Herdenschutz am Beispiel der Schweiz

Die Rückkehr der Wölfe und anderer Großraubtiere in den Alpenraum stellt die Landwirtschaft, insbesondere die Weidehaltung und die Almwirtschaft, vor eine völlig neue Situation. Der Tiroler Bauernbund lud dazu Interessierte zu einer Tagesexkursion in die Schweiz ein, wo man langjährige Erfahrungen im Umgang mit Wölfen und Herdenschutz hat.

25.10.2018

Im schweizerischen Kanton Graubünden, der an den Bezirk Landeck grenzt, werden ungefähr 180 Schafherden mit 50.000 Tieren gealpt. 36 der Herden werden von Herdenschutzhunden bewacht. 2018 gab es bisher rund 100 Risse aus ungeschützten Herden. Aber selbst geschützte Herden bieten keinen hundertprozentigen Schutz, weiß Jan Boner, Herdenschutzbeauftragter des Kantons Graubünden und Ausbilder der Herdenschutzhunde am landwirtschaftlichen Bildungszentrum Plantahof. Zehn Tiere wurden im laufenden Jahr aus geschützten Herden gerissen. „Bei einer ungeschützten Herde kann es aber passieren, dass zwanzig Schafe auf einmal gerissen werden", ist Jan Boner von der Wirksamkeit der Herdenschutzhunde überzeugt.
Die Hirtin und Schafbäuerin Gabi Famos aus Ramosch war die erste, die in Graubünden Herdenschutzhunde eingesetzt hat. Aktuell hütet sie mit Hilfe zweier Herdenschutzhunde, einem Maremmen-Abruzzen-Schäferhund und einem Französischen Pyrenäenberghund, ihre eigenen und die Schafe der Bauern von Scuol im Unterengadin, rund 25 Kilometer von der Tiroler Landesgrenze entfernt. Mit Wölfen hatte bisher weder sie noch ihre Hunde Kontakt, wohl aber mit Bären.
In Graubünden gibt es derzeit drei Wolfsrudel mit bis zu jeweils neun Welpen pro Jahr. Daher ist es für Jan Boner keine Frage, dass Wölfe auch entnommen werden müssen. Bis ein Wolf von einem Wildhüter geschossen werden kann, ist es aber auch in der Schweiz ein weiter Weg. Der betreffende Wolf muss entweder für den Menschen gefährlich sein oder übergroßen Schaden an Nutztieren anrichten wie der berüchtigte „M75", der 2017 binnen zwei Monaten nachweislich für über 30 Risse verantwortlich war. Die Zuständigkeit für die Erteilung der Abschüsse liegt beim Kanton.

Gesellschaft muss Kosten tragen
Die Schweiz bekennt sich zur Aufrechterhaltung einer wirtschaftlichen Landwirtschaft im Berggebiet. Dazu gibt es eine klare Aufgabenverteilung zwischen Bauern, Wildhüter und Bürger.
Der Bauer schützt das Vieh. Das geschieht mit verschiedenen Maßnahmen wie Behirtung, Nachtpferch und elektrifizierten Zäunen – oder eben mit Hunden. Der Kanton Graubünden betreibt an der landwirtschaftlichen Bildungs- und Forschungsstätte Plantahof in Landquart ein umfassendes Herdenschutzprogramm. Neben der Beratung der Landwirte steht die Zucht, Haltung, Ausbildung und Prüfung von geeigneten Herdenschutzhunden im Zentrum.
Der Wildhüter prüft den Schaden und schießt den Wolf. Entschädigt wird nur, wenn am Kadaver der DNA-Nachweis des Raubtieres gelingt. Versprengtes und abgestürztes Vieh wird nicht entschädigt. Generell geht die Tendenz dahin, dass nur mehr Vieh aus geschützten Herden entschädigt werden soll.
Der Bürger bezahlt den Mehraufwand, der durch die Raubtiere verursacht wird. Gerissene Tiere werden zum Marktwert für Schlachtvieh entschädigt. Die Zucht, Ausbildung und Haltung der Herdenschutzhunde wird öffentlich finanziert. Für jeden eingesetzten Herdenschutzhund bekommt der Landwirt oder Hirte 1.200 Schweizer Franken pro Jahr. Der materielle Mehraufwand für Zäune, Pferche und dergleichen wird ebenfalls übernommen.
Jan Boner verwehrt sich dagegen, den Raubtieren allein die Schuld am landwirtschaftlichen Strukturwandel zu geben. Den hätte es vorher auch schon gegeben. „Zwei Promille der Alptiere fallen den großen Beutegreifern zum Opfer. Das sind fünf Prozent der gesamten Alpungsverluste." Ein Problem sieht der Herdenschutzbeauftragte, der selbst aktiver Schaf- und Almbauer ist, eher im Nichtmähen von landwirtschaftlichen Flächen. Durch die Verbuschung bekommen die Wölfe Nahrungsgrundlage und Deckung.

Wölfe verändern Freizeitverhalten
Herdenschutz mit Hunden ist eine herausfordernde Aufgabe. Im Gegensatz zu anderen Hunden müssen Herdenschutzhunde selbstständig arbeiten, daher dürfen nur ausgebildete und geprüfte Hunde zum Einsatz kommen. Freizeitsportler und Touristen im Almgebiet müssen die Spielregeln einhalten und ihr Verhalten anpassen. Nutztierherden sind großräumig zu umgehen, Fahrräder sollen geschoben werden und Laufen ist verboten. Vom Mitführen eigener Hunde wird dringend abgeraten. Bei einem Zwischenfalls steht der Gesetzgeber klar auf der Seite des Herdenschutzhundes.
Mit einer Fülle von Einrücken kehrten die Exkursionsteilnehmer nach Tirol zurück. Niemand in der Landwirtschaft braucht Wölfe und Bären. Kommen sie aber, müssen die Nutztierherden geschützt werden – auf welche Weise auch immer. Auf keinen Fall dürfen die Lasten der Landwirtschaft aufgebürdet werden.


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