Steigendes Klimarisiko fordert Tiroler Erwerbsobstbauern heraus

Einen Einblick in das Obstjahr 2020 gibt Ök.-Rätin DI Regina Norz, Obfrau von TirolObst, dem Fachverband der Tiroler Erwerbsobstbauern.

11.06.2020


TBZ: Frau Norz, wie schätzen Sie die aktuelle Situation des Tiroler Obstbaus ein?

NORZ: Wir sind grundsätzlich gut aufgestellt. Die Vielfalt sowie der Zeitraum, in dem wir unser heimisches Obst anbieten können, haben zugenommen. Grund dafür sind der geschützte Anbau, die ideale Sortenwahl sowie beste Lagertechnik.

Abgesehen von der Coronakrise, wie fällt die Bilanz der Obstbauern bisher aus?
NORZ: Problematisch war die lange Frostperiode im Frühjahr, die in drei Wellen verlief. Die Frostnächte verlangten vollen Einsatz zur Erntesicherung. Die Tiroler Erwerbsobstbauern haben in den vergangenen Jahren viel in Erntesicherungsmaßnahmen investiert. Dennoch hat der Frostschutz seine Grenzen bei empfindlichen Obstkulturen, bei zu tiefen Temperaturen, bei Wind usw. Wir verzeichnen die ganze Bandbreite, vom Vollertrag bis zum Ausfall einzelner Kulturen oder frostbedingten kosmetischen Fruchtschäden, die aber gut zur weiteren Verarbeitung geeignet sind. Wir bemühen uns, die Ernte möglichst zu schützen und in Menge und Qualität zu erhalten – die Wirtschaftlichkeit jeder Maßnahme muss aber gegeben bleiben.

In welchem Ausmaß hatte die Coronakrise Einfluss auf den Obstbau?
NORZ: In der Direktvermarktung stieg die Nachfrage nach heimischen Produkten stark an. Ich denke, dass das Regionalitätsbewusstsein zugenommen hat. Die Krise hat das Vertrauen vieler Konsumenten in die heimischen Versorgungskreisläufe aufgezeigt.

Sie gelten als Verfechterin der verpflichtenden Herkunftskennzeichnung von Lebensmitteln.
NORZ: Die Gründe dafür sind vielfältig. Neben der sicheren Lebensmittelqualität ist ein wichtiger Aspekt der Umwelt- und Klimaschutz. Mit unserer heimischen Obstproduktion garantieren wir nicht nur einen wichtigen Teil der Versorgungssicherheit im Land, sondern auch eine verantwortungsvolle Lebensmittelproduktion. Unsere Arbeit mit der Natur ist ein Beitrag zum Klimaschutz, das zeigt sich mit jedem CO2-bindenden Obstbaum auf einem dauerbegrünten Boden und mit jedem eingesparten Transportkilometer. Auch die regionale Artenvielfalt atmet in unseren Obstgärten auf. Vögel und Insekten leben in unseren Bäumen und Sträuchern – somit schaffen wir einen reichhaltigen Lebensraum. Eine intakte Umwelt kann man nicht importieren, man muss sie vor Ort schaffen.

Vor welchen Herausforderungen steht der Tiroler Obstbau derzeit?
NORZ: Im Obstbau kann es schnell heißen: alles oder nichts. Ein Schadereignis kann die Ernte eines Jahres vernichten, aus diesem Grund stellt der Klimawandel für uns eine besondere Herausforderung dar. Wir beobachten das steigende Klimarisiko schon seit Jahren mit Sorge. Die warmen Winter führen zu verfrühter Knospenentwicklung um durchschnittlich zwei bis drei Wochen. Dadurch nimmt auch der Zeitraum zu, in dem das Risiko durch Spätfrost besteht. Auch die immer länger dauernden Dürreperioden, wechselnd mit Starkregen und Hagel, bereiten uns Schwierigkeiten und ziehen hohe Investitionen für den Witterungsschutz nach sich. Nachgewiesenermaßen nahmen die Schadensereignisse in den letzten Jahren zu und werden es wahrscheinlich auch weiterhin tun. Ein anderer Faktor sind neue Schädlinge, die sich aufgrund des veränderten Klimas nun bei uns heimisch fühlen. All diese Faktoren verlangen Schutzmaßnahmen für die Pflanzengesundheit. Am Markt kann sich nur makellose Ware behaupten.

Die Einreise von Saisonniers während der Coronakrise entfachte heftige Diskussionen.
NORZ: Eine professionelle Lebensmittelproduktion braucht planbare Rahmenbedingungen. Diese Voraussetzung brachte uns in der Coronakrise in Bedrängnis, da die Einreise unserer langjährigen Saisonniers ungewiss war. Diese Schlüsselarbeitskräfte braucht es über die ganze Saison, angefangen von Pflege- und Kulturführungsmaßnahmen bis hin zur Erntelogistik. Zwar haben sich Freiwillige über die Plattform „dielebensmittelhelfer" gemeldet, die wenigen geeigneten Personen standen aber nur für einen begrenzten Zeitraum zur Verfügung und konnten somit das Problem im gesamten Umfang nicht lösen. Ideal war die Initiative aber durchaus, um Bewusstsein für die Arbeit der Saisonniers und die Spezialkulturen im Generellen zu schaffen.

Gibt es immer noch Probleme bei der Einreise der Saisonniers?
NORZ: Es bedurfte eines enormen Einsatzes, um die Einreisebestimmungen für Schlüsselarbeitskräfte in der Land- und Forstwirtschaft zu ändern. Inzwischen funktioniert die Einreise großteils durch eine klare gesetzliche Regelung inklusive umfassender gesundheitsbehördlichen Maßnahmen.


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