Meine Vision einer heiligen Nacht

Jedes Jahr – spätestens am 24. Dezember – singen wir „Stille Nacht, heilige Nacht“. Aber so richtig still ist diese Nacht eher selten. In dieser Hinsicht könnten wir viel von der Ribiselstaude lernen. Sie versteht es, einfach mal nichts zu tun, die Kräfte zurückzuziehen und loszulassen.

22.12.2018

Mein biblischer Lieblingsbauer ist der Amos. Weil der so eine ähnliche Nord- und Südtirol-Problematik erfährt. Israel ist zu seiner Zeit in zwei Teile zerfallen. Außerdem kennt er sich mit der Schafzucht und mit seinen Maulbeerfeigenbäumen aus. Und, mir sehr sympathisch, er schimpft viel herum. Amos kritisiert unter anderem, dass wir schöne, pompöse religiöse Feste feiern und uns dabei nicht darum kümmern, wie es denen geht, die wenig haben. Vielleicht ist es hilfreich, dass Amos kein G'studierter, sondern eben ein Landwirt ist. Obendrein ein Fremder dort, im Norden.
Kritische

Gegenstimme fehlt
Im Weihnachtszirkus, jedes Jahr aufs Neue, fehlt diese Stimme. Eine kritische Gegenmusik gleichermaßen zur Harmoniefassade und zur Hektik. Was bringt mir eigentlich die nette Adventmusik, wenn in der Stube immer so eine dicke Luft herrscht? Wenn Gemeinheiten, Neid und Streit an der Holzvertäfelung abprallen? Manche Haus- und Hofgemeinschaften reden das Jahr über nicht so viel miteinander wie die gebeteten Vaterunser und Gegrüßet-seist-du-Maria hinterm Weihrauchfass in den Rauh-
nächten. Da muss man es tun, notgedrungen.
Wie sollen wir die große Botschaft von Frieden und Gerechtigkeit, die Weihnachten angeblich bringt, verstehen, wenn wir vom Kiachl- und Kekslbacken ausgepowert sind? Den Luxus, sich immer wieder an einen festlich gedeckten Tisch, mehrere Feiertage hintereinander, setzen zu können, den haben immer nur die einen. Die anderen haben das Herrichten, das Kochen und Backen, das Aufdecken, das Bedienen, das Abräumen, das Abwaschen, das Verräumen, Fegen, Saugen, Wischen. Da capo al fine.

Loslassen und zurückziehen
In unseren Breiten könnten wir eigentlich von der Ribiselstaude lernen. Ich bin überzeugt, Ribiselstauden wären die besseren ReligionslehreInnen, die besseren PfarrerInnen. Sie lehren: Nun müssen wir einmal nichts tun, wir lassen los. Wir ziehen unsere Kräfte ins Mark der Äste, in die Wurzeln zurück. Dorthin, wo unsere Träume vom Leben und Lebendigsein ruhen. Ins Dunkle, nach innen. Dem Raunen des von den Alten mir zugekommenen Seins, das durch meine Adern pulst, lauschen.
Ein ewiges Lied vom Werden und Vergehen schläft in den Menschen. Und die lange Hoffnung auf Heilsames. Dass die dicke Luft in der Stube sich klären möge. Dass die Schmerzen erträglich und alle Tränen abgewischt werden. Dass alle genug zu essen haben. Dass Schwerter zu Pflugscharen umgeschmolzen werden. Niemand soll mehr auf der Straße schlafen müssen. Nicht bei den Minusgraden. Nicht bei uns, die wir uns Christen nennen.

Gott taucht in die Welt ein
Beim Bauern Amos schließen sich die Lebensringe eng zusammen. Bei ihm lese ich: „Seht, es kommen Tage – Spruch des Herrn –, / da folgt der Pflüger dem Schnitter auf dem Fuß / und der Keltertreter dem Sämann; da triefen die Berge von Wein / und alle Hügel fließen über." (Am 9,13) So ein Überfluss, ja, so wird es sein! Wenn das Gute für alle gekommen ist, göttlich! Weihnachten heißt: Gott taucht in unsere Welt ein. In deine, in meine. Ich finde die Lukas-Erzählung vom Weltherrscher in Windeln anrührend. (Für Politiker_innen reicht es, einmal im Jahr in die Kirche zu gehen. Wenn sie das ernst nehmen, dann ist viel gewonnen.) Obwohl ja auch dies keine Stille-Nacht-Geschichte ist. Mütter, die mit der jungen Miriam aus dem Evangelium mitfühlen, glauben den Krippenkram samt der Goldpatinaschicht kaum. „Ich war, wie viele, mit dem Muttersein einfach überfordert", schallt es mir von einem Flyer im Wartezimmer meiner Frauenärztin entgegen.
Schwangerschaft und Geburt sind so große Veränderungen von Körper, Seele und den gewohnten Beziehungen. Wenn ich Freundinnen rundherum mitverfolge, denke ich mir, Maria hätte anstelle der Hirten, lobender Engel oder anbetender Dreikönige eventuell Hilfe in dieser Ausnahmesituation benötigt. Auf der Innenseite des Flyers, beim schnellen Check, was hätte sie angekreuzt: Ich lache nicht mehr so häufig? Ich fühle mich oft verängstigt? Es wird mir alles zu viel? Ich muss häufig weinen?
Ich habe mir die Zeit mit dem Baby anders vorgestellt? Ich habe das Gefühl, niemand versteht meine Situation? Ich fühle mich hilflos und allein gelassen? Trotz Müdigkeit kann ich nicht gut schlafen? Es bleibt keine Zeit für mich selbst? Was würdest du, liebe Leserin, lieber Leser, ankreuzen?

Es gibt heilige Nächte
Es gibt schon heilige Nächte. Die ereignen sich aber mitunter auch im Mai oder am hellichten Tag. Der Shalom, der Friede von Weihnachten, das Salam Aleikum für alle Menschen guten Willens, ist zu spüren. Eine Vision einer heiligen Nacht stelle ich mir so vor: ein Erker, ein Tisch, eine Kartenrunde. Wortlos wird gespielt, dazwischen Scherze. Die Karter kennen sich. Da gibt's keine Einsamkeit. Jahrelange Vertrautheit im Verlieren und Gewinnen unausgesprochen in der Luft. Gott wohnt in den einander zugewandten Beziehungen unter und in den Menschen.
Irgendwie ein samtenes Dunkel, in dessen Mitte etwas ins Leuchten kommt. Einen Menschenatemzug lang sein ohne Fragen. Wo in der Schwärze Trost und Zuversicht geboren werden, in uns drin. Vom Garten grüßen Ribiselstauden herein. Still.

Foto: Dr. Irmgrad Klein, Institut für Praktische Theologie Fachbereich Katechetik, Religionspädagogik, Religionsdidaktik


Aktuelle Termine

Sprechtag
Mittwoch, 27. März 2019
BLK Imst

Details

Europaregion "Tirol-Südtirol-Trentino"
Mittwoch, 27. März 2019,
ab 18:00 Uhr
Medienraum Tiroler Volkspartei, Fallmerayerstraße 4, 6020 Innsbruck

Details

alle Termine


JETZT UNTERSCHREIBEN!

Unterstützen Sie ONLINE die Unterschriftenaktion für eine verpflichtende Herkunftskennzeichnung. Damit Menschen wissen, woher ihr Essen kommt!

Hier unterschreiben!



Tirol braucht seine Bauern!

Finden Sie mehr Infos zur Kampagne und zu den beliebten Tiroler-Bauern-Produkten in unserem Online-Shop.

Mehr


Hundekottafeln bestellen!

Die Hundekotproblematik ist ein ernst zu nehmendes Thema und betrifft viele Bauern in unserem Land. Wir setzen auf Aufklärung und bieten deswegen unsere Hundekottafeln zum Verkauf an. Infos, Bestellungen etc. unter tbb@tiroler-bauernbund.at oder Tel. 0512/59900-12

Infos, Preise, etc.

Infos, Preise, etc.

Unsere Adresse


Tiroler Bauernbund
Brixner Straße 1
A-6020 Innsbruck
Tirol - Österreich
Telefon +43 512 59900-12
Fax +43 512 59900-31

Email

Bauernbund Wetterservice


Von April bis Oktober 2018 verzeichneten wir 160.000 Anrufe auf unserer Bauernbund-Agrarwetterhotline. Abrufbar ist unsere Wetterhotline wieder ab April unter: Tel. 0512/561593

aktuelles Wetter

Wozu Tiroler Bauernbund?


In unserem Imagefilm und der Infobroschüre erfahren Sie mehr über Ursprung, Aufgaben, Ziele und die Bedeutung des Tiroler Bauernbundes.

Aktuelle Videos

Broschüre

Volltextsuche


Die einfache Suche nach Personen, Orten, Dingen und Terminen!

Tiroler Bauernbund

powered by webEdition CMS