„Keine Verschlechterung des Istzustandes“

Die Bauernzeitung sprach mit Experten des Landes über das Zusammenspiel von Wasserstand und Grundwasserspiegel sowie über Grundwasser in Hochwasserschutzprojekten.

11.07.2019



Herr Mair, wo in Tirol gibt es denn überhaupt große Grundwasservorkommen?

MAIR: Das größte zusammenhängende Grundwasservorkommen Tirols ist der Grundwasserstrom des Inntales mit einem durchschnittlichen Gefälle von 1,3 ‰ (1,3 m auf 1.000 m). Weitere nennenswerte Grundwasservorkommen gibt es im Lechtal, im Großachengebiet, in den inneralpinen Seitentälern und im Lienzer Becken.

Wie hängen Wasserstand und Grundwasserspiegel zusammen?
MAIR: Es gibt keine Faustformel über den Zusammenhang des Inns mit dem begleitenden Grundwasserstrom. Man kann jedoch sagen, je näher die Messstelle am Inn liegt, umso mehr zeigt sie korrespondierende Wasserstände. Bei Hochwasser am Inn erfolgen oft in den angrenzenden Gebieten bedeutende Grundwasserspiegelhebungen. Bei Niederwassersituationen hingegen ist es umgekehrt und der Inn wird durch das Grundwasser gespeist.

Mitte Juni hat es entlang des Inns zahlreiche Felder gegeben, in denen das Grundwasser gestanden ist. Überflutungen vom Inn waren eher die Ausnahme. Und auch noch jetzt sind manche Flächen nass. Wie kommt das?
MAIR: Die heurige Hochwasserwelle war geprägt durch eine in Folge der Schneeschmelze extrem breite Hochwasserwelle. Am Pegel in Innsbruck lag die Wasserführung im Zeitraum vom 10. Juni bis 2. Juli nahezu ständig über dem Bereich eines einjährlichen Hochwassers. Dies führte dazu, dass auch die Grundwasserstände im Umfeld des Inn sich auf das hohe Niveau der Wasserführung im Inn anglichen und teilweise über das Gelände hochstiegen. Obwohl die Hochwasserspitze am Inn geringer war als beim Hochwasser 2005, wurden so teilweise höhere Grundwasserstände als 2005 erreicht.

Herr Federspiel, im Unterinntal laufen die Planungen für einen Hochwasserschutz. Ausgangspunkt ist dabei immer ein 100-jährliches Hochwasserereignis. Die Siedlungsgebiete sollen in einem solchen Fall wirksam vor Überflutungen durch den Inn geschützt werden. Welche Rolle spielt das Grundwasser in den Projekten für den Hochwasserschutz?
FEDERSPIEL: Grundwasser ist bei jedem Hochwasserschutzprojekt ein Thema und wurde seit Projektbeginn ernst genommen. Die Auswirkungen der Maßnahmen in einem Hochwasserschutzprojekt und hier natürlich vor allem die Retentionsräume auf den Grundwasserspiegel im jeweiligen Gebiet werden in einem Grundwassermodell nachgewiesen. Dazu sind jedoch umfangreiche Untergrunderkundungen erforderlich. Grundsätzlich werden alle Maßnahmen in den Hochwasserschutzprojekten so ausgelegt, dass es zu keiner Verschlechterung der Istsituation beim Grundwasser kommt.

Wird sich – wenn der Hochwasserschutz fertiggestellt ist – in Sachen Grundwasser für die landwirtschaftlichen Flächen, aber auch für die Häuser, die jetzt mit Grundwasser zu kämpfen hatten, etwas ändern?
FEDERSPIEL: Mit einem Hochwasserschutzprojekt lösen wir nicht die Grundwasserproblematik. Jene Hausbesitzer, die Mitte Juni mit Grundwasser zu kämpfen hatten, werden das wahrscheinlich auch weiterhin tun. Grund dafür ist überwiegend, dass gerade bei älteren Häusern der Baustandard nicht entsprechend ist.

Und auf landwirtschaftlichen Flächen?
FEDERSPIEL: Auch auf den landwirtschaftlichen Flächen außerhalb der Retentionsräume bleibt Grundwasser nach der Realisierung des Hochwasserschutzes ein Thema.

In den künftigen Retentionsräumen wird im Ereignisfall das Wasser teils mehrere Meter hoch stehen. Welche Auswirkungen hat das auf die Grundwassersituation in der Umgebung?
FEDERSPIEL: Die Auswirkungen der Maßnahmen in einem Hochwasserschutzprojekt, insbesondere der Retentionsräume auf die Grundwassersituation, werden in den Planungen mithilfe eines Grundwassermodells detailliert nachgewiesen. Bei den Dämmen und Mauern der Retentionsräume sind etwa Untergrundabdichtungen und Drainagen auf der Dammaußenseite vorgesehen, um die Istsituation nicht zu verschlechtern. Auf natürlichen Überflutungsflächen außerhalb der optimierten Retentionsräume kann es im Hochwasserfall in den Gefahrenzonen natürlich zu Überschwemmungen durch Ausuferungen kommen. Das hat aber nichts mit dem Grundwasser zu tun.

Fotos:
DI Markus Federspiel ist Vorstand der Abteilung Wasserwirtschaft.
Ing. Gerald Mair ist Sachbearbeiter im Bereich Grundwasser (Hydrographie und Hydrologie).


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