Tiroler Landwirtschaft 2020: Von B wie Borkenkäfer bis W wie Wolf

Der Jahreswechsel ist Anlass, Biland über das vergangene Jahr zu ziehen und einen Ausblick auf die kommenden Monate zu machen. Die Bauernzeitung hat Bauernbundobmann LHStv. Josef Geisler zum Interview gebeten.

09.01.2020


Bauernzeitung: Wie fällt die Bilanz über das vergangene Jahr aus?
GEISLER: Wie immer gibt es Licht und Schatten. Bei den Produktpreisen hatten wir an und für sich ein stabiles Jahr. Dass die Bäuerinnen und Bauern einen fairen Anteil von den Verkaufspreisen erhalten, ist aber ein Dauerthema. Hier müssen wir alle gemeinsam dranbleiben. In der Waldwirtschaft stellen uns die Folgen der Sturm- und Schneebruchkatastrophen vor wirklich große Herausforderungen. In Kombination mit den großen Mengen europäischen Borkenkäferholzes ist der Holzpreis in vielen Sortimenten im Keller. Und das wird sich aller Voraussicht nach auch nicht so schnell ändern. Ich bemühe mich auf allen Ebenen um größtmögliche Unterstützung für die Waldbesitzerinnen und -besitzer.

Der Trend hin zu regionalen Lebensmitteln ist da. Wie schaut es hier in Tirol aus?
Wir haben schon sehr früh angefangen, auf Regionalität zu setzen. Das macht sich bezahlt. Die Qualitätsprogramme der Agrarmarketing Tirol laufen sehr erfolgreich. Beim Fleisch, einem Produkt, bei dem wir mit regionalen Spezialitäten sowohl bei den Konsumenten als auch in der Gastronomie noch Luft nach oben haben, tut sich in der Produktion, in der Verarbeitung und in der Vermarktung einiges. Sowohl im Unter- als auch im Oberland gibt es derzeit Initiativen für die Erweiterung oder die Errichtung von Schlachtstätten.

Wie ist es um die Almwirtschaft bestellt?
Die Bedeutung der Almwirtschaft für Tirol ist völlig unbestritten. Nach dem Kuh-Urteil ist es mit einem umfassenden Maßnahmenpaket von Land und Bund gelungen, wieder Rechtssicherheit herzustellen und das Thema Eigenverantwortung auch gesetzlich zu verankern. Die Agrarmarketing Tirol wurde heuer in die Lebensraum Tirol Holding integriert. Diese hat den Auftrag, sich dem Thema Alm und speziell auch den Almprodukten zu widmen. Den besonderen Wert der Almprodukte betont auch das neue Gütesiegel „Von der Alm", das vom Almwirtschaftsverein initiiert wurde.

Es gab 2019 einige Wolfsrisse auf den heimischen Almen.
Die Rückkehr der großen Beutegreifer ist ein echtes Problem für die Tiroler Almwirtschaft. 2019 haben wir im Zusammenhang mit Wolf und Bär 58 Schafe entschädigt. Im Verhältnis zu den über 67.000 aufgetrieben Schafen ist diese Zahl als geringfügig einzustufen. Darum geht es aber nicht. Es geht darum, dass die Schafbauern extrem verunsichert sind. Jeder Riss ist eine extreme emotionale Belastung. Wir alle wollen einen wolfsfreien Alpenraum. Diesen wird es – und so ehrlich müssen wir sein – aber nicht geben. Die EU-rechtlichen Rahmenbedingungen lassen das nicht zu, und das wird sich so schnell auch nicht ändern. Davor kann ich nicht die Augen verschließen. Derzeit haben wir es in Tirol mit durchziehenden Einzelwölfen, nicht mit einer dauernden Wolfspräsenz zu tun. Für diese Situationen haben wir eine klare Vorgangsweise mit Rissbegutachtung, der Übernahme von Futterkosten bei vorzeitigem Almabtrieb und Entschädigungszahlungen für Tierverluste. Wir werden aber nicht umhinkommen, erste Schritte in Richtung Herdenschutz zu unternehmen und die gesellschaftspolitische Diskussion dazu zu führen. Selbst wenn Herdenschutz auf manchen Almen machbar ist, stellt sich die Frage, wer die Kosten trägt. Die Landwirtschaft kann es sicher nicht sein.

In einigen Talschaften Tirols gibt es keinen Tierarzt mehr. Wie sieht hier die Strategie des Landes aus?
Unser Ziel ist die Sicherung der flächendeckenden veterinärmedizinischen Versorgung in Tirol. Das ist wichtig für die Landwirtschaft, aber auch für die Bevölkerung. Dass wir in nächster Zeit genügend Tierärztinnen und Tierärzte von der Veterinärmedizinischen Uni in Wien bekommen, die auch auf dem Land praktizieren, ist nicht absehbar, auch wenn die VetMed Wien jetzt ein Ausbildungsmodul am Ende des Studiums in Innsbruck durchführt. Deshalb haben wir eine Machbarkeitsstudie für die Etablierung eines veterinärmedizinischen Studiums in Tirol in Auftrag gegeben. Als Standort würde sich die HBLFA Kematen, die im Herbst dieses Jahres frei wird, geradezu anbieten. Die Machbarkeitsstudie wird in den nächsten Monaten fertiggestellt, dann folgen die nächsten Schritte, und auch die Tür für Kooperationen mit der Wiener Uni bleibt offen.

Die neue EU-Kommission hat vor etwas mehr als einem Monat ihre Arbeit aufgenommen. Der Brexit steht noch bevor. Wie geht es auf EU-Ebene weiter?
Hier ist tatsächlich noch vieles offen. Klar ist, dass die zweite Säule der Gemeinsamen Agrarpolitik für Tirol unverzichtbar ist. Jeder Euro aus dem EU-Topf weniger würde uns ins Mark treffen. Das haben wir auch in den Regierungsverhandlungen auf Bundesebene und bei unserem starken Team in Brüssel deponiert.

Die mit zwei Millionen Euro dotierte Tierwohl- und Nachhaltigkeits-Initiative des Landes wird weitergeführt. Wie sind die bisherigen Erfahrungen?
Mit diesem Programm haben wir den Nagel auf den Kopf getroffen. Es wird sehr gut angenommen und der Budgetrahmen wurde bereits im ersten Jahr annähernd ausgeschöpft. Die Anforderungen von Vermarktungspartnern gehen teils über die tierschutzrechtlichen Bestimmungen hinaus. Über 140 Förderansuchen mit einem Investitionsvolumen von 4,8 Millionen Euro sind beim Land eingegangen, der Großteil davon aus den Bezirken Lienz, Landeck und Innsbruck-Land. Wir führen dieses Programm auch 2020 und 2021 weiter.

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