Nordamerika ist immer eine Reise wert

Der Osten Kanadas und der USA war das Ziel diesjährigen Studienreise des Tiroler Bauernbundes. 33 Interessierte aus fast allen Bezirken flogen Anfang November über den großen Teich, um einen groben Einblick in die nordamerikanische Landwirtschaft zu gewinnen und um die großen Metropolen Toronto und New York sowie das Naturwunder der Niagarafälle kennenzulernen.

19.12.2019


Obwohl nur acht Prozent der Fläche Kanadas landwirtschaftlich genutzt werden, ist Kanada einer der weltgrößten Exporteure landwirtschaftlicher Produkte. Hauptsächlich werden Getreide, Ölsaaten, Fleischprodukte und Lebendvieh exportiert. Die Milchwirtschaft konzentriert sich auf den Heimmarkt. Das Handelsabkommen CETA mit der EU wird daher von den Getreidebauern begrüßt, von den Milchbauern hingegen skeptisch beurteilt. Kanadische Landwirte müssen sich, wie ihre Kollegen in den USA, größtenteils ohne Direktzahlungen der Regierung auf den internationalen Märkten behaupten. Allerdings genießen Produkte, die für den Heimmarkt bestimmt sind, einen Schutz durch Importzölle.
Im Osten Kanadas sind die Farmen im Durchschnitt viel kleiner als im Westen des Landes. Eine bedeutende Rolle spielen in der Landwirtschaft des Bundesstaates Ontario die Mennoniten. Diese Nachkommen deutscher Auswanderer sprechen noch ihren ursprünglichen Dialekt und stehen der modernen Technik – zumindest der nicht landwirtschaftlichen – skeptisch gegenüber. Davon konnte sich die Reisegruppe auf der Farm von David Horst in der Nähe von Kitchener überzeugen, der 55 Jersey-Milchkühe hält und auf 43 Hektar neben Grünland Mais, Sojabohnen und Weizen anbaut. Der Milchpreis ist mit umgerechnet 61 Cent/kg einer der höchsten weltweit. Es gibt durch eine strikte Regelung von Angebot und Nachfrage keine Überproduktion mehr.

Von Ahornsirupproduktion ...
Ein Spezialprodukt der kanadischen Landwirtschaft konnte die Reisegruppe auf den White Meadows Farmen kennenlernen. Der Betrieb hat sich auf die Produktion von Ahornsirup aus dem eigenen Wald spezialisiert. Dazu werden Zuckerahornbäume ca. 5 cm tief angebohrt, der austretende Saft wird von Februar bis März mittels eines weitläufigen Schlauchsystems gesammelt. 40 Liter Saft braucht es für die Produktion von einem Liter Ahornsirup.
Ein weiteres Reiseziel war die Tullyfergus Angus Herde von Robert und Linda Groom in Lyons im Bundestaat New York. Auf dem spezialisierten Zucht- und Mastbetrieb werden rund 150 Kühe ganzjährig auf der Weide gehalten. Die Zuchtkühe werden zum Preis von 1.000 bis 2.380 Euro verkauft. Der Fleischpreis ist gegenüber dem Vorjahr stark gesunken und liegt bei zwei Euro/kg. Für die Mast werden Wachstumshormone verwendet. Sie sorgen laut Robert Groom für einen Wachstumsschub und beeinflussen Marmorierung und Qualität. Zur Verringerung von Pflanzenschutzmitteln wird gentechnisch verändertes Soja angebaut.

... bis zur Riesen-Milchfarm
Ganz andere Betriebsdimensionen erlebten die Tiroler auf der Willow Bend Farm der Familie Mueller in Clifton Springs im Bundesstaat New York kennen. Auf drei Standorten werden 4.750 Milchkühe und 3.900 Stück Jungvieh gehalten. Mit einem Stalldurchschnitt von rund 11.800 kg (für die Gegend eher unterdurchschnittlich) werden jährlich 57 Millionen kg Milch produziert. Das entspricht rund einem Viertel der von der Tirol Milch verarbeiteten Menge. Im November lag der Milchpreis bei umgerechnet 35,71 Cent (bei Produktionskosten von 31,75 Cent). Die Molkerei zieht bei Überlieferung 3,18 Cent/kg ab. Das hält John Mueller nicht davon ab, seinen Betrieb demnächst um weitere 3.000 Milchkühe aufzustocken, weil er mit einem steigenden Milchpreis rechnet. 20 Prozent der US-amerikanischen Milch wird exportiert. Leider nicht in die EU, bedauert Mueller.
Gemolken wird dreimal täglich, auf der Farm finden 85 Mexikaner Arbeit. Die Erstlingskühe werden zur besseren Aufnahme hormonbehandelt. Während der ersten drei Laktationen wird mit gesextem Sperma besamt, danach mit Fleischstieren. Tiere mit Klauenproblemen gibt es laut John Mueller nicht, die werden kurzerhand ausgemerzt. Ein kleiner Hoffnungsschimmer ist ein Umdenkprozess in der amerikanischen Gesellschaft. So wird das bisher übliche Kupieren der Kuhschwänze von den Konsumenten nicht mehr toleriert. Keines von John und Sally Muellers fünf Kindern hat übrigens Interesse, die Farm zu übernehmen.

Fotos:
Der Farmer Robert Groom aus dem US-Bundesstaat New York ist stolz auf seine Tullyfergus Angus Herde.

33 Interessierte aus fast allen Bezirken gewannen interessante Einblicke in die Kultur und Landwirtschaft Kanadas und der USA.

Die Mennoniten lehnen moderne Technik ab, Ausnahmen gibt es in der Landwirtschaft.

Auf der amerikanischen Willow Bend Farm wird fast so viel Milch erzeugt wie im ganzen Bezirk Kitzbühel.


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