Almgeschichten – Folge 2 – Unser Land braucht Vieh- und Almwirtschaft

Die Bauern der Agrargemeinschaft Sulztalalm schauen trotz schwieriger Bedingungen hoffnungsvoll in die Zukunft.

26.06.2019



Steinreich sind sie, die Almbauern der Sulztalalm im Ötztal, allerdings nur, was Steine betrifft. Diese liegen im Frühjahr auf den Almweiden verstreut, kleine und große Kaliber, die wegzuräumen einen „harten Tschoch" bedeutet. Die Lawinen haben auch heuer wieder ganze Arbeit geleistet und die im Vorjahr sorgsam zusammengeschichteten Steinhaufen auseinandergesprengt. Beim „Zusammenkralen" der Steine mit dem Eisenrechen wären die Helfer froh um einen Bagger. Wäre an und für sich kein Problem, ein Bagger könnte zumindest an den Stellen mit moderatem Gefälle unterstützend tätig sein, aber da die Sulztalalm in einem Ruhegebiet liegt, darf so ein maschinelles Gewühle nicht sein. Schweißtreibende Handarbeit ist deshalb nötig und so mancher Almbauer wird sich in einer schwachen Minute fragen, ob sich das auszahlt. Aber die schwachen Minuten dauern zum Glück wirklich nur minutenlang, denn am Sinn der Almbewirtschaftung zweifelt hier einstweilen noch niemand.

Mutterkuhhaltung
Die Milchwirtschaft auf der Alm haben die Bauern der Agrargemeinschaft Sulztalalm allerdings vor ein paar Jahren aufgegeben, diese rentiert sich nun wirklich nicht mehr. Mit den damit verbundenen Auflagen müsste viel investiert werden und nun bevölkert Galtvieh im trauten Verbund mit Schafen und Ziegen die Almweiden. Der 1961 geborene Waldaufseher Martin Tamerl, dessen Vieh den Sommer über auf der Sulztalalm grast, hat auf Mutterkuhhaltung umgestellt, mit dem Original Tiroler Braunvieh, dessen Charakter und Statur für Almverhältnisse bestens geeignet ist. Vor allem für Martins Sohn Jakob, der in den nächsten Jahren den Hof (Martinshof in Längenfeld) übernehmen wird, ist das von Vorteil. Martin Tamerl: „Meinen Beruf als Waldaufseher kann ich mit der Landwirtschaft relativ gut unter einen Hut bringen, aber Jakob hat als Elektrotechniker nicht so flexible Arbeitszeiten, ihm bringt die Mutterkuhhaltung in Verbindung mit der Almweide eine gewisse Unabhängigkeit. Es ist ohnedies ein Glück, wenn die jungen Leute eine positive Einstellung zur Landwirtschaft haben."
Das letztjährige Gerichtsurteil zum Unfall mit tödlichem Ausgang, das den Bauern als Schuldigen sah und existenzbedrohende Entschädigungsforderungen nach sich zog, jagte Martin Tamerl wie so vielen anderen Viehhaltern einen gehörigen Schrecken ein. „Seitdem gehe ich noch bewusster mit meinen Kühen um", erzählt Martin. „Ich beobachte sie im Stall und auf der Weide ganz genau und wenn ich merke, dass eine einen angriffslustigen Charakter zeigt, trenne ich mich von ihr. Bei der Anbindehaltung sind die Tiere ja an den Menschen gewöhnt, das ist ein Vorteil. Und wenn man sich intensiv mit ihnen befasst, dann ist anzunehmen, dass sie auch auf andere Menschen nicht aggressiv reagieren. Almbesucher, vor allem jene mit Hunden, müssen aber auch Verantwortung übernehmen, damit auf der Alm ein gutes Miteinander möglich ist."

Ein richtiges Kuhdorf
Ein gutes Miteinander haben die Bauern der Agrargemeinschaft Sulztalalm. Das sind insgesamt 54 Mitglieder, von denen noch ca. 20 auftreiben. Die aufgetriebenen Tiere kommen bis auf ein paar Stück alle aus der Gemeinde Längenfeld, sind also alles „Ötztaler". Vor allem die zu Längenfeld gehörende Fraktion „Dorf" ist noch ein richtiges „Kuhdorf", denn hier leben etliche Bauern. Der Almobmann der Sulztalalm, Burkhard Hausegger, und Martin Tamerl, der für die Almgenossenschaft unter anderem als Kassier tätig ist, sind unmittelbare Nachbarn und unterhalten sich oft über Almbelange. Außerdem gibt es in „Dorf" eine Gemeinschaftsweide, wo das Vieh ungefähr ein Monat täglich weiden darf, bevor es auf die Alm kommt. Am Abend holen die Bauern die Tiere wieder nach Hause, denn für einen 24-Stunden-Aufenthalt für alle Sulztalalmkühe gibt die Weide zu wenig Futter her.
Mitte Juni geht es hinauf auf die Alm, wo normalerweise genug gutes Weidegras vorhanden ist. Nach einem nasskalten Frühling wie diesem hätten die Bauern allerdings am liebsten am Gras gezupft, damit es schneller wächst. Bis hinauf auf den Berggrat auf 2800 Meter reichen die stellenweise sehr steilen Weiden, die Kühe müssen also ziemlich geländegängig sein. Burkhard Hausegger hält Tiroler Grauvieh, das kommt mit den Bedingungen gut zurecht.
Burkhard Hausegger glaubt wie Martin Tamerl an die Zukunft der Alm- und Landwirtschaft in Tirol. Burkhard: „Wir haben auf unserem Hof vor ein paar Jahren einen neuen Stall gebaut, weil mein Sohn Patrick Hof und Landwirtschaft übernehmen wird und wir überzeugt sind, dass es ohne Viehwirtschaft in unserem Land nicht geht. Wir können auf den Berghängen ja keine Gemüsefelder anlegen. Wir müssen strenge Richtlinien einhalten und das ist auch gut so. Aber wenn wir dann zum Beispiel in Konkurrenz zu Fleischlieferanten aus Argentinien stehen, ist das für uns nicht leicht, obwohl wir hohe Qualität anbieten. Beim Kauf von ausländischem Fleisch sollten sich die Konsumenten deshalb auch Gedanken darüber machen, wie es in diesen Ländern mit dem Tierwohl bestellt ist, hauptsächlich was Haltung, Fütterung und Medikamenteneinsatz betrifft. Unsere Zukunft und die Zukunft unserer Almen hängt also eng mit dem Einkaufsverhalten der Tiroler und Österreicher zusammen. Wenn sie die Arbeit der heimischen Bauern schätzen, unterstützen und honorieren, haben wir eine gute Chance für eine vitale Landwirtschaft."

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Fotos:
Jungbauer Jakob Tamerl auf der Alm bei seiner Braunviehherde.

Die idyllische Jausenstation Sulztalalm liegt auf 1915 Meter.

Beim Weideräumen im Sulztal.


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