Kaltenhauser: Tirols Bauern wissen, was ihre Tiere brauchen

Der Handel fordert immer höhere Tribute, denen die bäuerlichen Familienbetriebe Tirols inzwischen nur noch schwer nachkommen können. Aktuell will die Handelskette Hofer die Milchbauern, die an „Zurück zum Ursprung“ liefern, zur Umstellung auf die Haltung im Laufstall zwingen. Für LAbg. Kathrin Kaltenhauser hat diese Forderung nichts mit Tierwohl zu tun. Sie erklärt im Gespräch mit der Bauernzeitung ihre Ansicht zur Laufstall- und Kombihaltung (Anbindehaltung mit Freilauf) und ihre Einschätzung zum Handel.

11.10.2018

Der Handel drängt die Tiroler Bauern mit seinen Forderungen in die Knie. Was sagen Sie zur derzeitigen Situation, Frau Kaltenhauser?
KALTENHAUSER: Die Konzentration des Handels ist eines der zentralsten und größten Probleme, denen die kleinstrukturierte Tiroler Landwirtschaft gegenübersteht. Der Handel glaubt nämlich nicht mehr an die bäuerliche Landwirtschaft und wird sie, wenn es so weitergeht, zukünftig auch nicht mehr brauchen. Aus diesem Grund werden wir Mittel, Wege und Strategien brauchen, um den familiären Bauernbetrieben eine erfolgreiche Zukunft zu geben – denn wir alle sind davon abhängig, ob die Flächen Tirols bewirtschaftet werden und ob man als Land in der Lage ist, sich selbst zu versorgen. Aber sich dabei auf den Handel zu verlassen, ist für die bäuerliche Landwirtschaft im Moment sehr schwierig.

Von „Zurück zum Ursprung" wird gefordert, die Anbindehaltung bis 2020 abzuschaffen.
KALTENHAUSER: Wenn wir darüber diskutieren, ob wir Bergbauern die Anbindehaltung verbieten, dann werden wir über kurz oder lang ein Problem haben. Die Tiere verbringen im Sommer 120 Tage auf der Alm und dürfen meist auch noch einige Zeit auf der hofeigenen Weide genießen. Den Kühen 365 Tage Auslauf im Jahr zu geben ist gerade für die Nebenerwerbsbauern unmöglich. Dazu kommen die enormen Kosten, die mit dem Umbau des Stalls in einen Laufstall auf die Bauern zukommen würden. Für viele wäre das Grund genug, den Betrieb aufzugeben. Der Handel fordert von der bäuerlichen Landwirtschaft sehr viel. Zum Vergleich: Massentierhaltende Betriebe erfüllen mit einem Laufstall mit 7000 Milchkühen die Anforderungen des Handels. Eine bäuerliche Familie, die ihre Kühe beim Namen kennt und die Tiere im Sommer auf die Alm bringt und im Winter im Stall hält, erfüllt diese Kriterien nicht.

Was sagen Sie zu den Vorwürfen bezüglich der Anbindehaltung?
KALTENHAUSER: Es gibt viele Menschen, die in der Landwirtschaft tagtäglich mit Tieren arbeiten und ein Bewusstsein dafür entwickelt haben. Ich selbst zähle mich als Bäuerin auch zu dieser Gruppe. Man sollte den Bäuerinnen und Bauern zutrauen, dass sie für das Wohl ihrer Tiere sorgen – schließlich hängt der wirtschaftliche Erfolg ihres Betriebs genau von diesem Faktor ab. Zudem sollte man die Vorschläge, die vonseiten der Landwirtschaft kommen, in engere Betrachtung ziehen. Schließlich sprechen die Tiroler Bäuerinnen und Bauern aus der Praxis und wollen ihrem Vieh nur das Beste.

Gibt es Maßnahmen, die man außerhalb der Politik ergreifen kann, um die Bauern zu unterstützen?
KALTENHAUSER: Wir müssen unsere regionalen Kreisläufe wiederaufbauen, wenn wir der Diktatur des Handels entgegenwirken wollen. Dazu braucht es Konsumenten, vor allem jene, die erkennen, welche Vielfalt die Tiroler Bauern liefern und welche Vielfalt sie im Gegenzug brauchen. Dem Konsumenten muss bewusst sein, dass sich die Landwirtschaft verändert hat. Im Jahr 1970 hat ein Bauer beispielsweise zwölf Personen mit seinen Erzeugnissen ernährt, heute sind es im Schnitt 102 Personen. Daher lautet mein klarer Apell an die Konsumenten: Wer regional kauft, gibt uns Bauern und Bäuerinnen den Auftrag, weiter zu produzieren! Zudem habe ich die große Bitte, nicht allen Werbestrategien und Tierschutzorganisationen auf den Leim zu gehen, denn auf unsere bäuerlichen Familien kann man vertrauen.


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