Alles spricht für die Herkunftskennzeichnung

Die Zukunft der Almwirtschaft stand im Mittelpunkt der Fachtagung „Berg & Wirtschaft“ vergangene Woche an der Tourismusschule Villa Blanka in Innsbruck. Das Ökosoziale Forum lud im Rahmen der Wintertagung Experten, Touristiker und Landwirte zum Erfahrungs- und Meinungsaustausch.

06.02.2020


LHStv. Bauernbundobmann Josef Geisler forderte eine stärkere Wertschöpfung für Almprodukte. Das Miteinander von Tourismus und Landwirtschaft wurde mit dem Kuhurteil auf eine harte Probe gestellt. Trotzdem ist die Landwirtschaft weiterhin zu einem Miteinander bereit. Eine Leistung braucht aber auch eine Gegenleistung, appellierte Geisler an die Tourismuswirtschaft, verstärkt auf heimische Lebensmittel zu setzen.

Brunschmid: Gesellschaftlicher Klimawandel notwendig
Höchst unzufrieden mit dem Absatz von Tiroler Qualitätsfleisch zeigte sich LK-Vizepräsidentin Helga Brunschmid. Angesichts von 750.000 Einwohnern und 50 Millionen Gästenächtigungen könne man mit dem Verkauf von 400 Grauvieh Almochsen, 450 Almrindern, 209 Kitzei und 800 Berglämmern im Jahr nicht zufrieden sein. Regionale Lebensmittel brauchen einen höheren Stellenwert, dazu ist ein gesellschaftlicher Klimawandel erforderlich, so Brunschmid.
Tourismusforscherin Theresa Mitterer-Leitner vom MCI beleuchtete die Relevanz der Almwirtschaft für die Tourismus- und Freizeitwirtschaft. Besondere Herausforderungen sind Unwissenheit und Unverständnis für die Almwirtschaft und deren Abläufe, ein Fehlverhalten der Nutzer, Haftungsfragen und sinkende Rentabilität. Ihr Fazit: Eine intakte Almwirtschaft ist die Grundlage des touristischen Erfolgs in Tirol und der hohen Lebensqualität der Einheimischen. Almwirtschaft und Tourismus sind ideale Partner für eine nachhaltige Entwicklung in Tirol. Es braucht dafür eine Grundhaltung, welche die Ansprüche und Bedürfnisse der Almwirtschaft in den Vordergrund stellt. Almwirtschaft geht vor Freizeitwirtschaft!
Laut Hannes Fankhauser, Sektionschef im Landwirtschaftsministerium, das auch für den Tourismus zuständig ist, soll gemäß „Masterplan für Tourismus" Österreich als Kulinarik-Destination ausgebaut werden. Dazu gehört eine nachvollziehbare Herkunft der Lebensmittel, verbunden mit einer höheren Wertschätzung. Das geht nur mit Ehrlichkeit und Transparenz, die Herkunftskennzeichnung der Lebensmittel ist daher auch ein Schwerpunkt im aktuellen Regierungsprogramm. Für Almprodukte soll es demnächst ein eigenes bundesweites Label und ein einheitliches Marketing geben.
Lokal, regional und dann egal? Mit dieser provokanten Fragestellung warnte Dr. Thomas Guggenberger von der HBLFA Raumberg-Gumpenstein davor, den Regionalitätsbegriff zu eng zu sehen. Das Berggebiet kann die Bevölkerung in ihrem Einzugsgebiet nicht ernähren, sehr wohl kann das aber die Landwirtschaft österreichweit. Guggenberger rief die Gastronomie dazu auf, regionale Leitprodukte zu verwenden und bei den übrigen Lebensmitteln auf österreichische Qualität zu setzen. Nur eine bewirtschaftete Kulturlandschaft bleibt erhalten, die Bewirtschaftung ist nur über Qualitätsprodukte möglich. Unerlässlich ist es aber, die Pfade der Beschaffung von Rohprodukten zu kennzeichnen.

Das Märchen von den zu teuren heimischen Lebensmitteln
Der Ennstaler Bergbauer Hannes Royer, Obmann des Vereins „Land schafft Leben", rief dazu auf, in der Gastronomie nach der Herkunft der Produkte zu fragen. 4 Millionen Mittagessen werden in Österreich täglich außer Haus eingenommen, und niemand weiß, woher die Lebensmittel in der Gemeinschaftsverpflegung und in der Gastronomie kommen. Dabei wäre eine Herkunftskennzeichnung ein absoluter Wettbewerbsvorteil für die Gastronomie. Hannes Royer räumte auch mit dem Märchen von den zu teuren heimischen Lebensmitteln auf. Umgerechnet auf das fertige Gericht beträgt der Preisunterschied zwischen österreichischem und importiertem Fleisch beim Schwein 10 Cent, bei Rind 20 Cent, bei Huhn 50 Cent und bei Pute 70 Cent. Wenn wir den Konsumenten die Wahrheit kommunizieren, ändert sich die Welt sehr schnell, ist Royer überzeugt. Auch wenn sich die Gastronomie noch heftig gegen die Kennzeichnungspflicht wehrt, geht für Royer der Zug eindeutig in diese Richtung.

Hohe Qualität als Wettbewerbsvorteil
Unterstützung in diese Richtung gab es auch von Katharina Maierhofer vom Landwirtschaftsministerium. 68 Prozeht der Österreicher wollen in Kantinen und Co. wissen, woher die Lebensmittel kommen. Drei von vier Österreichern wünschen sich eine Ausweitung des Angebotes an regionalen Produkten bzw. Zutaten in der Gastronomie. Die hohe Qualität heimischer Lebensmittel könne als Wettbewerbsvorteil und zur Verbesserung von Marktposition und Ertragskraft dienen, so die Ernährungsexpertin. Mit der Kennzeichnung regionaler Lebensmittel lässt sich eine zusätzliche Wertschöpfung von 10 bis 20 Prozent erzielen.
Wenn sich auch die Zahl der Touristiker bei der Veranstaltung in Grenzen gehalten hat, so lässt zumindest die Teilnahme der Tourismusschüler hoffen, dass die Botschaften der Experten letztendlich die richtigen Adressaten erreichen. Es wäre auch im Interesse von Gastronomie und Tourismus.

Foto: Referenten/-innen des Fachtages mit LK-Vizepräsidentin Helga Brunschmid und Bundesbäuerin Andrea Schwarzmann.


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