Almgeschichten – Folge 7: „Zersch bisch gscheid gwesen, iatz tuas!“

Der ehemalige Almwirtschaftsobmann Paul Landmann ist mit seinen 87 Jahren noch immer ein begeisterter Alminger.

01.08.2019




Eines Tages, wenn ich 60 bin, werde ich auf die Alm gehen und dort als Alminger arbeiten!" Das sagte der 1932 geborene Oberndorfer Paul Landmann, Bauer und langjähriger Obmann des Tiroler Almwirtschaftsvereines, schon viele Jahre vor seiner Pensionierung. Nur glaubte ihm damals keiner. Ein politisch aktiver Mensch mit so vielen Funktionen – unter anderem saß Paul Landmann von 1966 bis 1971 als Mandatar für die ÖVP im Nationalrat – wird nicht mit 60 plötzlich Alminger, das käme ja einem Ruhestand gleich. Wiewohl Eingeweihte wissen, dass die Almarbeit ein harter Job ist, und das wusste auch Paul. Aber das schreckte ihn nicht ab. Eher würde es ein bissl ruhig werden nach all den Jahren in politischen Ämtern mit vielfältigen Aufgaben. Statt langer Sitzungen im Büro würde nun die Bank vor der Hütte zum Sinnieren Platz bieten, statt Diskussionen mit Funktionären würde er nun mit den Kühen reden und statt den Stufen der Karriereleiter war nun der Hochsitz Alm angesagt. Das sind natürlich große Veränderungen. Aber Paul nahm sich selber beim Wort und sagte zu sich: „Zersch bisch gscheid gwesn, iatz tuas!"

„Meine Küche war ungenießbar"
Er übergab seinen Hof in Oberndorf seinem Sohn Paul Landmann – seit dem Jahr 1601 gab es in der Familie insgesamt 13 Paul Landmanns – und ging als Alminger auf die zum Hof gehörende Steinbergalm von Oberndorf. Das ist jetzt 26 Jahre her und Paul arbeitet immer noch jeden Sommer auf der Alm, obwohl er jetzt schon 87 ist. In diesem Jahr fuchst es ein wenig, denn zwei Unfälle mit drei Wirbelbrüchen und einem Oberschenkelhalsbruch lädierten ihn und zeigen noch Nachwirkungen. „Weil i nit gfolgt hab und auf der Alm zum Holzn mitgangen bin." Aber jetzt sei er bald wieder richtig fit, meint er. Genauso fit wie seine 80-jährige Frau Anna, die auf der Alm für ihn kocht.
In den ersten Almjahren, erinnert sich Paul, als er noch allein die Alm bewirtschaftet hat, war seine Küche eher ungenießbar. Paul ernährte sich hauptsächlich von Milch und Müsli und nahm über vierzig Kilo ab. Das war zuerst nicht schlimm, da er bei Almantritt 117 Kilo wog und das war doch zuviel, aber auf Dauer war das unfreiwillige Fasten auch kein Ang'richt. Als für den Hof eine Bäuerin in Form einer Schwiegertochter gefunden war, konnte auch Anna mit auf die Alm und seither kommt auch dort etwas Gscheites auf den Tisch und in den Magen.
Die Almtage beginnen früh, die Kühe werden morgens und abends gemolken, dazwischen wird alles sauber gehalten und geputzt. Am Abend ist man dann rechtschaffen müde und die Lust auf eine Stammtischrunde drunten im Tal kommt erst gar nicht auf. „Früher war ich abends viel unterwegs, aber das ist schon lange vorbei", erzählt Paul, „lieber lege ich mich hin und lese, denn ich lese für mein Leben gern. Das ist auch im Winter so, wenn ich drunten im Tal bin."

Die Almarbeit hatte nie einen Glorienschein
Die Zukunft der Almwirtschaft sieht Paul Landmann zwar nicht rosig, aber auch nicht düster.
In seinen ersten Funktionärsjahren sah die Situation viel schwieriger aus, vor allem für Kuhalmen, wie er erzählt. Die damals bereits drohende Milchkontingentierung wäre der Grabgesang für die ohnedies angeschlagene Almwirtschaft gewesen, erinnert sich Paul, weshalb er mit einem Funktionärskollegen zu Landwirtschaftsminister Günter Haiden pilgerte und ihm eine Stunde lang die schwierige Situation der Almbauern schilderte. Vermutlich ging das Gespräch dann in einem Beisl freundschaftlich weiter, in den frühen Morgenstunden sagte der Minister jedenfalls zu, die Milch freizugeben.
Aus Paul Landmanns Sicht hat die Almwirtschaft auch heute durchaus Zukunft: „Wenn wir wegen der Kuhhaltung keine Schwierigkeiten mit dem Tourismus bekommen und die Eigenverantwortung der Almbesucher wieder gefragt ist, dann sehe ich die Entwicklung nicht negativ. Jedenfalls hat sich das Image der Almen und der Almprodukte inzwischen wesentlich verbessert. Natürlich, einen Glorienschein hatte die Almarbeit nie und leichter wird es auch nicht, denn aus wirtschaftlichen Gründen gibt es immer mehr Arbeit bei immer weniger Personal."
Es kommt also auf jeden Helfer an, deshalb will Paul unbedingt wieder ganz fit werden und so lange auf der Alm arbeiten, wie es geht. Mit 80 war es sein größter Wunsch, dass er noch bis zum 90. Lebensjahr auf seine geliebte Alm kann. Mittlerweile würde er gern noch ein paar Jährchen anhängen. Vielleicht bis zum einundneunzigsten oder zweiundneunzigsten oder auch darüber hinaus ...

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Fotos:
Paul und Anna Landmann auf der Steinbergalm von Oberndorf.
Paul Landmann bei der Melkarbeit.
Zum Melken kommen die Landmann-Kühe meist selber zur Hütte.


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