Geisler und Raggl an Handel: Schluss mit klimaschädlichen Preisschlachten

Der Bauernbund fordert einen „Green Deal“ vom Handel

13.02.2020


„Nimmt der Handel Klimaschutz ernst, muss er österreichischen Lebensmitteln mehr Wertschätzung beimessen. Es ist nicht zu erklären, dass Handelsketten Kartoffel aus Ägypten, Fleisch aus Südamerika, Neuseeland oder gar Afrika, oder Gemüse aus Fernost Vorrang geben und mit unfairen und unmoralischen Preisschlachten dann noch den Strukturwandel in der heimischen Landwirtschaft befeuern. Diese „Geiz ist geil" Mentalität in der Preisgestaltung muss endlich durch den neuen ökosozialen Grundkonsens des 21. Jahrhunderts ersetzt werden. Alles andere entspricht nicht mehr den Wünschen der Gesellschaft. Einzelne Handelsketten haben den Ernst der Lage bereits erkannt und eingelenkt, andere bleiben bei ihrer Strategie: Egal woher, Hauptsache billig", so der Österreichische Bauernbund unisono mit den neun Länderorganisationen.

Preisschlachten schädigen Klima, Bauern und Verarbeiter
Der Internationale Lebensmittel-Nachhaltigkeits-Index reiht insgesamt 67 Länder aus der ganzen Welt gemäß ihrer Nachhaltigkeit des Lebensmittelsystems. Österreichs Landwirtschaft belegt demnach den sensationellen ersten Platz. „Wir produzieren hier in Tirol die weltweit hochwertigsten, sichersten und nachhaltigsten Lebensmittel, die bei Einheimischen wie Gästen gleichermaßen beliebt sind und trotzdem wird unser Essen immer wieder von Handelsketten zu Dumpingpreisen verschleudert. Das passt nicht zusammen. Das entspricht weder unserer Zeit, noch den aktuellen politischen Zielen. Diese Preisschlachten killen Klima, Bauern und Verarbeiter", bringen Bauernbundobmann LHStv. Josef Geisler und Bauernbunddirektor BR Dr. Peter Raggl den Sachverhalt auf den Punkt. In kaum einem anderen Land gibt es so viele Rabatt-Aktionen bei Lebensmitteln wie in Österreich. Die Folge dieser unfairen und unmoralischen Angebote sind unterdurchschnittlich niedrige Haushaltsausgaben für Lebensmittel pro Kopf. Laut Eurostat weist Österreich mit nur 9,7 Prozent EU-weit die viertniedrigsten Ausgaben für Lebensmittel auf.

Nachhaltigkeitskampagnen müssen jetzt Taten folgen
Nach zwei Dürrejahren sind viele landwirtschaftliche Betriebe auf eine rasche Verbesserung ihrer Einkommenssituation angewiesen. Auch Produktions- und Verarbeitungskosten steigen ständig. Das alles befeuert den Strukturwandel in der Landwirtschaft massiv. Viele Bauern müssen ihre Höfe für immer zusperren. Nur wenn Bauern, Verarbeiter und Handel gemeinsam dem Struktur- und Klimawandel entgegentreten, kann sich was ändern. Alleine werden österreichische Bauernfamilien diese Mammutaufgaben nicht stemmen können. „Während es vor einiger Zeit hauptsächlich Bäuerinnen und Bauern waren, die die Zusammenhänge hinter solchen Angeboten schnell analysiert und Produktionsbedingungen, Tierwohlstandards, Transport und Herkunft hinterfragt haben, so sind es mittlerweile sehr viele Konsumenten, die genau wissen wollen, woher ihr Essen kommt", meint Bauernbunddirektor BR Dr. Peter Raggl. „Es ist an der Zeit, dass der Handel die Zeichen der Zeit erkennt und unsere kleinstrukturierte Berglandwirtschaft nicht nur für Werbezwecke verwendet, sondern wirklich das verkauft, womit er wirbt – nämlich unsere hochwertigen heimischen Erzeugnisse. Wir lassen die Bauernfamilien mit den Herausforderungen sicher nicht alleine. Ich verlasse mich hier auch auf unsere Handelspartner und fordere ein Entgegenkommen. Eine angemessene monetäre Abgeltung für österreichische Qualitätsprodukte ist höchst an der Zeit", fordert Bauernbundobmann LHSTv. Josef Geisler die Lebensmitteleinzelhändler auf, bei der Preisgestaltung rasch umzudenken.

Bauernbund fordert „Green Deal" mit Handel
Die EU-Kommission will mit dem „Europäischen Green Deal" Europa in den kommenden Jahren sauberer, nachhaltiger und grüner machen. Das bedeutet auch für die Landwirtschaft, dass neue Maßnahmen zum Schutz des Klimas eingeführt werden, wie etwa die Reduktion von Pflanzenschutzmitteln und insgesamt weniger CO2-Ausstoß. Investitionen und höhere Auflagen sind die Konsequenz. Diese Politik muss auch der Handel mittragen. Diese Zielsetzungen kosten den Bauern viel Geld.


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