Bodenverbrauch: Ländliche Räume intelligent nützen und schützen

Im Durchschnitt der letzten drei Jahre verschwanden täglich knapp zwölf Hektar Boden oder umgerechnet rund 20 Fußballfelder in Österreich unter Beton und Asphalt. In Tirol mussten im selben Zeitraum täglich 12.000 Quadratmeter Boden (in etwa zwei Fußballfelder) für Bauprojekte in Verkehr, Gewerbe, Industrie, Wohnbau etc. für immer weichen. Die Auswirkungen dieses exzessiven Bodenverbrauchs sind vielfältig und in den meisten Fällen irreparabel.

23.09.2019


Es kam auch im heurigen Jahr zu massiven Überschwemmungsschäden in fast allen Unterländer Gemeinden, die an den Inn grenzen. Auf einer Fläche von knapp 500 Hektar entstand durch Überschwemmung ein Gesamtschaden in der Landwirtschaft von rund zwei Millionen Euro. Kürzlich diskutierte LK Tirol-Präsident Josef Hechenberger mit Prof. Helmut­ Haber­sack von der Universität für Bodenkultur Wien, Kurt Weinberger, Vorstandsvorsitzender der Österreichischen Hagel­versicherung, und Nikolaus Zeindl, betroffener Landwirt aus Münster, über die Auswirkungen, die die rasante Verbauung Österreichs insbesondere auf die Landwirtschaft, jedoch auch auf die gesamte Bevölkerung hat.

Mit Boden verantwortungsvoll umgehen
„Mit unserem derzeitigen Bodenverbrauch verbauen wir wortwörtlich die Zukunft der nächsten Generationen. Wir verlieren dadurch unsere landwirtschaftliche Produktionsgrundlage und somit die Basis für eine gesicherte Versorgung mit hochwertigen heimischen Lebensmitteln. Außerdem verschlimmern wir durch die Flächenversiegelung die Auswirkungen des Klimawandels. Die Konsequenzen daraus werden jedes Jahr angesichts der immer häufiger auftretenden Wetterextreme deutlich. Daher brauchen wir dringend einen verantwortungsvolleren und sparsameren Umgang mit Grund und Boden", so LK-Präsident Josef Hechenberger.
Vielerorts wurden in Tirol Flächen, die die Wassermassen auffangen sollten, durch Verbauung versiegelt. Das hat direkte Auswirkungen auf die Hochwassergefahr. „Der zunehmende Verlust von Überflutungsflächen durch den extremen Bodenverbrauch in Österreich führt zu einer Verschärfung des Hochwasserrisikos. Es ist höchste Zeit, die Verbauung zu stoppen und die Überflutungsflächen zu erhalten oder zurückzugewinnen", so Helmut Habersack.

Leerstand nützen, Boden schützen
Kurt Weinberger fordert auch ein Umdenken im Umgang mit leerstehenden und verfallenden Immobilien in Österreich: „Wir müssen endlich begreifen, dass der Boden keine unendlich verfügbare Ressource ist. Aufgebraucht ist er für immer verloren. Unter dem Motto ‚Leer­stand nützen, Boden schützen' sollten wir beginnen, die vom Umweltbundsamt geschätzten 40.000 Hektar leerstehenden Immobilien in neue Nutzung zu bringen, bevor wir Äcker und Wiesen neu zubetonieren. Das schafft Arbeitsplätze, schont die Umwelt und spart wertvolle Böden, die wir und vielmehr unsere Kinder und unsere Kindeskinder noch dringend benötigen."

Schäden in der Landwirtschaft bedrohen Existenzen
Nikolaus Zeindl, selbst von der Überschwemmung betroffen, sieht eine Zunahme an Wetterextremereignissen auf die öster­reichische Landwirtschaft zukommen.
„Die Auswirkungen des Klima­wandels und des Bodenverbrauchs in Österreich zeigen sich bereits deutlich. Wir Landwirte bleiben mittlerweile kein Jahr von unterschiedlichsten Wetterextremen verschont. Ist es in einem Jahr die Dürre, die zu schaffen macht, ist es im nächsten Jahr beispielsweise eine Überschwemmung, die die Ernte vernichtet. Eine umfassende Risikovorsorge ist das eine, rasche Maßnahmen im Kampf gegen das oft selbst verschuldete Auftreten derartiger Extrem­ereignisse das andere", so Landwirt Zeindl.

Maßnahmenbündel notwendig
Im Kampf gegen zunehmende Wetterextreme wie Dürre oder Überschwemmung sind sich alle vier Diskutanten einig: „Wir müssen den Bodenverbrauch stoppen und damit auch einen Beitrag im Kampf gegen den Klima­wandel setzen. Nur so können wir die Auswirkungen des Klima­wandels noch in den Griff bekommen, damit auch zukünftige Generationen eine lebenswerte Umgebung vorfinden."


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