Almgeschichten – Folge 13: Wenn alles gutging, kaufte sie eine Holzkuh

Die 85-jährige Anna Zweibrot aus Kufstein arbeitete 39 Sommer als Almingerin.

12.09.2019



Ein Jahr auf der Alm fehlt mir noch, denn die 40 Almsommer hätte ich noch gern komplett gemacht", erzählt Anna Zweibrot aus Kufstein, die in diesem August 85 Jahre alt wurde und vor allem auf der Walleralm und Ackernalm gearbeitet hat. Und sie fügt am Telefon hinzu: „In den 39 Sommern auf der Alm hatte ich zum Glück nicht viel Aufregung, zu erzählen gibt es deshalb eigentlich gar nicht viel." Aber als wir uns dann doch auf einen netten „Hoangarscht" in ihrem Zuhause in Kufstein treffen, sprudelt es nur so aus ihr heraus. Sie hat eben doch viel erlebt auf der Alm, die Anna, auch viele lustige Sachen, und die Erinnerungen sind allgegenwärtig – zum Beispiel ihre ansehnliche Herde an geschnitzten Kühen: Jede Kuh symbolisiert einen Almsommer. Wenn alles gut gegangen war, kaufte sich Anna als Erinnerung eine hölzerne Kuh bei einem Zillertaler Schnitzer und nun stehen 39 Kühe auf einem Regal in ihrer Küche.
Die Kühe waren überhaupt der Grund, weshalb Anna so viele Sommer auf Almen gearbeitet hat. „Weg' die Leit nit und weg'n dem Geld a nit, denn auf der Alm verdient man nit viel, sondern nur weg'n die Kalbei", sagt sie schmunzelnd. Ja, die Kühe und Kälber hatten es ihr angetan und sie ging immer sanft mit ihnen um. Der Stecken kam bei Anna nie zum Einsatz. Sie hatte andere Methoden, damit die Tiere ihr gehorchten. So trieb sie zum Beispiel die Herde nie vor sich her, sondern lockte sie, indem sie einen Korb mit Brot und Semmeln trug. Dann trotteten die Kühe ihrer „Leitkuh" brav hinterdrein. „Wenn man sich ein Haar ausreißt und die Kuh damit streichelt, spürt sie das", ist Anna fest überzeugt, „wie sehr muss sie es erst spüren, wenn sie mit einem Stecken geschlagen wird!" Die Zuneigung beruhte auf Gegenseitigkeit, die Kühe und Kälber gingen ihrerseits sanft mit Anna um, nur einmal hat eine ausgeschlagen und Anna so fest am Oberschenkel getroffen, dass sie ins Krankenhaus musste. Sie denkt heute noch darüber nach, was sie damals falsch gemacht hat. Irgendetwas müsse die Kuh irritiert haben, sonst hätte sie das nie gemacht, ist Anna überzeugt.

Ihr Mann fuhr lieber ans Meer
Anna Kleinbrot wurde 1934 in Kufstein geboren und interessierte sich schon als Kind sehr für das Almleben. Einige ihrer Verwandten waren Bauern, bei ihnen durfte sie ein bisschen mithelfen. Auch Annas Mutter hat lange Zeit auf Almen gearbeitet. Als Anna mit 19 Jahren heiratete und in den darauffolgenden Jahren zwei Kinder bekam, war noch nicht die Zeit gekommen, um ihre Sehnsucht nach dem Almleben zu stillen, nicht einmal im Urlaub. Ihr Mann Toni fuhr lieber ans Meer. Anna begleitete ihn einige Jahre, dann streikte sie und meldete sich im Alter von 40 Jahren für eine Arbeit auf der Alm an. Die erste Zeit war schwierig und manchmal fühlte sie sich überfordert, zum Beispiel, als sie zum ersten Mal einen Schüppel Kühe melken und versorgen musste, aber dann bekam sie alles sehr gut in den Griff. Mit 50 Jahren machte sie sogar noch den Führerschein, damit sie die langen Wege nicht zu Fuß zurückzulegen brauchte, wenn sie einmal in der Woche ins Tal zum Einkaufen musste.
Für Anna war die Almzeit ein Segen und sie war dabei glücklich, aber wie sah es mit dem Haussegen aus? Toni, der im Sommer noch immer lieber in Richtung Süden zu den Stränden wollte, habe schon ab und zu über die Alm geschimpft, erzählt Anna, aber er habe sie trotzdem bei der Arbeit unterstützt, sobald er Zeit hatte. Er half Anna auch dabei, für die Kuhglocken Lederbänder zu nähen, die sie dann schön bestickte.

Almbauern brauchen einen Hund
Inzwischen würde Anna die Almarbeit körperlich nicht mehr schaffen, aber der Verzicht auf das Almleben fällt ihr leichter, wenn sie daran denkt, was sich auf vielen Almen geändert hat. Wenn sie zum Beispiel Kühe ohne Hörner sieht, „dann tuat mia 's Herz weh!" Und Kühen, die nur mehr als Milchproduzentinnen dienen und ein Rieseneuter mit sich herumschleppen, müsse bestimmt alleweil schwindlig und schlecht sein, meint sie. Das mit ansehen zu müssen, will sie sich lieber nicht antun.
Einen Rat möchte Anna aus ihrer Erfahrung den Almbauern noch mitgeben: Sie sollten sich einen Hund halten, dann seien die Kühe an Hunde gewöhnt und würden nicht so schnell scheu oder angriffslustig, wenn ihnen auf der Weide ein Hund begegnet. Anna hatte meistens einen Hund auf der Alm und hält sich noch immer einen, oder besser gesagt passt sie auf die Hunde ihrer Enkel auf, das sind drei Möpse namens Pumuckl, Toni und Mopsei. Kater Monti gesellt sich noch dazu. Manchmal wird eine geschnitzte Kuh vom Regal genommen und dann erinnert sich Anna daran, wie es war, als sie auf der Alm die richtigen Kühe gestreichelt hat.


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