Mehrere Wege in Tirols Energieautonomie

Die Ergebnisse der Studie zu den „Ressourcen- und Technologieszenarien Tirol 2050“ weisen den Weg in die erneuerbare Energiezukunft.

14.03.2019

Die Tiroler Landesregierung hat mit „Tirol 2050 energieautonom" den Ausstieg Tirols aus fossilen Energieträgern und die Eigenversorgung mit sauberer heimischer Energie beschlossen. „Jetzt haben wir erstmals auf Ebene eines Bundeslandes ganz konkrete Zahlen, Daten und Fakten vorliegen, welche Wege in die Energieautonomie führen", sieht LHStv. Josef Geisler Tirol als Vorreiter in Sachen Energiewende.
„Die Energiewende ist keine Utopie, sie ist technisch und mit unseren heimischen Ressourcen möglich. Wir können uns unabhängig vom Ausland selbst mit Energie – und zwar mit sauberer Energie – versorgen und die Wertschöpfung im Land halten, wenn wir sämtliche unserer Ressourcen gut und intelligent nutzen", fasst Geisler zusammen.

Weniger Energie durch mehr Strom
Ausgehend vom derzeitigen Energiebedarf und dem Ziel der Dekarbonisierung auf Basis heimischer, erneuerbarer Energieträger hat das Projektteam bestehend aus Wasser Tirol, Universität Innsbruck und MCI vier Zukunftsszenarien mit jeweils unterschiedlichen Hauptenergieträgern von Strom über Wasserstoff bis zum künstlichen Gas zur Erreichung der Energieautonomie entwickelt. „Die größte Effizienz und die besten Ergebnisse erreichen wir, wenn wir sowohl in der Mobilität, im Gebäudebereich und auch in der Industrie hauptsächlich Strom einsetzen", fasst Projektkoordinator Rupert Ebenbichler von der Wasser Tirol zusammen.
Bei der Umstellung des Energiesystems auf 100 Prozent erneuerbare Energie ist die Energieaufbringung eine Seite. Auf der Bedarfsseite gilt es, Gebäude, Prozesse und Technologien so zu gestalten, dass sie energieeffizient sind und ohne Erdöl und Erdgas auskommen. Über 185.000 Gebäude gibt es derzeit in Tirol. Diese benötigen 41 Prozent der derzeit in Tirol verbrauchten Energie. „Wir können den Energiebedarf um fast ein Drittel reduzieren, wenn wir den Gebäudebestand hochwertig sanieren und im Neubau höchste Qualitätsstandards ansetzen, die sich wesentlich über dem heutigen Niveau befinden", führt Univ.-Prof. Wolfgang Streicher vom Arbeitsbereich Energieeffizientes Bauen der Universität Innsbruck aus.
Mit einem Anteil von 35 Prozent am Energiebedarf und einem nahezu 100 Prozent fossil betriebenen Straßenverkehr ist die Mobilität der „größte Brocken" in der Energiewende. „Mit der Umstellung auf Elektromobilität können wir die Energieeffizienz aber maßgeblich steigern. Dabei muss der Güterverkehr genauso betrachtet werden wie der Personenverkehr von Einheimischen und Gästen", erklärt Univ.-Prof. Markus Mailer vom Arbeitsbereich Intelligente Verkehrssysteme der Universität Innsbruck. Um rund zwei Drittel lässt sich der Energiebedarf in der Mobilität reduzieren, wenn die Fahrzeuge vorwiegend auf Batteriebetrieb und zum Teil auf Wasserstoff umgestellt werden.

Jedes Haus ein Kraftwerk
Fasst man alle möglichen Energieeinsparungspotenziale in den einzelnen Sektoren zusammen, lässt sich der Energiebedarf in Tirol im Vergleich zu heute drastisch reduzieren. „Egal, welchen Weg in die Energiezukunft wir gehen – die Nutzung aller Ressourcen und insbesondere der Ausbau der Wasserkraft sowie ein massiver Ausbau der Photovoltaik (PV) ist in allen Szenarien notwendig", verdeutlicht Projektkoordinator Rupert Ebenbichler. Das bedeutet auch, dass nahezu alle zur Energieproduktion geeigneten Dachflächen in Tirol mit PV-Anlagen bestückt werden müssen.
„Viele Hausaufgaben wie etwa den Solarkataster oder die Potenzialstudie Wasserkraft haben wir bereits gemacht. Weitere Grundlagen wie eine vertiefende Untersuchung von Speichermöglichkeiten werden wir angehen", so Geisler.

Foto: (Von li.): Belastbare Zahlen, Daten und Fakten für das Gelingen von Tirol 2050 energieautonom haben Rupert Ebenbichler (Wasser Tirol), Angela Hofmann (MCI), Energiereferent LHStv. Josef Geisler, Wolfgang Streicher, Markus Mailer (beide Uni Innsbruck) und Andreas Hertl (Wasser Tirol) auf den Tisch gelegt.


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