Christoph Walser: Das WK-Wahlrecht nützen

Nicht wenige Tiroler Bauern sind auch Mitglieder der Wirtschaftskammer. Daher betrifft sie auch die Wirtschaftskammerwahl, die in diesen Wochen abgehalten wird. Die BauernZeitung sprach aus diesem Anlass mit Wirtschaftskammerpräsident Christoph Walser.

13.02.2020


Herr Präsident, warum sollen die Mitglieder der Wirtschaftskammer zur Wahl gehen?

WALSER: Es ist für uns als Interessenvertretung und Sozialpartner entscheidend, dass die Mitglieder ihr Wahlrecht ausüben, weil das für die Legitimation der Wirtschaftskammer wichtig ist. Es ist ein großes Glück, dass wir in Österreich das System der Sozialpartnerschaft haben und sich die Unternehmer als Funktionäre in ihrer eigenen Interessenvertretung einbringen können und so die Wirtschaftskammer mitgestalten. Darum ist es auch für den Präsidenten wichtig, dass er gestärkt aus diesen Wahlen hervorgeht und auch eine entsprechende Wahlbeteiligung vorweisen kann, wenn er zum Beispiel mit Land und Bund verhandelt.
Welche Schwerpunkte haben Sie seit Ihrem Amtsanstritt im November 2018 gesetzt?
Mir war von Anfang an wichtig, einen direkten Draht zu den Unternehmern zu bekommen. Die Probleme der ganz unterschiedlichen Unternehmen kann man am besten mitfühlen, wenn man vor Ort ist. Darum habe ich in dieser Zeit über 250 Betriebsbesuche im ganzen Land absolviert und darauf geschaut, sowohl zu ganz kleinen als auch zu großen Unternehmen zu kommen. Wir haben versucht, viele Anregungen, die wir aus diesen Besuchen mitgenommen haben, im Regierungsprogramm unterzubringen. Da ist uns gemeinsam mit der Wirtschaftskammer Österreich einiges gelungen. Diese Bezirkstouren werde ich auch heuer fortsetzen.
Wo drückt die Tiroler Unternehmer der Schuh?
Die größten Probleme sind – quer durch alle Bezirke und Branchen – der Fachkräftemangel, die Lohnnebenkosten und die Steuerbelastung. Auch die Bürokratie ist immer ein Thema, zum Beispiel bei Übergaben von Unternehmen oder bei Neu- und Umbauten. Positiv habe ich mitgenommen, dass aufgrund des Fachkräftemangels die Lehrausbildung wieder einen höhreren Stellenwert bekommen hat. Es ist mir persönlich ein großes Anliegen. die Lehre ins Zentrum der Wirtschaft zu rücken. Wir hatten jahrelang sinkende Lehrlingszahlen und konnten den Trend nun umdrehen. Lehre muss wieder etwas Tolles sein, auf das man stolz sein kann. Dazu wird es heuer auch erstmals einen Lehrlingsball geben, um die Wertschätzung der Lehrlinge zu unterstreichen.
Das Thema Lehre steht also weiterhin ganz oben?
Ja, wir wollen dem Fachkräftemangel weiter intensiv entgegenwirken, einerseits durch die Aufwertung der Lehre, andererseits, indem wir ausländische Fachkräfte nach Österreich bringen. Ein weiteres Thema ist der Verkehr, bei dem die Wirtschaft mit zahlreichen Verboten zu kämpfen hat. Da müssen wir auch auf europäischer Ebene mit dem Ausbau der Infrastruktur, wie z. B. von Verladeterminals, generell bei der Verlagerung von der Straße auf die Schiene weiterkommen. In dem Zusammenhang ist auch der Ausbau von alternativen Antriebsarten, vor allem Wasserstoff, ein entscheidender Faktor. Weiters wollen wir die Digitalisierung in den kleinen Betrieben vorantreiben.
Welche Schwerpunkte werden in den drei Säulen der Wirtschaftskammer – Bildung, Service und Interessenvertretung – gesetzt?
Im Bildungsbereich sind wir mit dem WIFI sehr gut aufgestellt, dazu kommen noch das Bildungsconsulting und die Bildungsabteilung. Ziel ist eine noch intensivere Kooperation mit den Schulen, um dort schon frühzeitig die Lehre vorstellen zu können. Mir war auch wichtig, einen eigenen Lehrlingskoordinator einzusetzen, der als zentrale Ansprechperson alle Aktivitäten im Zusammenhang mit der Lehre bündelt.
Der Servicebereich wird von den Unternehmen, vor allem den kleineren, teilweise zuwenig genutzt. Darum haben wir neu das „Handbuch der Unternehmer" herausgegeben, in dem 160 Serviceangebote vorgestellt werden. Und schließlich können wir auf unsere qualifizierten Mitarbeiter im Haus stolz sein. Eine gute Wirtschaftskammer lebt von guten Mitarbeitern.
Die Interessenvertretung ist wohl der Hauptpunkt, vor allem was meine Person betrifft – also die Themen, die uns bewegen, gegenüber der Politik zu vertreten. Da braucht es klare Positionen, damit langfristiges Unternehmertum in Tirol möglich ist.
Wo sind die größten Berührungspunkte von Wirtschaft und Landwirschaft, wie ist generell das Verhältnis?
Im Wort Landwirtschaft steckt ja das Wort Wirtschaft, und damit ist die Verbindung schon im Namen gegeben. Auch in der heutigen Landwirtschaft sind die Probleme sehr ähnlich wie in der übrigen Wirtschaft, daher gibt es in vielen Bereichen Überschneidungen. Allein deswegen ist eine Kooperation wichtig. Der Draht zwischen Landwirtschaftskammer und Wirtschaftskammer ist sehr gut, auch mein persönliches Verhältnis zu Präsident Josef Hechenberger ist sehr freundschaftlich, das ist ein großer Vorteil.
Wirtschaft und Landwirtschaft haben gerade in der Raumordnung sehr ähnliche Themen. Einerseits braucht es die Erhaltung des Freilandes, damit die Landwirtschaft die regionale Versorgung sicherstellen kann, andererseits braucht die Wirtschaft Flächen, um sich weiterzuentwickeln.
Ein wichtiges Thema ist die Regionalität. Wir sind da in einem guten Austausch, auch über die Agrarmarketing Tirol. Wir können auf den Tourismus in Tirol stolz sein. Wir haben viele Top-Betriebe, die auch erkannt haben, dass man mit regionalen Produkten super Qualität bieten kann.
Ihr persönlicher Arbeits- und Führungsstil?
Grundsätzlich bin ich ein Typ, der gerne etwas entscheidet. Das verlangen wir auch von der Politik, dass entschieden wird und man sich nicht hinter Verfahren versteckt, sondern klare Ansagen macht. Wichtig ist mir, bodenständig zu bleiben und mit den Unternehmern auf Augenhöhe zu diskutieren – da helfen mir auch meine Tätigkeiten als Unternehmer und Bürgermeister sehr. Dazu braucht es Teamwork, ein Grundvertrauen in die Mitspieler, ob Funktionär oder Mitarbeiter, verbunden mit einer Wertschätzung.
Danke für das Gespräch!

Ein Hinweis: Wählen Sie ganz einfach von zu Hause aus mit der Wahlkarte (bis 28. 2.), in Ihrer Bezirksstelle oder am 4./5. März in Ihrem Wahllokal. Nähere Informationen unter www.wkwahl.tirol


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