Südtirol deckt Wolfsschutz nur zu einem Drittel ab

Für Herdenschutz, heißt es, bekommen Bauern reichlich finanzielle Unterstützung. Die Realität in Südtirol ist jedoch eine andere, wie eine Berechnung der Bauernbund-Ortsgruppe Villanders zeigt. Die Förderung deckt demnach weniger als ein Drittel der tatsächlichen Kosten für das Aufstellen von Zäunen. „Gar keine Förderung gibt es für Hirten und Hunde", stellt Ortsobmann Konrad Senn ernüchtert fest.

16.05.2019


Förderung deckt nur rund 3000 Euro
Die Bauernbund-Ortsgruppe beschäftigt sich seit geraumer Zeit mit dem Herdenschutz auf der Villanderer Alm, ihrer Gemeinschaftsalm, auf der rund 150 Rinder ihren Sommer verbringen. Um die Tiere vor Wolfsangriffen zu schützen, müssten vier Koppeln errichtet und die Tiere dort über Nacht untergebracht werden. Für die Koppeln wären 537 Meter Elektrozaun notwendig.
„Für Zaun, Stromgerät und anderes Material sind Spesen in Höhe von 5488 Euro fällig", erklärt Ortsobmann Senn. Zudem müssten die Tiere jeden Tag in die Koppeln ein- und ausgetrieben werden. Damit der Almboden durch die vielen Tierbewegungen nicht geschädigt wird, müssten die Zäune alle 14 Tage abgebaut und an einem anderen Ort aufgestellt werden. „Rechnet man Arbeitsaufwand und Materialspesen zusammen, belaufen sich unsere Kosten aufs Jahr gerechnet auf 9459 Euro", rechnet Senn vor.
Das Amt für Jagd und Fischerei erkennt aber nur maximal acht Euro pro Laufmeter Zaun an. Damit liegt der Förderbetrag deutlich unter den veranschlagten Kosten, bedauert Senn. „In unserem Fall würden wir einmalig rund 3000 Euro bekommen. Das deckt nicht einmal ein Drittel unserer jährlichen Spesen." Der Ortsobmann ist über die geringe Unterstützung enttäuscht: „In Summe würden wir Bauern auf zwei Dritteln der Ausgaben für den Herdenschutz sitzenbleiben." Hinzu komme, dass die Kosten für den Arbeitsaufwand jedes Jahr fällig sind, der Förderbetrag des Landes aber nur einmalig ausbezahlt wird.
Am meisten wundert sich der Ortsobmann, dass Ausgaben für Hirten und Herdenhunde überhaupt nicht anerkannt werden: „Jeder weiß, dass nur einen Zaun aufzustellen zu wenig ist, daher fragen wir uns schon, warum wir für die Behirtung keinerlei Entschädigung bekommen." Unterstützt werden zudem nur Zäune auf Almen. Wer seine Herde auf Wiesen in Talnähe schützen will, geht leer aus.

Verantwortung der Öffentlichkeit
Der Ortsobmann fordert die öffentliche Hand auf, mehr Verantwortung für den Herdenschutz zu übernehmen.
„Der Staat", ärgert sich Senn, „setzt uns Wölfe vor die Nase und verbietet uns deren Regulierung. Die öffentliche Hand sollte dann auch so konsequent sein und den Herdenschutz übernehmen. Stattdessen überlässt sie das den Bauern und fertigt sie mit einem Betrag ab, der hinten und vorne nicht reicht und gängige Maßnahmen wie Hirten und Hunde erst gar nicht vorsieht!"
In Richtung einiger Kritiker meint Senn: „Einige halten uns Bauern vor, dass wir reichlich Unterstützung für Herdenschutz bekommen und ihn aus Trotz nicht machen würden. Dem halte ich entgegen, dass beides nicht stimmt: Wir Almbauern wissen ganz genau, wie problematisch der Herdenschutz ist. Und jetzt wissen wir auch, dass wir auf dem Großteil der Kosten selber sitzen bleiben." Seine Kritik richte sich jedoch nicht an die zuständigen Mitarbeiter der Ämter und Forstbehörde.


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