Almgeschichten – Folge 2: Mit dem „Lechtreiben“ geht es los!

Jürgen Posch ist heuer das zweite Jahr Galtvieh-Hirte auf der Schlierenalpe von Tarrenz.

18.06.2020




An diesem Wochenende ist es wieder so weit: Die Alminteressentschaft Tarrenton (Tarrenz/Bezirk Imst), treibt das Vieh von der Waldweide, wo es drei Wochen lang gegrast hat, auf die Almen in den Lechtaler Alpen. Um 6 Uhr früh treffen sich die Hirten und ihre Helfer in einem Waldstück von Obtarrenz, sie durchstreifen den Wald, sammeln das Vieh und treiben es bis zur sogenannten Moas-Weide. Dort werden die Tiere getrennt, die trächtigen Kühe bleiben auf der Moas, die Galtvieh-Herde und die Mutterkühe wandern hinunter Richtung Mitteregg ins „Lech", das ist ein kleines Tal, das nicht dem „Lechtal" als solches entspricht, sondern ein Schneefluchtgebiet mit kleinen Almböden, wo die Tiere ca. weitere 14 Tage ihr Auslangen finden. Danach erst geht es für sie in die eigentliche Sommerresidenz, die Schlierenalpe auf 1937 m. Sie liegt oberhalb der Tarrenton Alm und wird wie diese von der Alpinteressentschaft Tarrenton bewirtschaftet.
Die Almauffahrt im Juni hat als „Lechtreiben" eine lange Tradition. Jürgen Posch (geb. 1974) aus Tarrenz ist heuer zum zweitenmal dabei, fühlt sich aber schon richtig heimisch auf der Schlierenalpe, wo er letztes Jahr zum erstenmal als alleinverantwortlicher Hirte im Einsatz war. „Es war ein wirklich guter Sommer", erinnert er sich. „Das Vieh fand genügend Futtergras, denn es herrschte gutes Wuchswetter, weil sich Sonne und Regen ständig abwechselten. Außerdem wurden zehn Kalbelen auf der Alm geboren und meinen Hirtenhund Flynn hatte ich auch schon dabei. Er war damals noch ganz jung. Ich hatte ihn auf eine Zeitungsannonce hin gefunden, in der stand: Boarder Collie sucht schönen Almplatz!"

Iatz wird g'hiatet!
Auch Jürgen suchte eines Tages einen schönen Almplatz. In seinem Beruf – er war Außendienstverkäufer von chemischen Produkten für Gewerbe und Industrie – bekam er gesundheitliche Probleme, vor allem die Lunge spielte aufgrund einer Allergie nicht mehr richtig mit und er musste seine Tätigkeit aufgeben. Ein Beruf in frischer Luft mit viel Bewegung würde ihm guttun, dachte er. Und weil er schon als Bub in der Landwirtschaft seiner Tante fleißig mithalf und einen guten Draht zu Tieren hat, sagte er sich: „Iatz wird g'hiatet!" Er belegte einen Kurs für Zertifiziertes Almpersonal vom LFI (Ländliches Fortbildungsinstitut) und nahm die Stelle auf der Schlierenalpe als Hirte an. Einsam fühlte er sich keinen Augenblick, denn er hatte neben Hirtenhund Flynn seine ebenfalls almbegeisterte Familie dabei, die ihn auch heuer wieder auf die Alm begleiten wird: Seine Frau Manuela, von Beruf Kindergartenpädagogin, und seine beiden Söhne Maximilian (9) und Moritz (7).

Therapeutische Wirkung
Das einfache Leben mit Holzherd und Materialseilbahn, ohne direkte Almzufahrt (diese reicht nur bis zur Tarrenton Alm), schreckt die Familie nicht ab, im Gegenteil. Jürgen kann sogar von einer deutlichen gesundheitlichen Auswirkung des Almlebens berichten: Seine Lunge ist wieder voll funktionsfähig und er leidet nicht mehr an Allergien. Dass der Umgang mit der Natur und Tieren eine therapeutische Wirkung hat, zeigte sich auch bei seinem Sohn: „Maximilian hatte als kleines Kind Schwierigkeiten mit dem Reden. Als wir ein Schaf kauften, gab er sich viel mit ihm ab und wie nebenbei klappte es dann auch mit dem Sprechen lernen." Aus einem Schaf wurden inzwischen zehn – in Tarrenz mit seinen vielen Schafzüchtern und dem bekannten Almabtrieb mit Schafschied ist das fast eine Ehrensache. Jürgen hält Walliser Schwarznasenschafe, diese weiden aber nicht auf der Schlierenalpe, sondern auf Hinterberg, der Schafalm der Alpinteressentschaft Tarrenton.
So almbegeistert Jürgen ist – ohne seine Familie würde er nicht auf die Alm gehen: „Da würde ich meine Frau und die Kinder den Sommer über ja viel zu selten sehen." Aber von Zuhausebleiben ist ohnedies keine Rede. Auch Manuela, Maximilian und Moritz freuen sich schon darauf, wenn es wieder Richtung Alm geht. Und Flynn, der heuer das Hüten noch perfektionieren muss, ist sowieso schon ganz aus dem Häuschen.

Foto: Almbegeisterte Familie: Jürgen, Manuela, Moritz und Maximilian


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