Almgeschichten – Folge 8: Die kommodeste Alm von Osttirol

Die Agrargemeinschaft Tristach bewirtschaftet mit großem Engagement eine Galtvieh- und Schafalm.

08.08.2019





Fein isch es da obn, für Mensch und Tier: Die wunderschön in den Lienzer Dolomiten gelegene Tristacher Alm wird von den Mitgliedern der Agrargemeinschaft Tristach als eine der „kommödeschten" Almen in Osttirol bezeichnet. Kommod bzw. sehr angenehm und komfortabel sind zuerst einmal die vielen Zufahrtswege, die das Almgebiet bis zur hintersten Hütte und Gebirgsweide gut erschließen. Kommod sind die Weiden, die bis auf wenige Ausnahmen wegen der geringen Steilheit für das Vieh kaum Absturzgefahr bergen. Weil das Hochtal naturgemäß gut abgeschlossen ist, grenzt es an keine Weiden von Nachbargemeinden, sodass es zu keinen Konflikten kommen kann. Kommod ist auch die vorbildliche Zäunung, die dem Hirten die Arbeit erleichtert und die von der Agrargemeinschaft Tristach gemeinschaftlich zu Beginn einer jeden Almsaison erledigt wird. Weniger kommod ist allerdings der giftige Weiße Germer oder „Schemmach", wie er im Volksmund genannt wird. Dem gefällt es auf den Tristacher Almweiden nämlich auch recht gut und wegen seiner tief wurzelnden Erdverbundenheit ist ihm nur schwer beizukommen. Aber wenn man konsequent „dahinter ist", hat man ihn im Griff.

Was tun mit den vielen Mountainbikern?
Wie man allerdings die Mountainbiker in den Griff bekommen soll, die das Gebiet lange schon als Bikerparadies für sich entdeckt haben, darüber ist sich die Agrargemeinschaft noch nicht so richtig im Klaren. Trotz des Fahrverbotes erkunden täglich zahllose Radfahrer die Almenregion, die am Fuße bekannter Kletterberge liegt, die u. a. auch David Lama fürs intensive Training nutzte. „Früher kamen nur die Besten auf diese Höhen, mit den E-Bikes strampelt heute jeder hin-auf und wir Bauern können uns nicht hinstellen und Polizei spielen", sinniert Franz Klocker, tätig bei der Landwirtschaftskammer in Lienz, Nebenerwerbsbauer (Großbacherhof) und seit drei Jahren Obmann der Agrargemeinschaft Tristach. Seiner Meinung nach besteht die Lösung darin, sich mit den Freizeitsportlern zu arrangieren. Wie er sind auch andere Almbauern dafür, das Mountainbikemodell Tirol einzuführen, bei dem der Tourismusverband die Haftung bei eventuellen Unfällen übernimmt, aber einige Almbauern stellen sich vehement dagegen, sie wollen das Fahrverbot beibehalten. Jetzt ist man diesbezüglich in einer Phase der Entscheidungsfindung, in der es bei Diskussionen mitunter emotional und lautstark hergeht, ansonsten ziehen die Mitglieder der Agrargemeinschaft aber zum Glück alle an einem Strang.

Gesunde Osttiroler Urnatur
In der Gemeinde Tristach gibt es derzeit 36 Agrarmitglieder, darunter treiben 15 ihre Rinder auf, sieben Bauern bestoßen das Almgebiet, das sich zwischen Nieder- und Hochalm von 1.100 bis 2.100 Höhenmeter erstreckt, mit Schafen und zwei mit Pferden. Von den Tristacher Bauern besitzt keiner eine Eigenalm, alles ist gemeinschaftlich organisiert, was viele Vorteile bringt. Aufgrund der Mutterkuhhaltung, zu der einige Bauern übergegangen sind, kann das Almgebiet wieder ausschließlich mit Eigenvieh bestoßen werden, vor ungefähr 20 Jahren sah es schlechter aus, da war man auf Fremdvieh aus umliegenden Gemeinden angewiesen.
Milchviehhaltung und Käseerzeugung hat in diesem Almgebiet keine Tradition, zumindest nicht in großem Ausmaß, Milchkühe werden höchstens für den Eigenbedarf gehalten. Auf der Tristacher Alm ist also schon seit frühesten Zeiten das Galt- und Jungvieh zuhause. Heuer sind es 145 Stück, die einen feinen Almsommer genießen und sich eine Futterfläche von 165 Hektar teilen, die 180 Schafe haben ihren eigenen Bereich zwischen Insteinalm und Karlsbader Hütte.
Die schöne Gegend und die gute Luft tun nicht nur den Tieren wohl, sondern auch den Menschen. Ein Beispiel für eine gesunde Osttiroler „Urnatur" ist der „Müller Franz". Er hat die Insteinkapelle gebaut und fährt mit seinen mittlerweile 95 Jahren immer noch jeden zweiten Tag mit dem Traktor auf die Tristacher Alm, um nach seinem Vieh zu sehen. „Sell derrichtet auch nicht jeder", berichtet Franz Klocker bewundernd. „Der Müller Franz ist auch geistig noch voll fit. Wenn ich etwas über die Alm wissen will, frage ich ihn. Er weiß alles!" Er fügt schmunzelnd hinzu: „Ob auch alles stimmt, ist eine andere Frage."

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Fotos:
Die Hinteren Wiesen auf der Tristacher Niederalm mit Strickhofer Stall.
Auch die Weißsteinalm gehört zum Tristacher Almgebiet.
Weidevieh im Schrettis (Tristacher Niederalm).
Almsenior Müller Franz fährt mit 95 Jahren immer noch auf die Alm.
Die Insteinalm mit der Instein-kapelle.


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