Borkenkäferprognose: Gefahr ist im Jahr 2019 noch nicht gebannt

Tirol ist 2018 in Sachen Borkenkäfer im Gegensatz zu anderen Bundesländern oder auch zu Bayern mit einem „hellblauen Auge“ davongekommen. Die Borkenkäfergefahr ist – vor allem auch wegen der Sturmschäden im Wald – nicht gebannt.

10.01.2019

Mit vereinten Kräften von Waldbesitzerinnen und Waldbesitzern sowie dem Forstdienst ist es gelungen, den Borkenkäfer im vergangenen Jahr in Schach zu halten. In Tirol werden die Schäden im Wald durch Borkenkäfer im Vergleich zum Vorjahr sogar zurückgehen. Der Sturm Ende Oktober hat uns in unseren Bemühungen aber zurückgeworfen und stellt uns im neuen Jahr gerade in Osttirol vor große Herausforderungen", resümiert Forstreferent LHStv. Josef Geisler.
131.000 Kubikmeter Schadholz, das sind zehn Prozent der gesamten Holznutzungsmenge, und einen wirtschaftlichen Schaden von 4,5 Millionen Euro hat der Borkenkäfer 2017 in Tirol verursacht. Für heuer rechnet man in der Landesforstdirektion mit knapp einem Fünftel weniger Borkenkäfer-Schadholz. „Und das obwohl die Bedingungen für den Borkenkäfer ideal waren", wie Christian Schwaninger von der Abteilung Waldschutz weiß.
In weiten Teilen Österreichs ist die Situation um vieles dramatischer. Allein in Oberösterreich geht man für 2018 von einer Million Kubikmeter Schadholz aus, das Dreifache des vergangenen Jahres. In Summe rechnet man in Österreich mit vier Millionen Kubikmeter Borkenkäferholz. Grund für die im Vergleich zu anderen Bundesländern oder auch zu Bayern glimpfliche Borkenkäfer-Schadensbilanz in Tirol sind die von den Waldeigentümern mit Unterstützung des Forstdienstes konsequent und zielgenau durchgeführten Bekämpfungsmaßnahmen: Über 1.000 Pheromonfallen, die von den Waldaufsehern aufgestellt und betreut wurden, standen im Einsatz. Außerdem wurden 4.000 Fangbäume, die nach der Besiedelung durch die Käfer aus dem Wald abtransportiert wurden, ausgelegt.

Borkenkäfer verlangt viel Voraussicht
Trotz der umfangreichen und auch erfolgreichen Bekämpfungsmaßnahmen ist die Gefahr in Tirol nicht gebannt. In tiefen Lagen konnten sich heuer drei fertige Generationen des gefährlichsten aller Borkenkäfer, dem Buchdrucker, entwickeln. Diese haben sich zum Überwintern aus den Bäumen in den Boden zurückgezogen. Die Waldeigentümer müssen also auch im kommenden Jahr auf der Hut sein. Aus einem einzigen Käferbaum können bis zu 50.000 Jungkäfer ausfliegen. Diese wiederum können 20 gesunde Bäume zum Absterben bringen. Gerade in Osttirols Wäldern wird im kommenden Frühjahr durch die großen Sturmschäden sehr viel für Borkenkäfer anfälliges Holz zur Verfügung stehen. Von vielen einzelnen geworfenen Bäumen, die über die Waldfläche verteilt sind, geht dabei eine höhere Borkenkäfergefahr aus als von großen zusammenhängenden Schadholzflächen. „Deshalb ist es sehr wichtig, auch die vielen einzelnen Windwürfe bis zum Sommer aufzuarbeiten", betont LHStv. Geisler. Das Land Tirol biete auch dabei finanzielle Unterstützung. Denn aufgearbeitete „Einzelwürfe" können über die Zeit fast unbemerkt zu weitreichendem Befall von gesunden Bäumen und damit zu großen Mengen an zusätzlichem Borkenkäfer-Schadholz führen.

Frühwarnsystem hilft bei Maßnahmenplanung
Bei der Bekämpfung des Borkenkäfers konnten die Forstbehörden heuer erstmals auch auf eine Art Frühwarnsystem zurückgreifen. Ein Programm der Universität für Bodenkultur in Wien wird im Auftrag des Landes Tirol mit Daten der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) gefüttert. Das Ergebnis sind Karten, die den aktuellen Entwicklungszustand der Borkenkäferbruten in allen Waldgebieten des Landes zeigen. In einem nächsten Schritt werden auf Basis von eingespeisten Wetterdaten auch Prognosen über die Käferentwicklung möglich sein. „Dieses System hilft uns bei der Planung und Durchführung von Maßnahmen", erläutert Schwaninger.


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