Almgeschichten – Folge 5: Ein Kleinod im Karwendel

Ein geliebtes Paradies mit Schattenseiten ist die Eppzirler Alm für ihre Bewirtschafter.

18.07.2019




Sie ist landschaftlich wunderschön, die Eppzirler Alm im Nationalpark Karwendel. Sie liegt im Talschluss des Eppzirler Tales auf 1.453 Meter, gehört zum Gemeindegebiet Zirl, wird über einen Forstweg durchs Gießenbachtal zwischen Seefeld und Scharnitz erschlossen und ist umgeben von den imposanten Felsgestalten der Freiungspitzen, der Erlspitze, der Kuhlochspitze und den Fleischbanktürmen. In der Jausenstation werden feine Schmankerln serviert und etwas oberhalb der Hütte befindet sich eine Marienkapelle, die beim heurigen Almwandertag am Sonntag, den 23. Juni, den spirituellen Mittelpunkt des Almfestes bot.

Schwere Unwetter verursachten Megaschäden
Die Eppzirler Alm ist ein Naturparadies, das aber nicht nur paradiesische Seiten hat, was vor allem die Almbewirtschafter zu spüren bekommen. Ein großes Thema ist hier das Wasser, wie das breite Kiesbett entlang des Tales zeigt. Es trocknet in heißen Perioden schnell aus, aber nach einem Gewitter mit Starkregen rauscht hier alles ringsum und der brüchige Karwendeldolomit setzt sich in Bewegung. Dann kommt die Sintflut ins Paradies und die Agrargemeinschaft Eppzirler Alm muss tief in die Kasse greifen für die anfallenden Wegereparaturen. Zum Glück bringt die Eigenjagd Einnahmen, die dafür verwendet werden können.
Im Jahr 2013 entstand durch schwere Unwetter und Vermurungen ein Schaden von 400.000 Euro. Das konnte man dann doch nicht mehr alleine stemmen. Gemeinsam mit den Gemeinden Zirl und Seefeld, dem Land Tirol und der Wildbach- und Lawinenverbauung wurden Maßnahmen gesetzt für die Wiederherstellung der Almweiden und zur Vorbeugung von Vermurungen. U.a. pflanzten die Almbauern zur Befestigung des Bodens an beiden Seiten entlang des Bachbettes 500 Bäume – jeweils 250 Ahorne und 250 Vogelbeerbäume. Sie wurden gut geschützt gegen Wildverbiss, trotzdem kamen einige der Pflanzen nicht hoch, woran die Kühe nicht ganz unschuldig sind, die nicht immer sorgsam mit dem jungen Baumbestand umgehen und ihn gerne zum Rückenkratzen benützen.

Die Melkalm wurde zur Galtalm
Wegen der Querdämme, die bei der Sanierung gezogen wurden, staut sich im Laufe des Sommers im Almgebiet eine Lache auf, sodass dieser Teil der Fläche zwar nun nicht mehr den Kühen, aber zumindest den Amphibien zugute kommt, was in einem Naturschutzgebiet ja auch legitim ist. Weidegründe gibt es trotzdem noch genug. Die Alm besitzt eine Eigenfläche von 561 Hektar und rund 500 Hektar Servitutsweiden der Gemeinde Seefeld. Die eigene Reinweidefläche von ca. 100 Hektar wird mit bis zu 100 Stück Vieh bestoßen, mehr als zwei Drittel davon von den eigenen Rechtlern der Agrargemeinschaft. Die Milchwirtschaft wurde auf der Eppzirler Alm wegen mangelnder Rentabilität zum Leidwesen so mancher Bauern aufgegeben. Zwar errichtete die Agrargemeinschaft laut EU-Vorgaben ein Melkhaus, aber als man dann im Nachhinein darauf aufmerksam gemacht wurde, dass noch eine Luftschleuse fehlt, verzichtete man auf diese weitere Investition, die nochmals mit hohen Kosten verbunden gewesen wäre. So wird die Alm derzeit als Galtalm geführt. „Das könnte sich aber irgendwann wieder ändern, wenn engagierte Jungbauern wieder eine Melkalm daraus machen wollen", hofft Almobmann Hans Niederkircher, der heuer die Schattenseiten des Paradieses am eigenen Leib zu spüren bekam. Am ersten Tag auf der Alm, beim Zäuneflicken, das wegen des langen Winters besonders viel Arbeit verursachte, verletzte er sich das Bein und kann mit einem Wadenbruch in diesem Sommer nur eingeschränkt die Almgeschicke betreuen. Aber die Agrargemeinschaft Eppzirler Alm, die sich durch einen guten Zusammenhalt auszeichnet und sich einen gemeinsamen Maschinenpark zugelegt hat, wird auch dieses Ungemach wieder gemeinsam meistern.
Auch mit den Gemeinden Zirl und Seefeld gäbe es eine gute Kooperation, bestätigt Hans Niederkircher. Bloß mit den Almabtrieben kam man nie so richtig zusammen, die durch Reith und Seefeld führten. Die Touristen fuhren oft zu nahe mit ihren Autos an die Kuhprozession heran, sodass kleine Schäden zu verzeichnen waren und man eine Polizei-Eskorte bezahlen musste. Und wenn die Kühe auf der Straße ihre Andenken hinterließen, wurde das auch nicht gerne gesehen. Deshalb fährt das Vieh seit ungefähr 20 Jahren mit LKWs und Traktoren nach Hause. Das gefällt den Bauern nicht so gut. Aber bis zum Almabtrieb dauert es ja noch eine Weile.

Fotos:
Gottesdienst in der Marienkapelle beim heurigen Almwandertag.
Saftige Weiden am Fuße der Schuttkegel.


Aktuelle Termine

Versteigerung
Dienstag, 10. Dezember 2019
Imst

Details

Sprechtag
Mittwoch, 11. Dezember 2019
BLK Imst

Details

alle Termine


Was wäre Tirol ohne Bauern?

Informationen und die beliebten Produkte unserer Imagekampagne "Was wäre Tirol ohne Bauern?" finden Sie hier.

Kampagne


Tiroler Bauernkalender 2020

Das beliebte Nachschlagewerk für jung und alt ist ab sofort bei uns erhältlich. Bestellungen sind mit unserem Bestellformular, aber auch telefonisch unter: Tel. 0512/59 900-25, möglich.

Bestellformular


Hundekottafeln bestellen!

Die Hundekotproblematik ist ein ernst zu nehmendes Thema und betrifft viele Bauern in unserem Land. Wir setzen auf Aufklärung und bieten deswegen unsere Hundekottafeln zum Verkauf an. Infos, Bestellungen etc. unter tbb@tiroler-bauernbund.at oder Tel. 0512/59900-12

Infos, Preise, etc.

Infos, Preise, etc.

Unsere Adresse


Tiroler Bauernbund
Brixner Straße 1
A-6020 Innsbruck
Tirol - Österreich
Telefon +43 512 59900-12
Fax +43 512 59900-31

Email

Bauernbund Wetterservice


Unsere Bauernbund-Agrarwetterhotline ist von Anfang April bis Anfang Oktober abrufbar. Alleine im Jahr 2019 verzeichneten wir rund 160.000 Anrufe.

aktuelles Wetter

Wozu Tiroler Bauernbund?


In unserem Imagefilm und der Infobroschüre erfahren Sie mehr über Ursprung, Aufgaben, Ziele und die Bedeutung des Tiroler Bauernbundes.

Aktuelle Videos

Broschüre

Volltextsuche


Die einfache Suche nach Personen, Orten, Dingen und Terminen!

Tiroler Bauernbund

powered by webEdition CMS