Almgeschichten – Folge 4: „Wir wollen unsere Alm erhalten!“

Die Lechtaler Alpe Mahdberg gehört der Gemeinde Flirsch und machte bis vor Kurzem große Sorgen …

11.07.2019




Schnell mal einen Sprung auf die Alm, um nachzuschauen, ob alles in Ordnung ist? So einfach ist das nicht für Werner Mungenast, Obmann der Alpe Mahdberg im Lechtal bzw. Almajurtal. Die Alm gehört der Gemeinde Flirsch, befindet sich aber ungefähr eineinhalb Autostunden entfernt. Man muss dazu den Arlberg und den Flexenpass überwinden, zu Fuß führt der Weg über steile Jöcher. In früheren Zeiten schleppte man den benötigten Proviant über die steilen Bergwege auf die Alm sowie Käse und Butter von der Alm herüber ins Stanzertal. Beschwerlich, aber die Menschen waren froh um die Bergweiden. Heute kämpfen vor allem die Bauern und die Gemeindevertreter um den Erhalt ihrer Almen, obwohl die Beschwerlichkeit noch immer gegeben ist, was auch für die fünf anderen Almen im Almajurtal gilt, die Stanzertaler Gemeinden gehören.

Die Kuhbauern wurden immer weniger
Zehn bis 12 Stunden Gehweg haben die Rinder und Kühe zwischen Flirsch und der Alpe Mahdberg zurückzulegen. Zu Beginn des Sommers werden sie mit Traktoren und Lkw geführt, am Ende des Sommers, wenn sie fit sind, gehen sie zu Fuß. Die schwierigen und mühsamen Steige kann man durchaus symbolisch sehen für die allgemeine Lage der Almwirtschaft in diesem Gebiet. Die Flirscher Almbauern mussten sich eines Tages eingestehen, dass sie auf dem üblichen Weg nicht mehr weiter konnten. Die Kuhbauern wurden immer weniger, sodass es immer weniger „Rechtvieh" gab, von 100 Stück hatte sich die Herde bereits auf 40 Stück reduziert, und durch das Tiroler Flurverfassungsgesetz, das den vorgeschriebenen Alpungspreis für die Tiere senkte, konnte nicht mehr kostendeckend gewirtschaftet werden. Zusätzlich wurde das Personal immer teurer, sodass man Hirten und Wirtschafterin nicht mehr bezahlen konnte.
Nachdem die Gemeindegut-Agrargemeinschaft Flirsch in den vergangenen Almsaisonen ein sattes Minus jeweils bei Almwirtschaft und Sennerei einfuhr, stand man vor der Entscheidung, die Alpe wegen Unrentabilität aufzulassen oder sich ein anderes, besser funktionierendes Modell zu suchen. Lieber ein anderes Modell ausprobieren, fanden die Bauern und die Gemeindevertreter, allen voran der Flirscher Bürgermeister Roland Wechner. Denn wenn eine Alm erst einmal aufgegeben ist, ist es schwierig, sie zu revitalisieren.Als Lösung blieb nur die Verpachtung der Alm und der Sennerei in Flirsch. Für die Sennerei fand sich ein Käser aus dem Bregenzer Wald, der hervorragenden Käse erzeugt. Und die Alm wurde von Albin und Maria Wegscheider aus Oberhofen im Inntal gepachtet. In diesem Sommer lassen die Wegscheiders ihre 47 Kühe und um die 40 Stück Galtvieh zum ersten Mal auf der Mahd-bergalm grasen, zusätzlich nahmen sie das Flirscher Rechtvieh auf, sodass die Alm nun wieder mit über 100 Stück Vieh bestoßen wird.

Kuhhimmel und Hirtenhölle
In allen Belangen der Almwirtschaft wird die Familie tatkräftig von Alpobmann Werner Mungenast unterstützt. Gerade am Anfang, wenn man mit dem Almgebiet noch nicht so vertraut ist, ist das eine höchst willkommene Hilfe, wie Albin und Maria bekräftigen. Noch dazu auf dieser Alm, die allgemein wegen ihres weitläufigen Geländes als „Kuhhimmel und Hirtenhölle" bezeichnet wird und die im vergangenen Winter wieder einmal von schweren Muren- und Lawinenschäden getroffen wurde. Werner Mungenast: „Albin hat ein schwieriges Jahr vor sich, aber er hat die richtige Einstellung zur Almwirtschaft und er wird es gut packen!" Albin selbst ist ebenfalls zuversichtlich und freut sich über die Aufgabe: „Es ist zwar ein Mords-Gstrappel, bis man alles auf die Alm übersiedelt hat – das Vieh, den Hausrat und unsere fünf Kinder – aber mit jedem Tag leben wir uns besser hier ein. Und die Agrargemeinschaft hat hier ein funktionierendes An'gricht, sodass alle Voraussetzungen gegeben sind, dass alles gut läuft."
Auch die Flirscher Almbauern sind mit der Lösung zufrieden. Werner Mungenast: „Wir hoffen, dass uns die Familie Wegscheider noch lange als Pächter erhalten bleibt. Unsere Vorfahren haben das Almwesen hier aufgebaut und ich möchte es weiterführen und mir nicht von meinen Nachkommen sagen lassen, dass die Almwirtschaft von meiner Generation aufgegeben wurde."
Mit einem Blick über die Almweiden, wo die Kühe friedlich grasen, die von all den Sorgen nichts wissen, bekräftigt er: „Na, sell will i wirklich nit!"

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Fotos:
Kuhhimmel und Hirtenhölle – das Gebiet der Mahdbergalm ist äußerst weitläufig.
Pächter Albin Wegscheider und Alpobmann Werner Mungenast arbeiten gut zusammen.


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