Almgeschichten – Folge 1: Almkurs im Home-Office

Es ist schon Tradition, dass die Tiroler Autorin Irene Prugger über den ganzen Sommer wöchentlich eine „Almgeschichte“ exklusiv für die Tiroler BauernZeitung schreibt. Den Anfang macht heuer ein Bericht über die Almwirtschaftskurse.

11.06.2020


Die meisten Almwirtschaftskurse fallen heuer aus. Almneulinge und Sennerei-Anfänger müssen sich dennoch zu helfen wissen. Die Almserie 2020 mit dem „C-Wort" beginnen, das schon niemand mehr hören oder lesen kann, weil es einen überall verfolgt und jeder auch die Folgen zu spüren bekommt? Ganz lässt es sich leider auch hier nicht vermeiden.
Ich wollte diese Serie nämlich mit Absolventinnen und Absolventen der Almwirtschaftskurse des LFI (Ländliches Fortbildungsinstitut) eröffnen und von ihren Plänen und Vorstellungen, ihren Wünschen und Hoffnungen berichten und natürlich auch darüber, was sie gelernt haben bzw. wie ihnen das erworbene Wissen im Alm-Alltag weiterhilft. Aber dann kam es anders, alle wichtigen Almkurse des Projektes „Bildungsoffensive Almwirtschaft" mussten wegen der Coronakrise abgesagt werden. So zum Beispiel der achttägige Almsenner-Grundkurs in Rotholz bzw. in der Wildschönau, der fünftägige Grundkurs für Hirten und Almpersonal in St. Johann i. T., der zweitägige Milchverarbeitungskurs für fortgeschrittene AlmsennerInnen in Imst und ein halbtägiger Sensenmähkurs für Anfänger in Volders (Lachhof).

Sitzfleisch und Konzentration
Die Käseherstellung, der Umgang mit dem Vieh und das Sensenmähen lassen sich nun einmal nicht digital im Home-Office vermitteln, die angemeldeten Kursteilnehmer (es wären wieder sowohl etliche Anfänger als auch Fortgeschrittene dabei gewesen), werden sich anders zu helfen wissen müssen. Dipl.-Ing. Thomas Lorenz, Bildungsreferent der Landwirtschaftskammer Tirol, bemühte sich, zumindest ein Seminar mit viel theoretischen Inputs per Fernkurs zu organisieren, und so konnte mit großer Unterstützung der Experten der HBLFA Tirol das kurzfristig auf die Beine gestellte Webinar „Hygieneschulung für die Verarbeitung von Almmilch" am 8. Mai 2020 mit 46 Teilnehmenden realisiert werden. Thomas Lorenz: „Wir hatten ein bisschen Sorge, weil es heißt, die Aufmerksamkeitsspanne übers Internet beträgt nur etwa zwei Stunden, aber damit die Schulung auch gültig ist, mussten alle erforderlichen Lehrbeiträge besprochen und bearbeitet werden. Und siehe da, Hut ab, die Leute bewiesen Sitzfleisch und Konzentration, waren sechs Stunden zu Hause am PC und haben die Schulung detailliert und aufmerksam im Internet mitverfolgt. Ich bin überzeugt, sie haben dabei trotz der ungewöhnlichen Umstände viel Wichtiges für die Praxis lernen können."

Dazulernen muss man immer
Die vollmotivierte Almbäuerin Andrea Friedle aus Häselgehr wäre eine der Fixstarterinnen für den Almsenner-Kurs gewesen. Sie hat heuer zum ersten Mal die Alpe Kaisers im Tiroler Lechtal gepachtet, die der Agrargemeinschaft Pians (Bezirk Landeck), gehört. Für Andrea Friedle, die von ihren zwei erwachsenen Kindern Daniel (22) und Lisa (20) bei der Almarbeit unterstützt wird, geht damit ein Wunschtraum in Erfüllung, denn sie ist nun auch hauptverantwortlich für die Milchverarbeitung und für die Almsennerei. „Ich habe 23 Jahre jeden Sommer auf der Sulzlalm im Lechtal gearbeitet, aber dort gibt es keine Sennerei und ich wollte immer schon Käse selber machen." Der Almsennerkurs wäre ihr deshalb sehr gelegen gekommen. Zwar sammelte sie bereits in der Sennerei Warth ein halbes Jahr lang Erfahrung im Käsen, „aber zu lernen gibt es immer noch etwas."
Andrea fing die Saison auf ihrer neuen Alm trotzdem unerschrocken an, krempelte die Ärmel hoch und informierte sich im Vorfeld intensiv über ihre neue Hauptaufgabe: „Ich habe mir Rat bei alten Sennern geholt und schaute mir im Internet auf You Tube viele informative Beiträge über Milchverarbeitung und Käsen an. Ich absolvierte damit sozusagen einen Heimkurs, der mich hoffentlich auch weiterbringt. Ansonsten vertraue ich auf meinen Instinkt. Ich bin ein Naturmensch und habe viel Gefühl, das beim Käsen sehr wichtig ist." Sie hat sich für diese Saison viel vorgenommen, denn sie will ihren Käse ja auch unter die Leute bringen. „Ein Käsefest mit speziellen Almkäsegerichten zum Beispiel würde mir gefallen!" Almkäse, Bachensteiner Käse, Joghurt, Topfen und Butter wird sie erzeugen. Ob alles gelingen und gutgehen wird? Wir werden nachfragen, im Herbst, und im Rahmen dieser Serie Bericht erstatten.

Fotos:
Auch für das alte traditionelle Almhandwerk gibt es Interessenten (hier ein Sensenmähkurs).

Beim Almsennerkurs besonders wertvoll sind die Praxistage direkt auf dem Almbetrieb (hier mit Käsermeister Thomas Thaler).

Alpe Kaisers: Käserei-Neuling Andrea Friedle (Mitte) mit Daniel, Lisa und Hund Findus

Auch das Zäunen auf der Alm will gelernt sein (Trainer Peter Altenberger im Einsatz beim Grundkurs für Hirten und Almpersonal)


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