist damit meistens gut gefahren.
Am Ende dieses Sommers werden die Tiere in Gabrieles neuen Pachthof bei Schwoich übersiedeln. Zuerst aber genießen sie den Almaufenthalt in vollen Zügen. Als Sportlehrerin freuen Gabriele natürlich besonders die Vorteile der gesunden Bewegung im steilen Gelände: Diese fordert Muskeln, Sehnen, Klauen und Gelenke. Das Gewebe wird trockener und fester. Der Tierkörper strafft sich und selbst bei erwachsenen Tieren setzt sich Tiereiweiß an, wie es sonst nur bei Jungtieren der Fall ist.
Alles in allem, das muss man sagen, sind das keine „schiachen Viecher", sondern wahre Prachtexemplare!
www.tiroler-bioyak.at

Foto: Gabriele und ihr Sohn Serafin beim Almauftrieb


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