Herdenschutz in Tirol nur teilweise und sehr aufwändig machbar

In Tirol gibt es knapp 400 Almen, auf die im Sommer rund 68.000 Schafe aufgetrieben werden. 2019 wurden 18 dieser Tiere Opfer der Beutegreifer Wolf und Bär, 40 weitere wurden entschädigt. Rufe nach Wolfsabschuss und Herdenschutz wurden laut. Als erste Maßnahme hat das Land Tirol aus diesem Grund eine Machbarkeitsstudie zum Herdenschutz in Auftrag gegeben, die vergangenen Donnerstag präsentiert wurde.

23.01.2020

 

Aus den Augen, aus dem Sinn: Auf den Dauerbrenner Wolf trifft das nicht zu. Während der Wintermonate, in denen der Beutegreifer nur für wenige Schlagzeilen sorgte, arbeiteten Herdenschutzexperten, bei denen das Land Tirol eine Machbarkeitsstudie zu Herdenschutzmaßnahmen in Auftrag gegeben hatte, an der Vollendung ihrer Forschung. Vergangene Woche wurden die Ergebnisse präsentiert.
Daniel Mettler von der Schweizer landwirtschaftlichen Kompetenzzentrale Agridea und der Tiroler Simon Moser vom Büro Alpe untersuchten vier strukturell unterschiedliche Almen im Oberland und in Osttirol, die teilweise touristisch stark frequentiert und hochalpin gelegen sind. Zu ihnen gehören die Verwall-Alm in St. Anton, die Hühnerspiel-Alm in Osttirol, die Umhausener Schafalm im Ötztal und die Seeben-Alm mit der dazugehörigen Vorweide in Mieming. Die Studie zeigte, wie verschieden die Gegebenheiten auf Tirols Almen und somit auch die Möglichkeiten des Herdenschutzes sind.

Gegebenheiten zu verschieden für einheitliches Ergebnis
Krasse Gegensätze bildeten beispielsweise die Umhausener Schafalm im Ötztal und die Hühnerspiel-Alm in Osttirol. Während die ohnehin durch einen 90 cm hohen Zaun geschützte Hühnerspiel-Alm durch Optimierung zu einer Vorzeige-Herdenschutzalm werden könnte, würde ein Wolfsvorfall auf der Umhausener Schafalm unumgänglich zur Bewirtschaftungsaufgabe führen – das unwegsame Gelände lässt keinen Herdenschutz zu.
Das Fazit der Studie: Maßnahmen gegen den Wolf sind, falls topographisch überhaupt möglich, mit einem erheblichen finanziellen Aufwand verbunden, der aus der Landwirtschaft heraus nicht zu erwirtschaften ist. Die Kosten liegen je nach Voraussetzungen und Maßnahmen zwischen elf und 80 Euro pro Schaf.

Versuchen, rechtliche Möglichkeiten auszuschöpfen
Dennoch sind Zäune, Schutzhunde und Hirten derzeit die einzige Möglichkeit, um Nutztierherden rechtskonform vor den großen Raubtieren, die durch EU-Richtlinien und die Berner Konvention gedeckt sind, zu schützen. „Wir können EU-Recht nicht aushebeln und werden nicht umhinkommen, uns auch in Tirol mit dem Thema Herdenschutz intensiver zu befassen", rechnet LHStv. Josef Geisler trotz des Beschlusses des Dreierlandtages in absehbarer Zeit nicht mit einer europarechtlichen Anpassung zum Schutz der Nutztiere auf den Almen.
„Mithilfe der Machbarkeitsstudie möchten wir den Bauern keine Lösung präsentieren, aber zumindest den ersten Schritt in Richtung eines legalen Wolfsmanagements machen und einen repräsentativen Überblick über die Schutzsituation auf den Tiroler Almen geben. Wir müssen, können und wollen im Herdenschutz nicht von Null auf Hundert kommen. Für alle jene, die erste Schritte in Richtung Herdenschutz unternehmen wollen, haben wir aber ein Maßnahmenpaket geschnürt." Daniel Mettler teilte seine Erfahrungen aus der Schweiz, die auf diesem Gebiet als Vorreiter gilt: „Herdenschutz funktioniert – in Kombination mit gezielten Abschüssen." Die Entnahme von Problemwölfen sieht auch Bauernbundobmann Geisler als unabdingbar für funktionierendes Wolfsmanagement und den Herdenschutz: „Wir müssen auf ausnahmslos allen Ebenen arbeiten, damit die Schafhaltung und die Almwirtschaft in Tirol Zukunft haben. Wir müssen alles dafür tun, dass unsere Schafalmen auch weiterhin bestoßen werden."

Pilotprojekte und Wolfs-App in Planung
Für die kommende Almsaison arbeitet man an einer Ausweitung der Landes-App, so Geisler. Zukünftig soll die Anwendung die Öffentlichkeit umgehend über eine anfällige Wolfspräsenz informieren. In ein bis zwei Almgebieten sollen zudem die gelenkte Weideführung und in weiterer Folge Herdenschutzmaßnahmen in einem Pilotprojekt mit Unterstützung des Landes ganz gezielt umgesetzt und erprobt werden. Welche Almen das sein werden, steht noch nicht fest. „Bewirtschaftern von Schafalmen, die sich für eine gezielte Weideführung interessieren, bieten wir Almbegehungen mit unseren Experten an", erläutert Geisler. Diese würden vor Ort auch die Machbarkeit von Herdenschutzmaßnahmen einschätzen


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