„Mit der Rückkehr der Wölfe steht die Almwirtschaft auf dem Spiel“

Mit einem provokanten Kommentar in der Tiroler Tageszeitung vom 21. Juni sorgte Johannes Kostenzer, der Landesumweltanwalt von Tirol, für Aufregung. In seinem Kommentar werden die Bauern als Sündenböcke der Nation hingestellt.

27.06.2019

Hier werden Äpfel mit Birnen verglichen und alle möglichen Themen, die in keiner Relation zueinanderstehen, werden gegen die Bauern verwendet. Ein Trauerspiel, das vor allem von fehlendem Fachwissen zeugt. Denn wie sonst kann man Glyphosat mit der Kuh-Attacke und der Rückkehr der Wölfe vergleichen", kommentiert Nationalratsabgeordneter Hermann Gahr und Mitglied des Landwirtschaftsausschuss.
„Der Umweltanwalt des Landes Tirol äußert sich in seinem Kommentar wie ein militantes NGO-Mitglied, indem er Themen aus dem Zusammenhang reißt und schlicht Unwahrheiten behauptet", so Agrarklubobmann LAbg. Hermann Kuenz. „Ein Beispiel dafür: Die Tiroler Bauern setzen Glyphosat nicht flächenhaft ein. Zudem sind die behandelten Flächen stark rückläufig. Tirol ist im Vergleich mit anderen Regionen jenes Bundesland, das generell den geringsten Einsatz von Pflanzenschutzmitteln aufweist."
„Noch viel absurder ist die Erwähnung der tödlichen Kuh-Attacke in diesem Zusammenhang. Seit dem Gerichtsurteil wurde alles versucht, Maßnahmen zu setzen, um solche Vorfälle zukünftig zu verhindern. Es wird wohl eines persönlichen Gespräches bedürfen, damit Kostenzer mir erklären kann, was dieser tragische Unfall mit der Artenvielfalt in Tirol zu tun hat", so Kuenz. „Eines ist für mich klar: Nur bewirtschaftete Almen sichern die Artenvielfalt in unseren Bergen. Eigentlich bin ich davon ausgegangen, dass ein Landesumweltanwalt das wissen müsste."
Kostenzer spricht von Hetze gegen den Wolf. Diese Anschuldigungen dementiert Gahr vehement: „Wir hetzen nicht gegen den Wolf, sondern zeigen die aktuellen Problemstellungen der Bäuerinnen und Bauern auf. Bei unseren Nachbarn in Südtirol gefährdet die Rückkehr der Wölfe bereits Existenzen. Kürzlich demonstrierten über 2000 Landwirte in Südtiroler Sterzing für ein wolfsfreies Tirol. Die Ängste der Bauern sind real und nicht ausgedacht. Es ist mehr als traurig, dass diese nicht ernstgenommen werden", sagt Gahr.
Alleine in Südtirol streifen etwa 13 Wölfe durch das Land und diese verursachen einen enormen Schaden, sie reißen Schafe, Ziege und Kälber. „Wir dürfen nicht vergessen: Wölfe kennen keine Landesgrenzen, heute sind die Wölfe in Südtirol, morgen haben wir sie in Nord- oder Osttirol", so Gahr.
In seinem Kommentar behauptet Johannes Kostenzer auch, dass in jenem Gebiet mit der höchsten Wolfsdichte in Frankreich die Schafzüchter nicht aufgegeben hätten, sondern sogar leicht zunähmen. Laut Angaben des statistischen Dienstes des Pariser Landwirtschaftsministeriums (Ageste) hat sich der Schafbestand von 2011 bis 2016 um 465.000 Tiere verringert. „Was wir nicht vergessen dürfen: In Frankreich ist die Jagd auf Wölfe erlaubt. Auch in Deutschland und der Schweiz ist es seit kurzem erlaubt, Wölfe zu regulieren", erklärt Gahr.
Konstenzers Appell zurück zur Sachlichkeit nehmen Kuenz und Gahr gerne auf und richten ihn an den Umweltanwalt: „Wird fordern schlicht und einfach eine sachliche Diskussion unter Berücksichtigung aller Fakten. Umweltschützer und Tierschützer zeigen immer nur eine Seite auf. Sie heißen Wölfe willkommen, sehen aber nicht die Probleme, die diese Raubtiere mitbringen."

Rückkehr der Wölfe gefährdet andere Tierarten
Fakt ist: Mit rund 30.000 Exemplaren sind Wölfe in Europa keine bedrohte Tierart mehr, ganz im Gegenteil. Aufgrund des hohen Schutzstatus vermehren und verbreiten sie sich ungehindert. Wie schnell sich die Wölfe vermehren, zeigt auch eindrucksvoll ein Beispiel aus Südtirol. „Vor fünf Jahren waren die Raubtiere bei unseren Nachbarn noch kein großes Problem, jetzt sind sie bereits flächendeckend vertreten und richten großen Schaden an. Die Reproduktionsrate liegt bei rund 30 Prozent, das heißt, eine Wolfspopulation kann sich so alle drei Jahre verdoppeln", erklärt der Tiroler Abgeordnete.
„Jetzt ist es an der Zeit, dass wir die Chance ergreifen, auf europäischer Ebene den Schutzstatus zu senken. Wölfe müssen bejagt werden können wie jedes andere Wildtier auch. Der Schutzstatus ist völlig überzogen und gefährdet damit auch andere Tierarten, wie das Muffelwild, dessen Bestände zunehmend ausgerottet werden", betont Gahr. Er hat bereits zwei Petitionen gegen den hohen Schutzstatus des Wolfes in den Nationalrat eingebracht. „Der Wolf steht unter absolutem Schutz, doch wer schützt unsere Haus- und Nutztiere? Diese sind den Raubtieren ausgeliefert und werden grausam gehetzt, gerissen und gefressen. Die Almwirtschaft hat in Tirol eine Jahrhunderte lange Tradition. Breitet sich der Wolf weiter aus, werden Bauern ihre Tiere nicht mehr auf die Alm treiben und somit verwuchert unsere Kulturlandschaft. Für die Freizeit- und Tourismuswirtschaft wäre das eine Katastrophe. Es steht die Zukunft unserer Almwirtschaft auf dem Spiel", sagt Gahr.

Weidetiere statt Wolfsreviere
Kommentar von ÖK.-Rat Elmar Monz, Bezirksbauernobmann Landeck
In seinem Kommentar in der TT vom 21. Juni schreibt Landesumweltanwalt Johannes Kostenzer sinngemäß, die Tiroler Bauern hätten sich mit der Rückkehr des Wolfes auf ihre Almen und Weiden abzufinden. Weil, so seine sinnbefreite Begründung, die Bauern für den Rückgang der Artenvielfalt verantwortlich seien, einige von ihnen flächenhaft Gifte wie Glyphosat einsetzen und ihre Kühe auf den Almen Menschen tot trampeln und das, obwohl sie jährlich Hunderte Millionen Euro EU-Gelder erhalten. Nun wäre man ja nicht überrascht, wenn ein NGO-Vertreter so einen polemischen Schwachsinn schreiben würde. Aber dass ein offizielles Organ des Landes Tirol eine derart ideologisch verblendete Geisteshaltung zeigt, ist nicht hinnehmbar. Herr Kostenzer glaubt wahrscheinlich tatsächlich, er sei es, der die attraktive Natur und Kulturlandschaft in Tirol sichert. Er, der zu hundert Prozent aus Steuergeldern bezahlt wird, neidet den Bauern, dass sie zumindest einen kleinen Teil der für die Gesellschaft unverzichtbaren Leistungen abgegolten bekommen. Es sind genau jene Leistungen, die besonders auch im Interesse des Umweltschutzes liegen sollten. Der Schutz von Umwelt und Natur ist ein hohes Gut. Niemand weiß das besser als die Bauern, die tagtäglich damit arbeiten. Sie kennen den Umwelt- und Naturschutz nicht theoretisch, sondern aus der Praxis. Sie kennen die Zusammenhänge und sie wissen, dass es einfach Tier- und Pflanzenarten gibt, die sich nicht vertragen. Das ist sowohl in der Natur als auch in unserer Kulturlandschaft so. Daher kann es nur heißen: Weidetiere statt Wolfsreviere.


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