Die leisen Seiten der Weihnacht

In der Annahme, dass so mancher Leser ähnliches fühlt wie ich, wage ich ein Geständnis: Je näher das Fest rückt, um so mehr spüre ich einen Zwiespalt. Auf der einen Seite ist eine gewisse Hektik und Betriebsamkeit, der Lärm und das Laute unvermeidbar, und dabei ist es gar nicht immer störender Lärm, sondern durchaus wohlwollender und liebenswürdiger; aber im Hintergrund mahnt und warnt es doch ständig: Geh auf die leisere Seite des Lebens! Jetzt ist die Zeit für das Verschwiegene und das Schweigende, für das Ungesagte und das Unsagbare.

24.12.2018

Weihnachten hat das Gewicht auf den leisen Seiten des Daseins. Wenn ich mir im Advent eine wunderbare Stunde im Dom mit Sängern und Geigern anhören durfte, ist diese Mahnung wieder verstärkt worden. Aber dann ist doch gleich wieder der Alltag da. Und es heißt formulieren, reflektieren, kontaktieren, reagieren, korrespondieren und in Interviews parlieren – es geht mir beinahe wie dem Bürgereister von Saarda in der berühmten Arie in Lortzings Oper „Zar und Zimmerann"...
Aber die Heilige Nacht kommt näher. Und nun muss der Teppich des Schweigens am festlichen Bahnhof ausgerollt werden, damit das Geheimnis dieser Nacht aussteigen und in unser Leben treten kann. Ohne diesen Teppich fährt der Zug des Jahres vorbei und Weihnachten wäre nur ein Datum gewesen. Mit einem romantischen Anflug wünschte ich mich manchal von Ambo, Studio und Schreibmaschine weg auf einen der verschneiten Wege, die droben in den Bergwäldern die Nordkette oberhalb von Innsbruck queren, oder an einen stillen See um den die Rauhreifbäume einen zarten Spitzenrand gewoben haben, wie ich es so oft bewundert habe.
Aber der Weg in die Idylle, der manchmal so schön ist, ist doch nicht einfach die weihnachtliche Straße. Die Nacht der Selbstentäußerung Gottes, der Kenosis, wie sie die Griechen genannt haben, verlangt Erinnerung und Einstieg nicht nur in das beglückende, sondern auch in das beklommene und beklemmende Schweigen.

Die bedrückende Stille
Da ist einmal die Stille der leisen Not. Es gibt viel Not, die sich nicht recht artikulieren kann. Sie ist in vielen Briefen und Gesprächen zu mir gekommen – und sie ist im Wachsen. Da ist die leise Not wegen der zu kleinen und viel zu teuer gewordenen Wohnung; da ist die stumme Not des jungen Arbeitslosen, der mit abgeschlossener Ausbildung dasitzt und sich täglich durch die Stellenangebote der Zeitungen ackert. Und da gibt es die Stille der sprachlos Gewordenen, der Vereinsamten neben uns, der psychisch Belasteteten, die die sozialen Kontakte verlieren. Und das Verstummen des Lebens, das rund um die alte Frau ist, die auf Besuch wartet – und niemand kommt. Erst bei der Testamentseröffnung werden sie dann dasein ... Still ist es auch um den Sandler, der sich in irgendeiner Ecke in den Mantel wickelt – hoffentlich sind es in dieser Heiligen Nacht nicht zu viele. Bedrückendes Schweigen breitet sich auch dort aus, wo die Verbitterung alle Türen verriegelt hat und der Mensch nicht mehr glauben kann.
Leise, ganz leise geht es in dieser Nacht auch auf der Intensivstation zu, wo nur flackernde Linien auf Bildschirmen den Rythmus des Herzens anzeigen, das zwischen Leben und Tod schlägt. Es ist gut, am Heiligen Abend zunächst durch diese Räume und Winkel des bekommenen Schweigens in Welt und Gesellschaft zu gehen, weil der Welterlöser in der Krippe ja in die Welt des kleinen, menschlichen, oft vergessenen und übersehenen Leids eingetaucht ist. Die Realität von Betlehem war keine Idylle. Wenn man in der Heiligen Nacht sich an den schweigend-belastenden Seiten der Welt nicht vorbeidrückt, dann birgt diese Nacht doch auch die tröstende Stille. Betlehem war eine wunderbare Kombination von Stalldunst und Herrlichkeit.

Die beglückende Stille
Es gab in meinem Leben eine Weihnachtsnacht, in der beides gegenwärtig wurde – das lastende Schweigen und die jubelnde Stille. Es war auf einem einsamen, zugefrorenen See in Nordkarelien. Wir waren zu zweit in der Langlaufspur unterwegs, von einem Stützpunkt zu anderen. Rundherum eine weiße Welt, die sich im Dunkeln verliert. Alles ist weiß, sogar wir selbst, bis auf die Augenschlitze im Tarnzeug. Die letzen Uferbäume sind schon längst zurückgeblieben – und nun ist nur die Fläche da, die sich im Dunkeln verliert. Es ist an sich eine menschenleere Gegend. Jetzt sind die Menschen da, aber ferne Schüsse verraten, dass diese Menschen dem Land keine menschliche Note geben, sondern eine unmenschliche. Es gibt nichts Einsameres als einen zugefrorenen See am Polarkreis in der Nacht, die 23 Stunden dauert. Man hört nur das leise Gleiten der Langlaufschier, die Stöcke setzen im Pulverschnee lautlos ein. Man kommt sich wie verloren vor, verloren in einer fremden, kalten, dunklen, stummen Welt. Und plötzlich beginnt es. Über dem Himmel flammt das Nordlicht auf. Jähe Strahlen schießen wie eine große Orgel zum Zenit, wandeln sich in wallende Gardinen, die vor den Sternbildern hängen. Rote und grüne Schimmer huschen über das wogende Licht, fallen in sich zusammen – und neue Lichtgewitter tauchen auf, Wellenspiele und gleißende Girlanden. Diese Heilige Nacht werde ich nie vergessen. Nie war die unerlöste, dunkle, hoffnungslose Welt und die Armseligkeit des Menschen eindrucksvoller dargestellt als in dieser trostlosen weißen Öde mit den bösen Maschinengewehrsalven in der Ferne. Nie habe ich ein eindrucksvolleres Szenario für das alte Adventlied „O Heiland, reiß die Himmel auf" erlebt, als mit dieser Lichtorgie über dem großen Schweigen.

Schweigen der Ewigkeit
Der Gegensatz auf dem Hirtenfeld in Betlehem kann auch nicht krasser gewesen sein – unten verlorenes, winziges Menschenschicksal und ein paar arme Teufel, die sich als unstete Wanderhirten durchs Leben schlugen – und darüber der Gloriahimmel. Die Nacht der Geburt des Herrn birgt beides, das stumme Leid der Welt und die Herrlichkeit, die aus dem Schweigen der Ewigkeit kommt. Noch etwas bringt mir der Lauf über den winterlichen See in jener Heiligen Nacht in Erinnerung. Wir sind in der frostig-dunklen Welt auf das Licht zu unterwegs gewesen. Wie der himmlische Fackeltanz vor uns begonnen hat, sind wir schneller gelaufen. Mein Freund vor mir hat Tempo gemacht, die Gleitschritte wurden länger und die Stöcke haben den Pulver aufstäuben lassen – im blassen Schimmer des Nordlichts. Es wird wohl immer so sein, dass die Dunkelheit lähmt und das Licht beschwingt. Und was in der Heiligen Nacht als Botschaft aufflammt, das kann uns nur beflügeln: Der Himmel bricht über die Erde herein, Gott kommt zu uns. Mein Freund von damals hat seine Spur inzwischen schon mitten ins Licht hineingelegt. Er war ein einfacher Handwerker und ist vor Jahren als Missionar in Ostafrika gestorben ... Und so erinnert mich die einsame Loipe in die Heilige Nacht hinein an das Wort des Propheten Jesaja (40,31), das ich allen weitergeben möchte, die die leise, tiefe Weihnacht feiern: „Die aber, die dem Herrn vertrauen, schöpfen neue Kraft, sie bekommen Flügel wie Adler. Sie laufen und werden nicht müde, sie gehen und werden nicht matt."

Die leisen Seiten der Weihnacht, Tyrolia Verlag
ISBN978-3-7022-2187-4


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